Wird "Fit for 55" so wie geplant umgesetzt, stehen für die kommenden Jahre bis 2030 revolutionäre Veränderungen an. Allerdings nicht durch technische Innovationen, wie bei bisherigen industriellen Revolutionen, sondern durch die bürokratischen Steuerungsbemühungen der EU. Diese verspricht sich ein völlig neues Wirtschaftsmodell und eine grundlegende Neuausrichtung unserer Wirtschaft und Gesellschaft für eine grüne Zukunft. Vielen Betroffenen ist das nun bewusst geworden: Ob Stahl, Zement, Chemie oder Auto – wer in Industriebetriebe hineinhört, spürt die enormen Bedenken. Die hohen Kosten, die mit der Elektrifizierung der Wirtschaft und dem Weg zur Klimaneutralität verbunden sind, gefährden die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie massiv. Deutschland hat durch das EEG schon die weltweit höchsten Energiepreise und schaltet bis spätestens Ende 2022 mit den Atomkraftwerken eine kostengünstige und CO2-arme Energiequelle ab. Qualifizierte, gut bezahlte Arbeitsplätze werden durch "Fit for 55" verloren gehen.
Die Diskussion um Klimaneutralität ist oft kurios, wie nachfolgende Beispiele zeigen.
Ökostrom: Der Strom aus der Steckdose entspricht dem gängigen Strommix (aktuell 42,5 % erneuerbare Energien). Der Kunde verändert durch seine Tarifwahl nur den Geldfluss, i.d.R. ohne den CO2-Ausstoß zu senken – also ist es lediglich eine bilanzielle Verschiebung für das gute Gewissen. Elektromobilität: Die EU geht davon aus, dass Elektromobilität emissionsfrei ist. Das ist sie keinesfalls und schon gar nicht beim derzeitigen deutschen Strommix. Den schweren CO2-Rucksack von E-Autos durch deren Batterien will ich hier gar nicht thematisieren. Diese falsche Annahme der EU benachteiligt Verbrenner und macht diese zu einem Auslaufmodell. Der CO2-Grenzausgleich soll dafür sorgen, dass bestimmte Produkte, die außerhalb der EU mit niedrigeren Klimavorgaben hergestellt werden, beim Import in die EU mit Emissions-Zöllen belegt werden. Im weltweiten Wettbewerb wird unsere Industrie dann aber einen sehr schweren Stand haben. Kompensation: Einige Unternehmen preisen klimaneutrales Banking, den klimaneutralen Paket-Versand oder gar komplett klimaneutrale Produkte an. Sofern der Kunde das honoriert, ist das sicherlich sinnvoll – aber wie geht das? Durch die sogenannte
Kompensation: CO2 wird nicht am Ort der Entstehung, sondern irgendwo anders in gleicher Menge reduziert. Das Unternehmen zahlt eine bestimmte Summe an eine Organisation, die damit Projekte zur CO2-Reduktion (z. B. Aufforstung) finanziert – meist in Schwellenländern. Man erkauft sich also das Recht, CO2 zu emittieren. Allerdings: Gemäß Pariser Klimaabkommen haben sich fast alle Staaten verpflichtet, ihre Emissionen zu reduzieren. Wenn jeder Staat hierbei sein Bestes gibt, kann es keine "zusätzlichen" Emissionsreduktionsprojekte geben und somit keine Möglichkeit zur Kompensation.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Es ist sinnvoll und notwendig, fossile Energieträger zu reduzieren und den CO2-Ausstoß zu senken. Wir sollten aber nicht vergessen, dass die europäische Industrie angesichts eines lediglich 8%igen, stetig sinkenden Anteils an den globalen Emissionen, auf internationale Kompatibilität achten muss. Es hilft niemandem, auch nicht dem Klima, wenn Europa industriell geschwächt und nicht mehr wettbewerbsfähig ist.
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