Wertstromdesign (auch Wertstrom-Design, Value Stream Design oder Future State Mapping) ist die gestaltende Komponente des Wertstrom-Managements. Während die Wertstromanalyse den Ist-Zustand eines Wertstroms erfasst und dokumentiert, definiert das Wertstromdesign den angestrebten Soll-Zustand und entwickelt einen konkreten Umsetzungsplan. Es ist das zentrale Werkzeug im Lean Management, um Verschwendung systematisch zu eliminieren und einen schlanken, fließenden Wertstrom zu gestalten. Wertstrom-Management arbeitet mit den Grundbausteinen Wertstrom-Mapping und Wertstrom-Design (vgl. Klevers 2015, S. 9–10) (vgl. Klevers 2015, S. 7–10).
Das Wertstromdesign baut unmittelbar auf der Wertstromanalyse auf. Nachdem mithilfe des Mappings der Ist-Zustand erfasst wurde, beginnt der Weg der Gestaltung des zukünftigen Zustandes. Der Weg zu einer Vision und einem darauf aufbauenden Soll-Zustand soll sich nicht nach dem gesunden Menschenverstand richten, sondern einer Systematik folgen, die letztlich zu einer verschwendungsarmen Umgebung führt (vgl. Klevers 2015, S. 77–81). Der Gestaltungsprozess orientiert sich an einem klaren Ziel: dem Kunden genau das zu liefern, was er braucht, in der Menge, die er braucht, zum Zeitpunkt, an dem er es braucht, mit möglichst geringen Kosten und kürzester Durchlaufzeit.
Ein ganz wichtiger Punkt bei der Entwicklung von Lösungen im Rahmen des Wertstromansatzes ist die Ausrichtung an Zielen und Visionen, nicht an Schwierigkeiten. Zunächst wird eine Vision erarbeitet, die sich einzig an der Zielsetzung orientiert, den Ablauf möglichst verschwendungsfrei zu gestalten. Darauf aufbauend wird dann ein Soll-Zustand abgeleitet, der in einem überschaubaren Zeitraum realisierbar ist.
Abgrenzung zur Wertstromanalyse: Während die Wertstromanalyse (ID 60, Value Stream Mapping) den Ist-Zustand dokumentiert und Verschwendung identifiziert, geht das Wertstromdesign einen Schritt weiter: Es gestaltet den Soll-Zustand und definiert den konkreten Weg dorthin. Beide Bausteine bilden zusammen das Wertstrom-Management.
Das Wertstromdesign folgt grundlegenden Lean-Gestaltungsprinzipien, die den Soll-Wertstrom formen. Klevers gliedert die Gestaltungsbereiche in drei Hauptkategorien: Rhythmus und Fluss, Steuerung und Sequenz sowie Prozesse und Hilfsmittel (vgl. Klevers 2015, S. 80–82).
Der Weg vom Ist-Zustand zum Soll-Zustand verläuft über einen dreistufigen Prozess: Ist-Zustand erfassen, Vision entwickeln, Soll-Zustand ableiten. Zunächst wird eine restriktionsfreie Vision entwickelt, bei der keine Rücksicht auf aktuelle Einschränkungen genommen wird. Dabei spielen Grundgedanken eine Rolle wie: Undenkbares denken, Vorhandenes, auch Bewährtes, in Frage stellen, Einfachheit und Klarheit suchen (vgl. Klevers 2015, S. 77–80).
Aus der Vision wird anschließend ein Soll-Zustand abgeleitet, für den ein zeitlicher Horizont festgelegt wird. Meist handelt es sich um einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten. Die Differenz zwischen Ist und Soll wird in konkrete Maßnahmen übersetzt, die im Wertstromjahresplan zusammengefasst werden (vgl. Klevers 2015, S. 137). Dieser Plan legt fest, welche Veränderungen in welcher Reihenfolge und mit welchen Ressourcen umgesetzt werden.
Der erste Gestaltungsbereich befasst sich mit dem Produktionsrhythmus und der Schaffung eines möglichst unterbrechungsfreien Materialflusses. Kontinuierlicher Fluss bedeutet, dass keine Unterbrechung des Ablaufs stattfindet, somit treten geringe Bestände auf, die Ressourcen werden gleichmäßig genutzt und der Steuerungsaufwand wird weitestgehend minimiert (vgl. Klevers 2015, S. 82–84). Produktionsbereiche mit kontinuierlichem Fluss zeigen eine deutlich ruhigere Arbeitsatmosphäre als Bereiche mit unterbrochenem Fluss bei gleicher oder sogar höherer Ausbringung.
Im zweiten Gestaltungsbereich geht es darum, möglichst wenige Prozesse zu steuern und selbststeuernde Regelkreise zu schaffen. Mit dieser Frage geht die Zielsetzung einher, einen Produktionsmix zu schaffen, so dass alle Teile in kurzen Zeitabschnitten immer wieder gefertigt werden können. FIFO-Bahnen (First In, First Out) und Kanban-Systeme sind typische Instrumente, um die Kopplung verschiedener Prozessketten zu organisieren.
Der dritte Gestaltungsbereich adressiert die technische Seite: Mit Wertstrom-Management werden nicht nur Abläufe optimiert, sondern es wird auch geprüft, ob vorhandene Bearbeitungstechnologien und Hilfsmittel den Anforderungen eines schlanken Wertstroms genügen. Es kann beispielsweise erforderlich sein, Bearbeitungstechnologien zu ändern, um die Zykluszeiten der einzelnen Prozessschritte aufeinander abzustimmen.
Die Prinzipien des Wertstromdesigns lassen sich auch auf Büro- und Verwaltungsprozesse übertragen. Statt physischer Materialflüsse werden hier Informationsflüsse betrachtet. Die Auftragsabwicklung und planende Bereiche (vgl. Klevers 2015, S. 141–152) stellen einen eigenen Anwendungsbereich des Wertstromdesigns dar, in dem die gleichen Gestaltungsprinzipien gelten: Fluss schaffen, Wartezeiten eliminieren, Pull-Steuerung einführen. Auch die Lean Administration nutzt Wertstromdesign, um administrative Prozesse verschwendungsarm zu gestalten.
Nachdem ein Soll-Konzept erarbeitet worden ist, werden die Maßnahmen festgelegt, um dieses Konzept zu realisieren. In der Regel wird es eine Reihe von Maßnahmen mit unterschiedlichem Fokus und Schwierigkeitsgrad geben. Neben der Produktion werden verschiedene andere Bereiche wie Fertigungssteuerung, Disposition, Logistik und Einkauf betroffen sein. Der Wertstromjahresplan schafft Transparenz über den Fortschritt und stellt sicher, dass alle Beteiligten auf dasselbe Ziel hinarbeiten.
Leikep, S. (2013): Wirksames Wertstrommanagement, in: YOKOTEN 03/2013, S. 18–21.