Wissenschaftliche Erkenntnisse sind neutral. Sie unterliegen keinem Wert- oder Moralurteil. Wissenschaftliche Studien zeigen beispielsweise, dass durch das Tragen eines Helms beim Skifahren Kopfverletzungen um 35 %, bei Kindern unter 13 Jahren sogar um 59 % sinken. Es gibt darüber einen sogenannten wissenschaftlichen Konsens. Die Wissenschaft kann uns aber nicht vorschreiben einen Helm beim Skifahren zu tragen, das kann nur die Politik. Diese trifft ihre Entscheidung unter Abwägung verschiedener Aspekte – unter anderem politischer Interessen und ideologischer Überzeugungen. So gibt es z. B. in Deutschland keine Helmpflicht auf den Pisten. Trotzdem sind 85 % aller erwachsenen Skifahrer und mehr als 95 % aller Kinder in den Skigebieten mit Kopfschutz unterwegs. Bei den Entwicklungen in der Coronakrise gab es in relativ kurzer Zeit viele neue Erkenntnisse, was eine Korrektur der Modelle erforderte. Leider wurden anfangs gesellschaftliche, soziale und ökonomische Folgen der politischen Entscheidungen nicht berücksichtigt – so langsam zeichnet sich hier eine Trendwende ab und es gibt Kurskorrekturen. Die Corona-Pandemie wird häufig mit dem Klimawandel verglichen, da beide potenziell lebensbedrohend sind. Nur ist die Sache mit dem Klimawandel viel langfristiger. Daher lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob es richtig ist, heute gravierende unumkehrbare Entscheidungen für unsere Volkswirtschaft zu treffen, die später bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen vielleicht irreversibel sind. Wie ist Ihre Meinung dazu?

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Wissenschaft ist im Rahmen der Coronakrise immer mehr in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Rufe „Folgt der Wissenschaft!“, die bereits bei der Klimawandel-Diskussion laut geworden sind, waren sehr schnell auch bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu hören. Es zeigte sich aber, dass dieser Forderung nachzukommen unmöglich ist. Können wir DER Wissenschaft folgen? Nein, denn es gibt nicht DIE Wissenschaft.

Laut Wissenschaftsbarometer 2021 vertrauen 61 % der Deutschen in Wissenschaft und Forschung – deutlich mehr als vor der Corona-Pandemie mit 46 % im Jahr 2019. Allerdings hat das Vertrauen in Wissenschaft und Forschung im Laufe der Pandemie auch abgenommen, was nicht weiter verwundert, denn häufig mussten

Warum die Wissenschaft nicht von der Politik missbraucht werden sollte

in den Medien als unumstößliche Wahrheiten dargestellte Forschungsergebnisse mit dem Vorliegen neuer Forschungsergebnisse korrigiert werden. Das liegt aber in der Natur von Wissenschaft und Forschung. Wissenschaft ist ein ständiger Suchprozess. Als Wissenschaftler bin ich ein großer Verfechter einer wissenschaftlichen Denkweise und einer wissenschaftlichen Methode: Zunächst wird eine Beobachtung gemacht, gefolgt von einer Forschungsfrage zu dieser Beobachtung. Dann wird eine Hypothese aufgestellt, die möglicherweise hilft, die Frage zu beantworten. Eine auf der Hypothese basierende Vorhersage über zukünftige Ergebnisse wird dann durch Experimente getestet. Es folgt die Analyse der Ergebnisse, um die Hypothese zu bestätigen oder zu widerlegen. Daraufhin werden entweder weitere Experimente zur weiteren Bestätigung der Hypothese durchgeführt oder die Hypothese wird verworfen oder angepasst. Dieser wissenschaftliche Prozess