Stolz darauf sein, was man mit Hand, Hirn und Herz erschaffen hat – diese Tradition geht bei uns leider immer mehr verloren. Statt ein Handwerk zu erlernen entscheiden sich Schulabgänger eher für einen anderen Weg.
Den Mangel an Handwerkern bekommen wir bereits heute im Alltag zu spüren in Form langer Wartezeiten und steigender Preise. Auch Unternehmen beklagen mangelndes Interesse an handwerklichen Ausbildungsberufen. Heute sind akademische oder administrative Berufe begehrter als etwas „Praktisches“ zu lernen. Früher waren wir ein Land der Erfinder. Menschen wie Robert Bosch, Gottlieb Daimler oder Rudolf Diesel haben das Leben der Menschen revolutioniert. Es gab eine Kultur des Tüftelns und der handwerklichen Perfektion, verkörpert beispielsweise in innovativen mittelständischen Unternehmen. Handwerker waren oft hoch angesehen und ihre Fähigkeiten wurden geschätzt. Heute leiden wir unter dem extremen Handwerkermangel und es wird prognostiziert, dass in naher Zukunft niemand mehr ein Fahrrad reparieren oder
Technik im Haus installieren kann. Wie konnte es soweit kommen? Das Problem ist sicherlich vielschichtig, aber meiner Meinung nach spielt die OECD eine große Rolle. Die OECD hat in der Vergangenheit Deutschland mehrfach vorgeworfen, eine zu niedrige Akademikerquote im Vergleich zu anderen Ländern zu haben. Diese Vorwürfe führten zu politischen Initiativen, um die Akademikerquote in Deutschland zu erhöhen. Es wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den Zugang zu den Hochschulen zu erleichtern. Leider wurde eines dabei übersehen: Deutschland hat (noch!) eine starke industrielle Basis und eine breite Palette von Branchen, die auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen sind. Neben akademischen Berufen besteht ein großer Bedarf an gut ausgebildeten Nicht-Akademikern wie beispielsweise Mechatronikern, Elektronikern, Industriemechanikern, Werkzeugmachern etc. Diese Berufe erfordern spezifisches technisches Wissen und praktische Fähigkeiten, die in handwerklichen Ausbildungen erworben werden. Aufgrund der politischen Initiativen bekamen viele Menschen den Eindruck, nur ein Hochschulstudium würde sich lohnen – die alte Weisheit „Handwerk hat goldenen Boden“ ging verloren und die Wertschätzung für das Handwerk verschwand.
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Was können wir tun?
Um den Trend zur Akademisierung und überbordendem Wachstum in den administrativen Berufen umzukehren, sollten wir bereits in der frühen Kindheit beginnen, die Wertschätzung für handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln. Kinder müssen erkennen, dass es Spaß macht, selber anzupacken und etwas zu erschaffen – und dass nicht alle Alltagsaufgaben per App oder KI gelöst werden können. Dies gilt natürlich auch für Jugendliche und Erwachsene. Ebenso sind Eltern und Großeltern gefordert. Früher war es üblich, dass Reparaturen im Haus oder an Fahrzeugen selbst erledigt wurden. Dies weckte die Neugier bereits im Kindesalter. Heute erscheint manchen bereits das Auswechseln einer Glühbirne als Herausforderung. Haben Sie Ideen, wie eine Monozukuri-Initiative in Deutschland aussehen könnte? Sehen Sie eine Chance, dass wir wieder an den Erfindergeist und die Schaffensfreude unserer Vorfahren anknüpfen können? Schreiben Sie mir!I
