ChatGPT ist ein KI-basierter Chatbot des US-amerikanischen Unternehmens OpenAI, der auf großen Sprachmodellen (Large Language Models) basiert. Seit seiner Veröffentlichung Ende 2022 hat ChatGPT eine beispiellose Verbreitung erfahren und innerhalb von fünf Tagen über eine Million registrierte Nutzer gewonnen (vgl. May 2023, S. 25). Im Kontext von Lean Management und Operational Excellence eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten, von der Unterstützung bei der Problemlösung über die Zusammenfassung komplexer Handbücher bis hin zur Überwindung von Sprachbarrieren am Shopfloor.
ChatGPT basiert auf der Transformer-Architektur, einem neuronalen Netzwerk, das anhand enormer Textmengen trainiert wurde. Das Modell generiert menschenähnliche Texte, indem es statistische Wahrscheinlichkeiten für die jeweils nächsten Wörter berechnet. Anders als herkömmliche Suchmaschinen liefert ChatGPT keine Linklisten, sondern formuliert zusammenhängende, kontextbezogene Antworten. Das System merkt sich innerhalb einer Sitzung vorhergehende Fragen und bezieht sie in spätere Antworten ein, was einen dialogischen Austausch ermöglicht.
Die Qualität der Antworten ist dabei nicht immer zuverlässig. Das Modell kann plausibel klingende, aber faktisch falsche Aussagen generieren, sogenannte Halluzinationen. Für den Einsatz im betrieblichen Umfeld bedeutet dies, dass Ergebnisse stets kritisch geprüft werden müssen. Eine blinde Übernahme KI-generierter Inhalte würde dem Prinzip der faktenbasierten Entscheidungsfindung widersprechen, das im KVP und in der Lean-Philosophie verankert ist.
Im Produktions- und Verbesserungskontext bietet ChatGPT vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten. May beschreibt, wie die KI-Anwendung bei der Erstellung von Ishikawa-Diagrammen helfen und kreative Vorschläge zur Problemlösung in der Produktion liefern kann (vgl. May 2023, S. 25). Darüber hinaus sind folgende Anwendungsfelder denkbar:
Trotz der beeindruckenden Fähigkeiten darf ChatGPT nicht als Ersatz für menschliche Expertise und das Gemba-Prinzip betrachtet werden. Die KI generiert Texte auf Basis statistischer Muster, sie versteht weder Prozesse noch beobachtet sie die Realität vor Ort. Die Grundregel, dass Entscheidungen auf der direkten Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten am Ort der Wertschöpfung basieren müssen, bleibt unverändert gültig.
Ein weiterer kritischer Aspekt betrifft den Datenschutz. Vertrauliche Unternehmensdaten, Prozessparameter oder Kundeninformationen sollten nicht in öffentlich zugängliche KI-Systeme eingegeben werden. Unternehmen, die ChatGPT produktiv nutzen möchten, sollten interne Richtlinien zum Umgang mit KI-Werkzeugen etablieren und gegebenenfalls auf datenschutzkonforme Enterprise-Lösungen zurückgreifen.
Richtig eingesetzt kann ChatGPT den KVP unterstützen, indem es Routineaufgaben beschleunigt und den Zugang zu Wissen erleichtert. Die KI eignet sich besonders als Ideengeber in frühen Phasen der Problemlösung, etwa beim Brainstorming möglicher Ursachen oder bei der Recherche von Best Practices. Die eigentliche Verbesserungsarbeit, das Beobachten, Messen, Experimentieren und Standardisieren, bleibt jedoch eine zutiefst menschliche Aufgabe.
Nicht nur klassische Textaufgaben profitieren von KI-Unterstützung. Auch bei der Erstellung von Programmcodes, der Konzeption von Marketingkampagnen oder der Gestaltung von Präsentationen liefert ChatGPT verwertbare Ergebnisse. Die Kreativbranche verändert sich dadurch massiv, und auch im industriellen Umfeld werden zukünftig nicht nur repetitive, sondern zunehmend auch kreative Aufgaben von KI unterstützt.
Praxistipp: Nutzen Sie ChatGPT als Sparringspartner für Verbesserungsprojekte, etwa um Ursachenhypothesen zu generieren, Schulungsinhalte vorzubereiten oder mehrsprachige Arbeitsanweisungen zu erstellen. Prüfen Sie die Ergebnisse stets am Gemba und gegen Ihre Prozessdaten, bevor Sie Maßnahmen daraus ableiten.
May, C. (2023): ChatGPT als Gamechanger, in: YOKOTEN 01/2023, S. 3–3.