Lean Management ist ein ganzheitlicher Führungs- und Organisationsansatz, der auf die konsequente Vermeidung von Verschwendung und die Maximierung der Wertschöpfung ausgerichtet ist. Der Ansatz hat seinen Ursprung im Toyota-Produktionssystem (TPS) und zielt darauf ab, alle Prozesse eines Unternehmens schlank, effizient und kundenorientiert zu gestalten. Lean Management geht über reine Produktionsoptimierung hinaus und umfasst auch Führung, Unternehmenskultur und die systematische Entwicklung von Mitarbeitern. Kontinuierliche Verbesserung bringt in der Praxis mehr, als auf große Sprünge zu hoffen oder zu warten (vgl. Moeller 2015, S. 24–25). Lean Management ist kein Endzustand, sondern eine Einstellung, die in vielen Schritten in Richtung Idealzustand führt, selbst Toyota als Pionier der Lean-Idee würde niemals behaupten, bereits alle Verschwendungen beseitigt zu haben (vgl. Moeller 2015, S. 24).
Lean Management hat seine Wurzeln im Toyota-Produktionssystem (TPS), das ab den 1950er Jahren bei Toyota entwickelt wurde. Taiichi Ohno und Shigeo Shingo prägten das System, das auf den Grundgedanken der Vermeidung jeglicher Verschwendung (jap. Muda) und der konsequenten Ausrichtung auf den Kundenwert basiert. In den 1970er Jahren sorgte Lean Production durch das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserungen und den Fokus auf höchste Qualität international für Aufmerksamkeit (vgl. Moeller 2015, S. 24). Der Begriff „Lean Production“ wurde durch die MIT-Studie von James Womack, Daniel Jones und Daniel Roos bekannt, die 1990 das TPS als schlanke Produktion beschrieben und im Buch „The Machine That Changed the World“ veröffentlichten.
Das Toyota-Produktionssystem ist die Vorlage für die meisten westlichen betrieblichen Verbesserungssysteme wie Lean Management und Operational Excellence. Toyota sieht seine wichtigste Aufgabe seit mehr als 50 Jahren in der Entwicklung seiner Mitarbeiter. Ergebnis dieser Philosophie ist eine Betriebskultur, die über eine tägliche Anleitung durch Vorgesetzte das eigenständige Denken und eine permanente Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit fördert (vgl. OJT Solutions 2017, S. 21–23). Lean Production ist eine Optimierungsstrategie, die in der Automobilindustrie entwickelt wurde und nach einer Balance zwischen allen Schritten im Produktionsablauf strebt (vgl. Koch 2021, S. 21–22). Aus dieser produktionsbezogenen Methodik entwickelte sich das umfassendere Konzept des Lean Managements, das die Lean-Prinzipien auf alle Unternehmensbereiche überträgt.
Lean Management basiert auf fünf grundlegenden Prinzipien, die den Rahmen für alle Verbesserungsaktivitäten bilden und die Organisation konsequent auf den Kunden ausrichten:
Im Zentrum von Lean Management steht die systematische Identifikation und Eliminierung von Verschwendung (jap. Muda). Der TPM-Ansatz unterscheidet verschiedene Verlustkategorien, die auch im Lean Management Anwendung finden. Im Kontext von TPM wird bevorzugt von „Verlusten“ gesprochen, da dem Begriff „Verschwendung“ etwas Vorwurfsvolles innewohnt:
Der Erfolg von Lean Management steht und fällt mit dem Führungsverhalten. Lean Tools gehören zur Grundausstattung moderner Unternehmen. Doch ohne Anpassung des Führungsverhaltens führt die Verbesserung der Prozesse nur kurzfristig zu Erfolgen. Verbesserung ist der Mittelpunkt langfristiger Wettbewerbsfähigkeit, deshalb ist das Führen von Verbesserung die essenzielle Aufgabe der Führungskräfte.
Eine verbreitete Falle bei der Lean-Einführung beschreibt das Geleitwort zu May/Schimek (2015, S. 1): Viele Unternehmen beschäftigen sich zu lange ausschließlich mit den Methoden und Praktiken von Lean Management. Nach der Einführung der Lean-Methoden erzielen sie relativ schnell erste Verbesserungen und Kosteneinsparungen. Doch weitere Fortschritte lassen sich dann nur noch mit Druck auf die Mitarbeiter erzielen. Der Übergang von reiner Methodenorientierung zu einem ganzheitlichen Managementsystem wie TPM kann dieses Problem lösen.
Wichtige Erkenntnis: Gelingt es, das Potenzial der Menschen im Unternehmen zu entfalten und Verbesserung zur Normalität werden zu lassen, verbessert dies unmittelbar die Wettbewerbsfähigkeit. Mit der Toyota-KATA rückte dieser bislang zu wenig betrachtete Aspekt von Lean Management in den Fokus: das Führungsverhalten im Verbesserungsprozess.
Die praktische Umsetzung von Lean Management zeigt sich in Unternehmen aller Größen und Branchen. Ein herausragendes Beispiel ist CEWE, Europas führender Fotoservice und Onlinedruckdienstleister, der konsequent auf Lean Management gesetzt hat und so das Unternehmen in allen Produktionsbereichen fit für die Zukunft gemacht hat (vgl. Leikep 2016, S. 10–13). Jeder Mitarbeiter ist Teil einer sich selbst verbessernden Organisation. Sie entwickeln in ihrem jeweiligen Bereich kleine und große Verbesserungen, versuchen immer wieder Neues und lernen, mit Misserfolgen umzugehen. Die Kräfte, die durch dieses eigenverantwortliche Handeln freigesetzt werden, bestimmen den Erfolg des gesamten Unternehmens maßgeblich (vgl. Leikep 2016, S. 10).
