Vielleicht verändert der Change dann nicht nur Ihre tägliche Arbeit, sondern führt dazu, dass Ihr bislang so sicherer Job auf einmal nicht mehr so sicher ist. Oder Ihnen keinen Spaß mehr macht, weil Sie jetzt neue Aufgaben haben, die Ihnen gar nicht liegen. Oder die lang versprochene Beförderung entfällt – aus „Change-Gründen“. Oder Sie kommen mit der neuen Chefin, dem neuen Chef so gar nicht mehr zurecht. Dann müssten Sie sich dem

persönlichen Change stellen und sich neu ausrichten. Das kann sein, indem Sie sich im Unternehmen selbst umsehen oder indem Sie sich einen neuen Job suchen. Vielleicht ist Ihr Job auch sicher, aber öde, und Sie sind nicht wirklich glücklich in Ihrer Firma. Es läuft so lala, und Sie werden unruhig, denken selbst über einen Change nach. Sollten Sie sich dazu aufmachen, sich neue Ziele zu setzen? Den Sprung ins Ungewisse wagen?

Eines ist sicher: Alles ist unsicher

Dann sehen Sie hinaus auf den Markt, in die unsicheren Zeiten und fangen an zu rechnen: Wie viele Jahre im Job haben Sie noch vor sich – 10? 20? 30? 40? Doch lieber keinen eventuell riskanten Change in unsicheres Terrain in unsicheren Zeiten. Nein, nein, so schlimm ist der Job ja gar nicht. Auch so ein Denken kann verhängnisvoll sein. Sie hängen fest im Sumpf der Langeweile. Sie sind gefangen im Trott der Gewohnheit oder Sie ziehen das Unglücklichsein dem Neuanfang vor. Sie behalten doch lieber den Spatz in der Hand und schielen nicht mehr auf die Taube auf dem Dach.

Change ist doof

Und changegeplagt denken wir: „Es könnte doch alles wie früher sein …“. Genau dann haben wir ihn satt, den Wandel. Ja, Change ist ziemlich doof, wenn man sich das alles so überlegt. Und doch ist er wichtig. Und notwendig. Und hilfreich. Und er bringt uns weiter.

Lust auf Change?

Dahin, dass man Veränderungen will, muss man erst mal kommen. Es gab eine Zeit, da waren wir davon überzeugt, das Pferd sei das einzig wahre Transportmittel. Beim Aussteigen aus der Kutsche traten wir zwar in die Pferdeäpfel und fluchten, doch wir konnten und wollten uns nichts anderes vorstellen. Schon Kaiser Wilhelm II. sagte, das Automobil sei nur eine vorübergehende Erscheinung. Er glaubte auch an das Pferd, und zwar ausschließlich. Der Wandel, das Automobil, kam dennoch – gut oder schlecht? Erst für viele bedrohlich, ein Novum, eine Innovation, der Verbrennungsmotor. Damals dachten wir, das sei eine Veränderung zum Schlechten, zum Minus, Teufelswerk sozusagen. Heute sehen wir es anders. Kürzlich habe ich von einem Ingenieur gehört: „Ich bin mit dem Verbrennungsmotor groß geworden, etwas anderes kann ich nicht.“ Die Frage ist, wie wir in zehn Jahren die E-Mobilität sehen – gut oder schlecht? Sie merken, es ist immer eine Frage der Perspektive.

Der Wandel zum Besseren

Interessanterweise scheint sich unsere Perspektive nach einer gewissen Zeitspanne zu verändern. Eine Klientin von mir sollte den „goldenen Handschlag“ erhalten und abgefunden werden, man wollte sie schlichtweg loswerden. Sie war verzweifelt, Anfang vierzig und ohne Perspektive. Sie hatte zwei Kinder und war alleinerziehend, sie brauchte das Geld. Sie wollte nicht gehen, doch sie konnte auch nicht bleiben. Eine ungute Situation. Im Karrierecoaching arbeiteten wir zuerst an ihrem Mindset, an ihrer Haltung. Ihr Selbstbewusstsein war so geschrumpft, man hätte es unter den Teppich durchkehren können. Sie war natürlich auch sehr gestresst, und Stress verkrampft. Innovatives Denken und Kreativität, die notwendig sind für eine Neuausrichtung, bleiben dabei auf der Strecke. Kreativität braucht Flexibilität im Denken. Ihr Selbstvertrauen musste wieder aufgebaut werden. Am Anfang des Karrierecoachings musste sie also

zunächst wieder den Glauben an sich selbst finden. Dann ging es an die Vita und an Bewerbungen. Lange Rede, kurzes Fazit: Sie hat mittlerweile wieder einen Job, den sie liebt, und heute sagt sie: „Der Rausschmiss war das Beste, was mir passieren konnte.“ Sie hat ihren Change-Code geknackt und ist vom Minus wieder ins Plus gegangen.

