Business-Blabla lässt sich verdammt schwer umsetzen
Und das hat rein gar nichts mit Intelligenz oder Kompetenz zu tun! Sie können das besonders gut nachfühlen, wenn sie mal versuchen, folgenden Satz zu verstehen: „Beabsichtigt ein Gericht, seiner Entscheidung eine unvertretbare Rechtsauffassung zugrunde zu legen, dann ist es gem. § 139 ZPO verpflichtet, hierauf vorab hinzuweisen, damit es von der betroffenen Partei auf den Rechtsirrtum hingewiesen werden kann.”
als potenzielle Führungskraft gehandelt. Es scheint die Annahme zu bestehen, dass jemand, der fähig wirkt, auch fähig ist. Auch wird oft davon ausgegangen, dass eine professionelle Ausdrucksweise grundsätzlich richtig und auch angebracht sei. Diese Sprache verschleiert aber oft den darunter liegenden Kern. Es werden Ausdrucksweisen wie „wir stehen vor einer großen Herausforderung“ in Betriebsversammlungen genutzt und dann auch erwartet, dass alle Mitarbeitenden
Die Länge ist nicht das Problem: Einfach und praxisorientiert ist besser merkfähig als komplex und abstrakt.
Dieser echte Auszug aus einem Urteil des Landgerichts Hamburg ist komplexes Verwaltungsdeutsch und Sie werden mir sicherlich zustimmen, dass das einfach keinen Spaß macht. Nicht beim Lesen und ganz besonders nicht beim Umsetzen. Diese beiden sprachlichen Auswüchse haben das Problem gemeinsam, dass man sie nicht einfach, schnell und zackig in die Umsetzung bringen kann. Vor allem dann, wenn die Umsetzung nicht mehr nur ausschließlich von der Führung vorangetrieben werden soll, sondern von Buchhaltern, Vertrieblern, Auszubildenden, Installateuren und Marketingfachleuten gleichermaßen und bestenfalls an einem Strang ziehend mit viel Eigeninitiative mitgestaltet werden soll.
Maskerade der Vergangenheit ablegen
Historisch gesehen und auch heute noch wird Sprache dafür genutzt, sich abzuheben und zu einer bestimmten Gruppe zu gehören. Wer sich zum Beispiel eloquent ausdrücken konnte, wurde im Kreis der gebildeten Akademiker eher ernst genommen als die sprachliche Ghetto-Coolness, die man sich in der Vorort-Hauptschule angeeignet hat. Und nur wer die Business-Terminologie beherrscht, darf am Strategiekreis mitmachen oder wird sogar manchmal etwas vorschnell schon
verstanden haben, „dass jetzt alle den Hintern hoch kriegen müssen, um das Ruder noch herumzureißen“. In meiner Arbeit geht es immer darum, große Pläne in die Tat umzusetzen. Und ich merke immer wieder, dass die in Unternehmen verwendete Sprache ein riesengroßer Innovationsverhinderungsfaktor sein kann. Und das ist deshalb so absurd, weil es so einfach wäre, das abzustellen. Und kosten tut es auch nichts.