Lean Management beschränkt sich nicht auf die Industrie. Auch öffentliche Einrichtungen können ihre Kunden schnell, effizient und kostengünstig bedienen, wenn sie Lean-Prinzipien anwenden. Die Praxis zeigt, wie mit Lean Management aus traditionellen Einrichtungen moderne Service-Center mit zufriedenen Mitarbeitern und Besuchern werden, durch mehr Bürgernähe, weniger Bürokratie und die Beseitigung von Verschwendung.
Die Digitalisierung bringt neue Anforderungen der Optimierung von Prozessen und Wertschöpfungsketten mit sich. Die Frage, ob das Zusammenspiel zwischen Lean Management und Digitalisierung gelingen wird, beschäftigt viele Unternehmen (vgl. Lean Management und Digitalisierung 2021, S. 24–26). Hinsichtlich ihrer Ziele ähneln sich die Ansätze: Lean Management verfolgt die Ziele Zeit, Qualität, Kosten, Sicherheit und Motivation, während die Digitalisierung zusätzlich die Dimension der Individualisierung mit einbringt.
Besonders kleine und mittelständische Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die schlanke Produktion mit den Ansätzen der Digitalisierung zu vereinen (vgl. Lean Management und Digitalisierung 2021, S. 24–26). Eine erfolgreiche Symbiose erfordert, dass die Lean-Grundlagen bereits solide implementiert sind, bevor digitale Werkzeuge ergänzend eingeführt werden. Digitalisierung kann Lean ergänzen, aber nicht ersetzen. Wer digitale Werkzeuge auf nicht optimierte Prozesse aufsetzt, digitalisiert lediglich die bestehende Verschwendung.
Lean Management verfügt über einen umfangreichen Werkzeugkasten, der je nach Anwendungsbereich und Reifegrad der Organisation eingesetzt wird:
Der nachhaltige Erfolg von Lean Management hängt von mehreren Faktoren ab, die weit über die Kenntnis einzelner Werkzeuge hinausgehen:
Ein typischer Fallstrick ist die Überbetonung einzelner Methoden ohne systemischen Zusammenhang. Bei jedem Verbesserungsprogramm muss die erste sinnvolle Aktivität der Erkenntnisgewinn durch Messung sein. OEE ermöglicht es, sich schnell einen Überblick über die Verluste zu verschaffen. Ebenso problematisch ist ein zu starker Fokus auf Kostensenkung: Lean Management zielt auf die Beseitigung von Verschwendung, nicht primär auf Personalabbau. Unternehmen, die Lean als reines Kostensenkungsprogramm missbrauchen, zerstören das Vertrauen der Mitarbeiter und damit die Grundlage für nachhaltige Verbesserung.
Lean Management steht in enger Verbindung mit weiteren Managementansätzen, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken. TPM und Lean Management verfolgen ähnliche Ziele mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Während Lean auf Flussprinzip und Verschwendungsvermeidung fokussiert, betont TPM die Maximierung der Anlageneffektivität. In der Praxis ergänzen sich beide Ansätze und bilden gemeinsam die Basis für Operational Excellence (vgl. May/Schimek 2015, S. 16–17).
Die Toyota-KATA erweitert Lean Management um systematische Führungs- und Mitarbeiterentwicklung. Durch Verbesserungs- und Coaching-KATA entsteht ein durchgängiges Management-System, das Prozessverbesserung und Mitarbeiterentwicklung verbindet (vgl. Rother/May 2019, S. 36–37). Das Grundprinzip von TPM, Gehe zum Gemba, suche nach Muda, mache Kaizen, gilt gleichermaßen für Lean Management: Gehe an den Ort des Geschehens, suche nach Verschwendung und mache sofort eine Verbesserung.
Lean Management hat sich längst über die klassische Produktion hinaus bewährt. Im administrativen Bereich beginnt die Verbesserung in den meisten Unternehmen mit einer großen Aufräumaktion (5S). Ziel ist es, jeden Vorgang in kürzester Zeit greifbar zu machen, 30 Sekunden für das Auffinden eines jeden Vorganges (vgl. May/Schimek 2015, S. 21). Lean Office und Lean Administration übertragen die bewährten Lean-Prinzipien auf indirekte Bereiche. Prozesse werden mit Makigami visualisiert, Durchlaufzeiten verkürzt und Informationsflüsse optimiert.
Moeller, A. (2015): Das volle Potenzial der Lean Production ist nicht annähernd ausgeschöpft, in: YOKOTEN 03/2015, S. 24–25.
Leikep, S. (2016): Lean Management bei CEWE, in: YOKOTEN 02/2016, S. 10–13.
Lean Management und Digitalisierung, in: YOKOTEN 03/2021, S. 24–26.
Womack, J. P.; Jones, D. T. (2003): Lean Thinking, Ballast abwerfen, Unternehmensgewinn steigern. Campus Verlag, Frankfurt am Main.
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