Das Change Code Modell

Erinnern Sie sich an mein Change Code Modell aus dem ersten Teil dieser Serie? Hier noch einmal zur Erinnerung das Modell (Abb. S. 18) mit einer kurzen Beschreibung: Die linke Seite des Quadrats bildet die vorhandene Situation, die Ausgangssituation ab, die wir vorfinden oder die uns betrifft, und die jeweils negativ oder positiv sein kann. Das erkennen Sie am Plus oder Minus. Wir blicken quasi mit der Lupe auf eine Episode oder Situation im Arbeitsleben und legen hierauf den Fokus in der Betrachtung. Das können längere oder kürzere Zeitspannen sein, in denen sich unterschiedliche positive oder negative Episoden ereignen. Die Kündigung im obigen Beispiel wäre eine negative Ausgangssituation. Unser Umgang mit diesen Ausgangssituationen kreiert eine neue Situation, unsere Zukunftssituation. Im Modell sehen Sie das am unteren Rand des Quadrats eingezeichnet. Wenn wir mit der Kündigung negativ umgehen, was meist der Fall ist, kreieren wir ein Minus in der Zukunft. Wir befinden uns dann im Minus-Minus Bereich. Ziel ist es, nicht zu lange im Minus zu verharren, sondern baldmöglichst vom Minus ins Plus zu gelangen, so wie meine Klientin im Jobcoaching. Ausgangssituation und Zukunftssituation bilden das Framing des Codes. Darum geht es, darin bewegen wir uns. Geknackt haben Sie den Code zu Ihren Gunsten, wenn am Ende ein Plus steht. Also wenn es gut für Sie ausgeht. Ziel ist es immer, egal wie viele Zeichen Ihr Code hat, ein Plus am Ende zu erreichen und die Minusphasen zu verkürzen.

Unzufriedenheit im Job

Kennen Sie die wahre Frisörkompetenz? Frisörinnen und Frisöre sind Wissensträger eines hohen Gutes, der deutschen Lebenszufriedenheit. Sie wissen, wie glücklich ihre Kundinnen und Kunden in und mit ihrem Leben sind. Frisöre erfahren am meisten von ihren Kunden. Sie kommen direkt nach Psychotherapeuten. Laut einschlägigem Frisörwissen – und ich spreche hier von verschiedenen Hairstylisten inklusive meinem – sind mehr als 70 % der Menschen unzufrieden mit ihrem Job und ihrem Leben, von den Beziehungen ganz zu schweigen. Nicht viel anderes sagt der Gallup Engagement Index. Über Jahre hinweg sind es dort immer knapp 80 % der Mitarbeitenden in deutschen Unternehmen, die entweder nur eine geringe soziale Bindung an das Unternehmen haben, Dienst nach Vorschrift machen und/oder innerlich gekündigt haben. Im Minus-Minus Bereich passiert genau das: Wir befinden uns in einer fortlaufenden negativen Spirale. Minus im Job, viele schlechte Einwirkungen und Erlebnisse, es läuft nicht so gut und das fortlaufende Minus wirkt sich auf unsere Stimmung aus, damit haben wir auch hier ein Minus. Doch verändern wollen – oder etwa können – wir nichts.

Steht Ihre Karriereleiter an der richtigen Wand?

Als erstes stellt sich die Frage, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, ob Sie in Ihrem Job überhaupt zufrieden sind – oder passt doch alles weitgehend? Gehören Sie zu den 80 % der unzufriedenen oder zu den 20 % der zufriedenen Mitarbeitenden? Das können Sie mit meiner kleinen Reflexion aus meinem Buch „Knack den Change Code“ prüfen. Hier ist der Leiter-Check: Steht Ihre Karriere- oder Erfolgsleiter an der richtigen Wand? 1. Die Montagsfrage: Stehen Sie montagmorgens auf und gehen überwiegend gerne in die Arbeit? 2. Die Kollegenfrage: Sind Sie weitgehend zufrieden mit Ihren Kollegen und fühlen sich dort gut aufgehoben? 3. Die Cheffrage: Sind Sie zufrieden, wie Ihr Chef, Ihre Chefin Sie führt? Ja, Sie lesen richtig, denn mittlerweile verstehen wir Führung auch als Dienstleistung. 4. Die Kundenfrage: Sind Sie auch mit Ihren Kundinnen und Kunden, das können interne und externe sein, je nachdem, welche Position Sie haben, im Guten? 5. Die Kulturfrage: Passen Ihre Werte zu den Werten des Unternehmens und

