Wie innovativ ist KI? Die Bewusstseinsfrage
Was ist der Unterschied zwischen Mensch und Maschine? Um diese Frage beantworten zu können, müsste bekannt sein, wie Bewusstsein funktioniert. Aber angeblich ist das nicht definierbar, sagen Wissenschaftler. Denn sie haben es bisher nicht geschafft. Also muss es unmöglich sein. Klingt logisch, ist aber nicht umfassend. Es ist auch nicht jedem die erfolgreiche Teilnahme an einem Triathlon vergönnt – was aber im Folgeschluss nicht bedeutet, dass ein Triathlon per se unmöglich ist. Nur ist einen Triathlon zu absolvieren ähnlich mutig, wie den Unterschied zwischen Mensch und Maschine zu formalisieren. Ein Beispiel: Als zu Beginn der Neuzeit die akademische Mode entstand, den Menschen auf seine naturwissenschaftlich fassbaren Funktionen zu reduzieren, schrieb der Arzt und Philosoph Julien Offray de La Mettrie 1748 das Buch „L’Homme-Machine“. Demnach ist der Mensch durchaus mit einer Maschine vergleichbar, aber nicht mit einer handelsüblichen. Sondern er ist wie eine von innen heraus erleuchtete. Die These boomte, aber kurz darauf erlag der Autor im Kreise seiner weniger erfolgreichen Kollegen einer vergifteten Fasanenpastete. Seither spalten sich die akademischen Lager in die zwei Parteien des sogenannten Leib-Seele-Problems. Eine davon stellen die rationalen Bewusstseinsmechaniker aus der Neurologie und der KI – und auf der anderen Seite stehen die sogenannten „weichen“ Disziplinen des Teilzeit-Irrationalen. Die Philosophie, die Literatur und die Kunst beschäftigen
sich mit Super-Soft-Skill-Themen wie dem „menschlichen Herz“ oder „Stimmungen“ – deren Erwähnung in der Industrie dazu führt, dass jemand den Sicherheitsdienst ruft. In der Academia führt die Entscheidung für eines der je beiden Lager immer zu so viel Unmut beim anderen, dass für den dann folgenden akademischen Tod keine Fasanenpastete notwendig ist. Dabei ist eine so digitale Entscheidung gar nicht notwendig. Es geht beides. Werden die Aussagen dieser zwei gegensätzlichen Schulen nämlich gesammelt und wie in einem Cocktailshaker so lange gemischt und geschüttelt, bis nur noch das kleinste gemeinsame Element davon übrig ist, dann tritt so etwas wie die DNA-Struktur von Bewusstsein zutage. Diese fachübergreifende Struktur ist formalisierbar wie die Programmierung eines künstlichen Systems. Sie beinhaltet auch und vor allem bestimmte Aggregatzustände des Denkens wie Kreativität, Transzendenz, den Bedarf an Sinn und psychologischem Schönheitsempfinden, Wissen über destruktives Verhalten und Kompetenz bei der Verarbeitung von Widersprüchen. Diese „weichen“ Phänomene gehören zur Grundausstattung der Psyche, folgen klaren Regeln und sind mit den harten Parametern der Naturwissenschaften erfassbar. Es sind nur andere Regeln als in der Infinitesimalrechnung. Aber nur inklusive dieser nicht umsonst immer als „typisch menschlich“ bezeichneten Themen präsentiert sich dieses Bewusstseinsmodell dann als umfassend
und charismatisch „leuchtend“ – und ein entsprechendes Personalmanagement ist nachhaltiger. Denn der Mensch besteht nicht nur aus Zahlen und ist nicht nur ein Full Time Equivalent. Sondern jenseits dieser einseitigen SAP-Berechenbarkeit beginnt eine andere – und endet dort, wo die Logik des Rationalen und des Irrationalen sich gegenseitig aufheben wie Schrödingers Katze auf einem gleichfarbigen Sofa, wo ihr Freud höchstpersönlich übers Fell streicht und darüber doziert, dass Maschinen bestenfalls das „Über-Ich“ ihres Programmierers haben können, aber kein „Ich“ und ein „Es“ noch viel weniger (vgl., Keller, Franz: Künstliche Intelligenz: Freund – oder Feind?, Freiburg, im Ersch.). Es gibt in den Fachsprachen viele Umschreibungen für diese ganz bestimmte Einheit von verschiedenen Arten der Informationsverarbeitung, die uns Menschen definiert. Dass der Mensch eine Kombination aus Rationalität und Irrationalität und das Mischungsverhältnis eine Unbekannte ist, ist nur die einfachste Formel dafür. Aber immer nur eine der beiden Seiten zu fördern, das ist suboptimal. Damit erweisen wir uns als weit weniger wissenschaftlich, als gedacht. Jede noch so gut gemeinte Maßnahme im HR-Bereich oder bei der Digitalisierung ist ohne Kenntnis des Gesamtsystems wissenschaftstheoretisch gesehen wie mittelalterliche Blutegelkuren bei einem Herzinfarkt. Und ein solcher Kollaps droht uns, wenn wir auf einem veralteten Konzept von Bewusstsein beharren, anstatt uns auf den neuesten Stand zu bringen. Denn dieses Umfassende macht Bewusstsein aus. So funktionieren Menschen – aber Maschinen nicht. Für anspruchsvolle Führungskräfte gibt es darum am CETPM unter dem Stichwort SMART HUMANITIES ein entsprechendes Seminarangebot. Das Buffet dazu unterliegt den deutschen Lebensmittelbestimmungen.
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