Reinhard K. Sprenger fasst in diesen ausgewählten Publikationen heiße Eisen an, die Gesellschaft, Politik und Unternehmen umtreiben (sollten!). Er stellt vorgefertigte Denk- und Handlungsmuster in Frage, ermuntert seine Leser zum eigenen Nachdenken und Reflektieren und lädt quasi zum geistigen Ungehorsam ein. Dabei beleuchtet Sprenger die Dinge aus dem Blickwinkel des Managementberaters, Philosophen und Psychologen und natürlich aus dem eines Menschen mit Lebenserfahrung – immer pragmatisch und aus dem freien Denken heraus. Ein Buch, das möglicherweise polarisiert, weil der Autor Klartext spricht bzw. schreibt und dabei manchmal auf sprachliche Fesseln der „Political Correctness“ verzichtet. Zum Beispiel stellt er die Frauenquote bei Führungspositionen in Frage und liefert die Begründung, warum diese seiner Ansicht nach den Frauen eher schadet als nutzt. Managementthemen wie Benchmarking, Purpose, Leadership oder Soziale Verantwortung stellt Reinhard K. Sprenger auf den Prüfstand. Dabei fragt er immer nach Alternativen, nach Spielräumen, nach Offenheit bei der Suche nach Lösungen. Im Kapitel über die Logik des Scheiterns stellt er klar, dass es „die Erfolgskultur“ nicht gibt. Vielmehr sei Erfolg eine sehr individuelle Angelegenheit und jedes
Unternehmen müsse selbst seinen Weg finden. Auf die Frage, ob Führungskräfte für ihre Arbeit in einer nächsten Gesellschaft besondere persönliche Eigenschaften brauchen, antwortet er: „Autorität hat jemand, der etwas anbietet, was andere brauchen. Autoritär ist jemand, der etwas anbietet, was andere nicht brauchen. Das wird auch in der Zukunft so sein.“
Leadershit
Als erfolgreicher Managementberater und aufmerksamer Beobachter bemängelt Sprenger den „Leadershit“, den er in vielen Unternehmen beobachtet. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund und kritisiert das Verhalten einiger Manager, aber auch der Politik, der Medien und der Konsumenten. Er sieht in der Überfülle an Möglichkeiten und ihrer Widersprüchlichkeit die Existenzvoraussetzung für Management. Entscheidungen zu treffen koste Kraft und bringe es mit sich, dass jede Entscheidung eine Ablehnung des Abgelehnten nach sich zieht. Sein Fazit dazu: „Die kleinformatige Negation von Kontingenz durch Erfolgsrezepte, Leitlinien, best practices und bürokratische Alternativvernichtungen – das ist letztlich die Selbstabschaffung des Managements.“ Auch gesellschaftliche und politische Themen spart der Autor nicht aus und benennt klar, was aus seiner Sicht schief
lief oder noch schief läuft. Seine „unbequemen Wahrheiten“ werden nicht allen schmecken. Doch wer unvoreingenommen über Sprengers Thesen nachdenkt wird zugeben müssen, dass immer mindestens ein Körnchen Wahrheit darin steckt, meistens sogar sehr viel mehr. Und schließlich soll sich ja jede(r) selbst auf die Suche nach Wahrheit, Sinn, Unsinn und relevanten Entscheidungskriterien machen. Aus seinem Gräuel gegen Staatsgläubigkeit, Selbsteinsperrung, Meinungsepidemien, Deutlichkeitsverbote oder Leugnungsmanöver macht Sprenger keinen Hehl. In einer frischen Sprache mit neuen Wortkreationen ermutigt er zu Selbstvertrauen, aufrechtem Gang und selbstbestimmtem Handeln – gerade in unsicheren Zeiten. Deshalb ist die Lektüre sehr zu empfehlen für alle, die selbstständig jenseits des Mainstreams denken und Wert auf Freiheit und Eigenständigkeit legen – und erst recht für alle anderen!
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