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Einfachsprache vs. Business-Sprech
Wieder einfacher und verständlicher zu sprechen, geht sogar in zwei Richtungen – aber bei beiden kommt es auf die Führungskraft an. Sie muss strategische Pläne einerseits einfacher und verständlicher formulieren, ja manchmal gar erst übersetzen, damit alle wirklich verstehen und überhaupt die Chance haben, mitzumachen. Andererseits muss eine Führungskraft aber auch Ideen und Vorschläge der Mannschaft ernst nehmen, wenn diese in „Einfachsprache“ vorgetragen werden. Ein Beispiel aus der Praxis macht es auf schmerzliche Weise deutlich: Bei einem Kundenauftrag sprach mich ein Mitarbeiter vom Shopfloor an, erzählte mir von seiner Idee, deren Resultat er wie folgt zusammenfasste „und dann steht in der Zeit keiner dumm rum und wir haben in der Zeit zack die Kisten voll“. Da ich
kürzer als der Business-Sprech, sondern einfacher. Das ist okay, denn die Länge ist nicht das Problem: Einfach und praxisorientiert ist besser merkfähig als komplex und abstrakt. Am Ende bedeuten die beiden Formulierungen annähernd dasselbe – nur die Ausdrucksweisen unterscheiden sich. Mit dem Resultat, dass die einfache Formulierung von allen verstanden und mitgetragen werden kann. Die einfache Formulierung liegt auch inhaltlich sehr nah an einem potenziellen „Trigger“, der in Mitarbeitenden einen AHA-Moment auslösen kann während sie ins Alltagsgeschäft vertieft sind: In dem Moment, wo in einem Mitarbeiter der Ärger aufsteigt, dass seine Arbeitszeit mal wieder für die Ablage P gewesen ist, kann er diese Situation viel schneller als „kostet Zeit“ identifizieren, als wenn er die gedankliche Transferleistung zu „strategisch schlecht eingesetzter Ressource“ hätte bringen müssen, während er gleichzeitig in irgendeiner gewaltigen Exceltabelle hochkonzentriert Reportingzahlen jongliert. Meine Ausführungen möchte ich auf keinen Fall so verstanden wissen, dass Mitarbeitende nur zu einfacher Ausdrucksweise, simplen Formulierungen oder nur einfachen gedanklichen Transferleistungen fähig wären. Auch mit Intelligenz hat das überhaupt nichts zu tun. Sondern ich weise auf den Umstand hin, dass unser Arbeitsalltag ohnehin immer komplexer und zeitkritischer wird, dass Verantwortungsgebiete sich immer mehr erweitern und wir Mitarbeitenden immer mehr Mitdenken und Flexibilität abfordern müssen – alleine der schnelllebigen Zeit geschuldet, in der wir aktuell arbeiten. Sondern ich frage mich, warum wir Menschen, die z. B. in ihren wertschöpfenden Abteilungen tagtäglich Großartiges wuppen, den Laden am laufen halten, „das Geld reinwirtschaften“, durch sprachlich komplexes Blabla-Geplänkel noch mehr unnötigen Ballast aufbürden, als sie ohnehin schon tragen. Oder ob wir ihnen dieses zusätzliche Gewicht ersparen sollten. Für mich ist die Antwort klar, warum wir das tun sollten: Weil wir es können.
weiß, dass die besten Ideen meistens von denen kommen, die sich bei der Arbeit die Hände schmutzig machen, hörte ich aufmerksam zu und nahm den Mitarbeiter ernst. Dieser hatte die Idee bereits seinem Vorgesetzten erzählt; dieser hatte die Idee aber mit den Worten „Quatsch“ abgetan. Glücklicherweise ließ der Mitarbeiter sich davon nicht aufhalten und wandte sich an mich. Ich nahm die Idee auf, lief damit zur Geschäftsleitung und übersetzte die Idee in Business-Sprech: „Gewinnorientierte Nutzung der Leerlaufzeiten von Maschine, Shopfloor-Akteuren und Einpack-Robotern.“ Was glauben Sie, was passiert ist? Die Geschäftsleitung war völlig aus dem Häuschen vor Freude. Als ich ihm mitteilte, dass dies nicht meine Idee war, sondern von seinem eigenen Mitarbeiter aus den unteren Reihen kommt und schon drei Jahre alt ist, empört er sich: „Warum höre ich erst jetzt davon?!“ Ganz einfach: Er lebt in der Annahme, dass nur professionell ausgedrückte Ideen Hand und Fuß haben – und das sogar ohne böse Absicht. Aus meiner Praxis weiß ich, dass dieser Umstand für so einige missachtete Ideen verantwortlich ist, die gewaltige Chancen und Potenziale in vielen deutschen Unternehmen ermöglicht hätten. Ein Vorschlag: Holen Sie Ihr Ziel- oder Leitbild, Ihr Strategiepapier oder Ihre Vision 2030 nochmal hervor und überprüfen Sie, ob es Potenzial hat, WIRKLICH im ganzen Unternehmen verstanden zu werden. Wenn nein, gibt es was zu tun.
