Green Belt bezeichnet eine Ausbildungsstufe im Six Sigma-System. Green Belts erhalten eine umfassende Schulung in statistischen Methoden und Problemlösungswerkzeugen und sind anschließend in der Lage, eigene Optimierungsprojekte selbstständig durchzuführen (vgl. Leyendecker/Kierdorf 2021, S. 10). Die Bezeichnung leitet sich, wie auch die Stufen Yellow Belt, Black Belt und Master Black Belt, aus den Kampfkünsten ab und wurde in den 1980er Jahren von Six-Sigma-Trainer Mikel Harry geprägt (vgl. Roser 2018, S. 26).
Der Green Belt ist in der Regel ein Projektleiter, der neben seiner regulären Tätigkeit Verbesserungsprojekte nach der DMAIC-Methodik durchführt. DMAIC steht für die fünf Phasen Define, Measure, Analyze, Improve und Control, eine strukturierte Vorgehensweise, die sicherstellt, dass Verbesserungen auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten erfolgen und nachhaltig wirken. In jeder Phase stehen dem Green Belt erprobte Werkzeuge zur Verfügung.
Ein zentrales Merkmal der Green-Belt-Arbeit ist die konsequente Kundenorientierung. Bereits in der Define-Phase wird die Voice of the Customer erhoben, um die für den Kunden wichtigen Aspekte des Prozesses zu identifizieren (vgl. Leyendecker/Kierdorf 2021, S. 10). Daran wird anschließend gezielt gearbeitet, nicht an Prozessen um der Prozesse willen, sondern an den Stellschrauben, die aus Kundensicht den größten Unterschied machen.
Die Green-Belt-Ausbildung umfasst sowohl statistische als auch nicht-statistische Werkzeuge. Zu den statistischen Methoden gehören Prozessfähigkeitsanalysen, Hypothesentests, Regressionsanalysen und Grundlagen der statistischen Versuchsplanung (Design of Experiments). Die nicht-statistischen Werkzeuge, oft als Soft Tools bezeichnet, helfen insbesondere zu Beginn eines Projekts, das Team zu fokussieren und ein gemeinsames Problemverständnis zu schaffen.
Kierdorf betont, dass die große Stärke von Six Sigma in der datenbasierten Arbeitsweise liegt: Zusammenhänge werden nicht mit Bauchgefühl, sondern mit Zahlen und Fakten belegt (vgl. Leyendecker/Kierdorf 2021, S. 10). Dadurch werden emotionale Diskussionen durch sachliche Analysen ersetzt. Die Green-Belt-Ausbildung bildet das Fundament für die weiterführende Black-Belt-Qualifikation, die unter anderem die statistische Versuchsplanung vertieft.
Das Six-Sigma-Ausbildungssystem umfasst mehrere aufeinander aufbauende Qualifikationsstufen:
In der Praxis werden Six Sigma und Lean Management zunehmend kombiniert. Während Lean auf die Reduzierung von Verschwendung abzielt, konzentriert sich Six Sigma auf die Verringerung von Prozessstreuung. Beides ergänzt sich: Gut ausgetaktete Produktionslinien erfordern vorhersagbare Prozessergebnisse mit geringer Streuung, genau das ist das Kernthema von Six Sigma. Umgekehrt sind statistische Analysen erst dann aussagekräftig, wenn zuvor durch Lean-Methoden wie 5S die offensichtlichsten Verschwendungen beseitigt wurden.
Roser weist allerdings darauf hin, dass ein Zertifikat allein noch keine Erfahrung bescheinigt. Ein Green Belt oder Black Belt ist vergleichbar mit einem Fahrschulabschluss, die eigentliche Kompetenz entsteht erst durch langjährige Praxis auf dem Shopfloor (vgl. Roser 2018, S. 27). Entscheidend ist nicht das Label, sondern die Fähigkeit, mit gesundem Menschenverstand und Beobachtung reale Verbesserungen zu erzielen.
Praxistipp: Setzen Sie Green-Belt-Projekte gezielt an Prozessen ein, die hohe Streuung aufweisen und bei denen Ursache-Wirkungs-Beziehungen unklar sind. Die datenbasierte DMAIC-Methodik ist besonders dort wirkungsvoll, wo intuitive Verbesserungsversuche bisher nicht zum Ziel geführt haben.
Roser, C. (2018): Macht ein "Black Belt" den Lean-Profi aus?, in: YOKOTEN 01/2018, S. 24–27.
Leyendecker, B.; Kierdorf, M. (2021): Und warum jetzt auch noch Six Sigma?, in: YOKOTEN 02/2021, S. 10.