zwar zu den wirklich gelebten (Papier ist geduldig)? 6. Die Herzensfrage: Macht Ihnen das, was Sie tun, überwiegend Freude? Wenn Sie nicht mindestens fünf Fragen positiv, also mit einem klaren „ja“, beantworten, dann kann es gut sein, dass Ihre Karriereleiter an der falschen Wand steht. Es ist möglich, dass Sie über eine Veränderung nachdenken sollten. Wenn Sie Führungskraft sind und denken: „Oje, wenn meine Leute den Leiter-Check machen, dann verlassen mich ein paar“ – lassen Sie sie ziehen, damit die kommen, die besser passen und begeistert sind. Für jeden gibt es einen guten Platz. Wenn Sie CEO sind, gilt für Sie das Gleiche. Öffnen Sie den Raum für Mitarbeitende, die wirklich zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passen. Manchmal kommen zu mir Menschen ins Coaching, die sich in einem sehr sicheren Arbeitsverhältnis befinden, quasi unkündbar sind, und dennoch leiden und absolut unglücklich sind. Sogar in unserer heutigen Arbeitswelt gibt es sie noch, die Jobs, die sicher sind und bleiben, bis hin zur Rente. Das macht die Sache nicht einfacher, denn die Leute in diesen Jobs wollen keine Veränderungen. Ausgangssituation und Zukunftssituation zeigen ein Minus.

No Change – aber warum?

Unser Gehirn ist eine faule Socke und will am liebsten seinen Status beibehalten. Es ist darauf aus, wenig Energie zu verbrauchen. Wir wollen keine weitere Energie aufwenden, doch das müssten wir für eine Veränderung tun. Wenn wir uns in gewohnten Bahnen bewegen, erhöht sich unser Energiebedarf nicht und wir fühlen uns sicher. Unser Gehirn will den Energieaufwand gering halten. Jede Zelle dort und jedes neuronale Netzwerk organisiert seine Beziehungen immer wieder so, dass diese wenig Energie verbrauchen. Die Hirnforschung nennt das „Kohärenz“. Sobald wir etwas verändern, es eine Schwierigkeit gibt, werden neue Neuronen gefeuert, und das macht es anstrengend und energiefressend. Sie haben also recht, wenn Sie sich nicht verändern wollen, denn Sie handeln im

Sinne eines Ihrer ganz wichtigen Körperorgane. Die Frage ist aber: Wollen Sie recht haben oder glücklich sein? Erfolg ist eine Folge von Tätigkeiten, die uns aus unserem Status quo, aus unserer Komfortzone hinaus ins Neue und damit Unsichere bringen. Sprich: Ihr Energielevel wird erhöht. Dann werden neue Wege gebahnt, physisch und auch in einem Ihrer wichtigsten Organe, dem Gehirn. Neuronen werden gefeuert. Diese Wege werden zu Straßen und das Unbekannte wird zur Gewohnheit. Doch bis das Ganze geschehen kann, ist meist erst einmal eine Überwindung erforderlich und damit verbunden ein Sieg über die Angst.