Ermöglichen vs. Machen
So ähnlich verhält es sich mit der Umsetzung und der Tatkraft in Projekten, Arbeitsgruppen, Innovationsteams, um nur einige zu nennen. Vielfach sind die Aufgaben so formuliert, dass Mitarbeiter erst einmal gedankliche Transferleistungen erbringen müssen, um überhaupt loszulegen. Nehmen wir an, Sie vereinbaren mit den Mitarbeitenden in Ihrer Abteilung folgende Aufgabenstellung: „Wir sollten unsere Ressourcen viel strategischer einsetzen“. Im Meeting klingt das erstmal fein, es wird an der Oberfläche diskutiert, alle gehen beflügelt zurück an den Arbeitsplatz. Wenn dann nach einiger Zeit zum Review geladen wird und nach Erfolgen gefragt wird, bleiben die Gesichter betreten und die Resultate sind höchstens als klägliche Versuche zu werten. Sie als Führungskraft sind mit der Performance Ihres Teams nicht zufrieden. Hier ein Vorschlag: Probieren Sie es doch nächstes Mal mit folgender vereinfachter Formulierung: „Wenn wir etwas tun, was viel Zeit und Geld kostet, aber irgendwie total wenig Sinn hat, schaffen wir es ab. Und wenn etwas sinnvoll wäre, probieren wir das aus.“ Das ist nicht
Es reist sich besser mit leichtem Gepäck
Am Ende sind meine Vorschläge ganz simple und budgetneutrale Maßnahmen, um die Performance und die Geschwindigkeit in der Umsetzung zu erhöhen. Ganz nebenbei passiert aber noch viel mehr: Mitarbeitende, die wirklich verstehen und daraufhin zur eigenständigen Umsetzung befähigt sind, erleben sich selbst als wirksam. Und mit dem Gefühl der eigenen Wirksamkeit kommt eine positive Wirkung auf die Motivation. Und gute Motivation wirkt sich unter anderem auch auf Zukunftsideen aus – quantitativ und qualitativ. Und gute Zukunftsideen sind mit das wichtigste, was Sie auf der Reise zu mehr Innovationsfähigkeit und Zukunftssicherung Ihres Unternehmens brauchen. Wir befinden uns im Wettlauf. Mit Unternehmen, die bereit sind, komplexen sprachlichen Ballast abzuwerfen und Abkürzungen zu gehen. Können wir es uns dann leisten, es nicht mindestens zu versuchen?
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In vielen Unternehmen wird viel Aufwand betrieben, um innovativ zu sein. Der gewünschte Erfolg bleibt oftmals trotzdem aus. In ihrem Buch „Innovation leben!“ wirft Lena Lührmann einen neuen Blick auf Innovation. Sie zeigt, wie das zugrundeliegende Innovationsproblem gelöst und Grenzen überwunden werden können. Die Autorin setzt bewusst auf erfahrungsbasierte Lösungsvorschläge und lädt zum unkonventionellen Perspektivwechsel ein.
Lena Lührmann beleuchtet, woran Innovation immer noch und immer wieder scheitert, obwohl alle notwendigen Techniken und Budgets aufgefahren wurden. Sie zeigt anschaulich, was auf Bauch- und Kopfebene, zwischenmenschlich und haptisch passiert, wenn Menschen an Innovation denken oder sich damit befassen. Sie möchte so das Bewusstsein bei Führungskräften und Entscheidern in Unternehmen dafür wecken, was ihre Mitarbeiter in Sachen Innovation leisten oder auch nicht. Nur wer sich selbst und sein Unternehmen in dieser Hinsicht versteht, wird in der Lage sein, aus den vielzähligen Techniken die geeigneten herauszufinden.
