World Class Manufacturing (WCM) ist ein umfassendes Produktions- und Managementsystem, das die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens in allen Dimensionen, Sicherheit, Qualität, Kosten, Liefertreue und Umwelt, auf Weltklasseniveau bringen soll. Der Begriff wurde in den 1980er-Jahren von Richard J. Schonberger geprägt und später vor allem durch den Einsatz bei Fiat (heute Stellantis) international bekannt. WCM integriert Elemente aus TPM, Lean Management, Total Quality Management und Six Sigma zu einem ganzheitlichen Verbesserungsrahmen, der auf einer strukturierten Vorgehensweise mit Säulen und Auditierungsstufen basiert.
Der Begriff „World Class Manufacturing“ wurde 1986 durch Richard J. Schonbergers gleichnamiges Buch eingeführt. Schonberger beschrieb darin die Erfolgsmuster japanischer und amerikanischer Unternehmen, die eine überlegene Wettbewerbsposition durch konsequente Anwendung von Verbesserungsmethoden erreicht hatten. In den 1990er- und 2000er-Jahren wurde der WCM-Ansatz von Professor Hajime Yamashina von der Universität Kyoto systematisch weiterentwickelt und als strukturiertes Säulenmodell für die industrielle Praxis aufbereitet.
Die größte Verbreitung fand WCM durch den Einsatz bei Fiat ab 2005 unter der Führung von CEO Sergio Marchionne. Fiat implementierte WCM in allen Werken weltweit und nutzte das System als zentralen Hebel für die Transformation des Konzerns. Nach der Fusion mit Chrysler zur Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und später zu Stellantis wurde WCM zum konzernweiten Produktionssystem ausgebaut. Auch andere Großunternehmen wie CNH Industrial, Iveco und Ariston haben WCM als ihr primäres Verbesserungssystem übernommen.
Das WCM-System ist ähnlich wie TPM in Säulen (Pillars) organisiert. Die typische WCM-Struktur umfasst zehn technische Säulen und zehn Management-Säulen. Zu den technischen Säulen gehören unter anderem Arbeitssicherheit, Kostenentfaltung (Cost Deployment), Fokussierte Verbesserung, Autonome Instandhaltung, Professionelle Instandhaltung, Qualitätskontrolle, Logistik und Umwelt. Die Management-Säulen umfassen Themen wie Führungscommitment, Kompetenzentwicklung und Organisationsentwicklung.
Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal von WCM gegenüber klassischem TPM ist das Cost Deployment (Kostenentfaltung). Diese Methode macht Verluste und Verschwendung systematisch in monetären Größen sichtbar und priorisiert Verbesserungsmaßnahmen nach ihrem finanziellen Einsparpotenzial. Die Verlustanalyse erfolgt nach der sogenannten A-B-C-D-Matrix, die Verluste von der Gesamtfabrikebene über Prozesse und Ursachen bis zu konkreten Verbesserungsprojekten herunterbricht.
Jede WCM-Säule wird in sieben Schritten implementiert, die einen definierten Reifegrad darstellen. Die Schritte eins bis drei gelten als „reaktiv“, hier werden Probleme erkannt, analysiert und mit Standardmethoden beseitigt. Die Schritte vier und fünf sind „präventiv“, Systeme werden so gestaltet, dass bekannte Probleme nicht wiederkehren. Die Schritte sechs und sieben erreichen das „proaktive“ Niveau, das Unternehmen antizipiert potenzielle Probleme und entwickelt innovative Lösungen, bevor Verluste entstehen.
Dieses Stufenmodell weist deutliche Parallelen zu den sieben Stufen der Autonomen Instandhaltung im klassischen TPM auf. Der methodische Fortschritt von reaktiv über präventiv zu proaktiv spiegelt den grundlegenden TPM-Gedanken wider, dass Exzellenz nicht durch das Lösen von Problemen, sondern durch das Verhindern ihres Entstehens erreicht wird.
Ein zentrales Element von WCM ist das strukturierte Auditsystem. Werke werden regelmäßig von internen und externen Auditoren auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten bewertet. Die Bewertung erfolgt für jede Säule einzeln und wird zu einem Gesamtscore aggregiert. Die Einstufungen reichen von Bronze (über 50 Punkte) über Silber (über 60 Punkte) und Gold (über 70 Punkte) bis zum „World Class“-Niveau (über 85 Punkte). Dieses Bewertungssystem motiviert Werke, systematisch an allen Säulen zu arbeiten und schafft eine konzernweite Vergleichbarkeit.
Auch in Deutschland haben Unternehmen WCM erfolgreich implementiert. Ein frühes Beispiel ist der Baxter-Standort Gambro Dialysatoren in Hechingen, der auf Basis von TPM ein eigenes WCM-Programm aufgebaut und dafür vom JIPM den „Advanced Special Award for TPM Achievement“ erhalten hat (vgl. Leikep 2014, S. 11–13).
Praxistipp: WCM und TPM verfolgen das gleiche Grundziel, die nachhaltige Eliminierung von Verlusten und Verschwendung. Unternehmen, die bereits mit TPM arbeiten, können das WCM-Cost-Deployment als ergänzendes Werkzeug nutzen, um Verbesserungsmaßnahmen noch gezielter zu priorisieren und deren finanzielle Wirkung transparent zu machen.
WCM, TPM und Lean Management verfolgen ähnliche Ziele, unterscheiden sich jedoch in Schwerpunkten und Methodik. Während TPM traditionell von der Instandhaltung und Anlagenverfügbarkeit ausgeht und Lean Management den Wertstromprozess in den Mittelpunkt stellt, betont WCM die monetäre Bewertung von Verlusten als Ausgangspunkt für Verbesserungen. In der Praxis überlappen sich die Methoden stark, und viele Unternehmen kombinieren Elemente aller drei Ansätze. Roser ordnet WCM als einen von mehreren Versuchen ein, das Toyota-Produktionssystem unter einem neuen Namen zu etablieren, und betont, dass der inhaltliche Kern weitgehend identisch sei (vgl. Roser 2023).
Leikep, S. (2014): Erfolg ist planbar, Baxter-Standort Gambro Dialysatoren GmbH: Mit TPM zum World Class Unternehmen, in: YOKOTEN 05/2014, S. 11–13.
Roser, C. (2023): Wo liegt der Unterschied?, Toyota-Produktionssystem (TPS) vs. Schlanke Produktion, in: YOKOTEN 05/2023.