Wir haben alle Angst gelernt

Angst ist ein großer Verhinderer von Veränderungen. Wir haben Angst vor dem Neuen und Ungewissen. Angst macht uns unsicher. Entweder, weil wir bereits schlechte Erfahrungen mit etwas gemacht haben, weil wir Angst haben, die Kontrolle zu verlieren, oder weil wir Angst haben, dass es noch schlechter werden könnte. Auch unser Selbstvertrauen spielt hier eine große Rolle. Wenig Selbstvertrauen, viel Angst. Angst gepaart mit einem geringen Selbstwert lässt uns weiter im Hamsterrad laufen. Wir drehen uns im Kreis und merken es gar nicht, da wir zumindest in Bewegung sind und den Status quo aufrechterhalten. Angst ist etwas, was wir gelernt haben. Eltern schützen ihr Kind vor Gefahren und damit auch vor neuen Entdeckungen. Bei der geringsten Gefahr oder wenn etwas Unvorhergesehenes eintritt, nimmt die Mutter ihr Kleines auf den Arm. Das Kind nimmt wahr: Die Welt ist risikobehaftet und schwierig. Damit hat die Angst ihre nützliche Funktion eingebüßt (Angst vor dem Säbelzahntiger oder dunklen, unbekannten Höhlen war nützlich!) und wird letztlich zum Verhinderer, und schließlich trauen wir uns nichts mehr zu als Erwachsene. Unser Selbstwert schrumpft. Wir denken, es sei unsere eigene Angst, dabei haben wir sie schon früh von unseren Eltern erfahren und gelernt, sie zu unserer eigenen zu machen.

Was tun bei Ängsten? Sollen wir sie überwinden oder nicht? Wenn wir uns unseren Ängsten nicht stellen, bleiben wir im Minus. Meine Schwiegermutter hatte zwar den Führerschein, war jedoch zu ängstlich, Auto zu fahren, und hat das nie getan. Zufrieden war sie damit nicht. Wenn wir immer im Minus bleiben, werden wir nie eine sichere Autofahrerin werden und unser Steuer selbst in der Hand halten.

Erfolg als Überwindungsprämie

Ein Knackpunkt für positive Veränderungen ist die Überwindung unserer Angst. Wie kann uns das gelingen? Wenn Sie Vortragsangst haben, werden Sie diese nicht verlieren, wenn Sie keinen Vortrag halten. Genauso wenig verlieren Sie Ihre Flugangst, wenn Sie Flugzeuge meiden. Das heißt, der einzige Weg aus der Angst ist in die Angst hinein. In der Psychologie sprechen wir von der Konfrontation mit der Angst. Gegebenenfalls braucht es einen guten Unterstützer wie zum Beispiel einen Coach beim Erstellen und Üben des Vortrags. Doch es geht kein Weg daran vorbei, in die Angst hineinzugehen, wenn Sie sie überwinden wollen. Auch erfolgreiche Menschen haben Ängste, doch der Mut

ist größer und die Hoffnung auf ein gutes Ende oder eine günstige Entwicklung. Sie können sich immer wieder diese Frage stellen: Hilft mir mein Verhalten dabei, der Mensch zu werden, der ich sein will? Und eine weitere mächtige Frage ist: Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte? Die Frage ist also: Trauen Sie sich, etwas zu verändern? Welche Unterstützung brauchen Sie dabei? Wollen Sie überhaupt etwas verändern? Wie können Sie sich stabilisieren? Was ist größer – Ihre Angst oder Ihre Hoffnung auf Verbesserung? Selbst Goethe hatte trotz seiner Genialität eine Angst und zwar so richtig schlimme Höhenangst. Und was glauben Sie, was er getan hat, um diese zu überwinden? Er ist auf Kirchtürme geklettert. Also: Wo steht Ihr nächster Kirchturm?

Ausblick

Teil 3 dieser Serie befasst sich mit dem, was wir alle zu gut kennen: Zu viel Change in Unternehmen. Wie schaffen wir es, eine gute Haltung einzunehmen, wenn ein Change den nächsten jagt? Teil 4 zeigt auf, welchen Herausforderungen sich Führungskräfte, die einerseits vom Wandel selbst betroffen sind und andererseits Change treiben sollen, konfrontiert sehen.

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Neues Buch von Susanne Nickel

Das Buch „Knack den Change Code“ erschien am 30. Mai 2022. Darin beschreibt Susanne Nickel, wie aus Widerstand gegen das Reizthema „Change“ echte Begeisterung für Veränderung wird. Sie zeigt, wie man sich von alten Mustern befreien, sein Leben aktiv selbst gestalten und die eigenen Potenziale heben kann. Gerade dort, wo wir die meiste Zeit unseres Lebens verbringen, an unserem Arbeitsplatz, jagt ein Wandel den nächsten – und zwar nicht erst seit Corona. Das kann uns leicht überfordern und unsere Selbstwirksamkeit beeinträchtigen. In ihrem leicht lesbaren Ratgeber zeigt Susanne Nickel mit viel Humor und anhand eingängiger Geschichten wie es uns gelingt, Eigenverantwortung zu übernehmen und aktiv zu werden.