Wirtschaft neu denken

Im Jahr 2011 hatte das Unternehmen allsafe erstmals die Erstellung einer CO2-Bilanz in Auftrag gegeben. Dabei ging es um den Primär-Energieverbrauch, z.B. Erdöl, Kohle, Gas (bezeichnet als Scope 1) und den Sekundär-Energieverbrauch, z.B. Strom (Scope 2). Dabei wird nur der Energieverbrauch des Unternehmens selbst als geschlossenes System betrachtet. Das war dem Geschäftsführer Detlef Lohman zu wenig. „Da mir unsere Umwelt sehr am Herzen liegt, ging es mir darum, das Thema der Energiebilanz gesamtsystemisch zu betrachten. Deshalb erstellten wir zusätzlich eine Studie, bei der mit einbezogen wurde, was nach dem Verkauf des Produktes passiert (Scope 3). Als wir nur Scope 1 und 2 betrachtet hatten, lag unser CO2-Verbrauch pro Kilogramm verkaufter Produkte bei ca. 60 g. Mit Scope 3, also bei Betrachtung unseres gesamten Geschäftsmodells inklusive der verarbeiteten Rohstoffe, lag dieser Wert bei 12 kg. Also war klar, dass wir das Wirtschaften generell auf eine andere Basis stellen müssen, um wirklich etwas zu bewegen“. Wenn man bildhaft gesprochen die Welt retten wolle, dann nutze es nichts, sich nur mit Scope 1 und 2 zu beschäftigen. Die Reduzierung der 60 g habe kaum eine Auswirkung. Die Zielsetzung, die 12 kg auf unter 1 kg zu reduzieren, sei schon eine andere Hausnummer, betont er.

Ziel: Ökologisch und profitabel

„Unser CO2-Fußabdruck wächst ganzheitlich gesehen mit dem Umsatz, weil

wir in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem leben, das darauf ausgerichtet ist, immer mehr zu produzieren, immer mehr zu erwirtschaften“, so Detlef Lohmann. Gleichzeitig müsse man die Rahmenbedingungen wie Ressourcenknapppheit und Umwelt berücksichtigen. Weiter überlegt er: "Wenn ich es jetzt schaffe, 10 % weniger zu produzieren und trotzdem im Umsatz zu wachsen, dann habe ich meinen CO2-Fußabdruck massiv beeinflusst – und zwar auf globaler Ebene und deutlich größer, als wenn ich hier im Unternehmen 50 % Energie einsparen würde".

Er stellte sich dieser Herausforderung und machte sich intensiv Gedanken darüber, wie sich die CO2-Bilanz der Produkte auch nach dem Verkauf verbessern lässt. Selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass das Unternehmen weiterhin wachsen und profitabel arbeiten kann. Gemeinsam mit einem kleinen Mitarbeiterstab entwickelte er ein umfassendes Kreislauf-Konzept und dazu ein Geschäftsmodell, das es ermöglichen soll, Ressourcen einzusparen und dennoch Wachstum und Gewinn zu generieren.

Kreislaufkonzept am Start

Im Jahr 2015 ging allsafe mit dem neuen Konzept an den Markt. Seither wird bei den Kunden dafür geworben, neu zu denken. Bisher war es so, dass defekte Transportsicherungen meist weggeworfen und durch neue ersetzt wurden. Nun bietet allsafe die Möglichkeit, solche Einrichtungen zu reparieren, auch wenn es sich um Fremdfabrikate handelt. Damit lassen sich Ressourcen und Kosten einsparen. „Bei der Herstellung der Produkte verzichten wir zunehmend auf Importe aus China, um Transportwege zu sparen. Wir versuchen, so regional wie möglich einzukaufen“, betont Detlef Lohmann. Ein weiterer Meilenstein ist das Angebot, dass Kunden Ladegut-Sicherungen nur dann bezahlen, wenn sie diese nutzen. So werden ungenutzte Bestände vermieden, was die Energiebilanz der Produkte verbessert. Inspiriert werden sollen die Kunden durch ein Bild aus der "guten alten Zeit" vor der heute etablierten Wegwerfgesellschaft: Gute Sperrelemente und ein gutes Paar Schuhe haben etwas gemeinsam: Sie landen so schnell nicht in der Tonne. Bei Schuhen kommt eher der Gang zum Schuster infrage. Das wirklich Interessante daran: Für das Besohlen ist es gleichgültig, welchen Markennamen der Schuh trägt.

allsafe prüft und repariert Ladegut-Sicherungen und macht sie wieder fit für ein neues Logistikleben. So bleiben produzierte Werte im Umlauf. Schließlich ist ein Sperrbalken nicht automatisch wertlos, nur weil dessen Endstücke verschlissen oder beschädigt sind. Neben dem Reparatur-Service vor Ort und der Reparatur im Werk bietet allsafe eine Art Konsignationslager an. Dies geschieht in Form einer Box die beim Kunden bereit gestellt wird, gefüllt mit

neuen oder reparierten Produkten. Defekte Produkte gehen zurück und die Abrechnung erfolgt, sobald alle beschädigten Produkte durch neue oder reparierte ersetzt sind. Von Teilen, die nicht mehr reparierbar sind, werden funktionsfähige Teilkomponenten entnommen und wiederverwendet. Für jedes getauschte oder reparierte Produkt wird ein Festpreis berechnet – abhängig von Produkttyp und Menge, die getauscht

„Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur“, so die Überzeugung von Detlef Lohmann.
„Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur“, so die Überzeugung von Detlef Lohmann. Foto: ©Shutterstock/allsafe

Das Unternehmen

Das 1964 gegründete Mittelstandsunternehmen wird seit 1999 vom geschäftsführenden Geschäftsführer Detlef Lohmann geführt. Die Firma allsafe entwickelt und produziert hochwertige Ladegut-Sicherungssysteme für Kunden der Transportindustrie & Logistik im Automobil- und Luftfahrtbereich. Bereits mehrere Jahre beschäftigt sich das Unternehmen mit der blauen Kreislaufwirtschaft. Mit all:service ist das Fundament für einen weiteren Geschäftsbereich gelegt.

oder repariert wird. Aber wiederum unabhängig davon, was zu reparieren ist.

Detlef Lohmann vergleicht diesen Service mit einem Streaming-Portal: „Für ein Streaming-Portal X zahlen Sie monatlich den Betrag Y und erhalten dafür eine Auswahl an Musik- oder Filmtiteln. Sobald der Service nicht mehr relevant ist, wird das Abo gekündigt – ohne dass Sie auf materiellen Dingen sitzen bleiben, die in der Ecke verstauben. Das ist ziemlich komfortabel und nachhaltig, nicht wahr?“ Inspiriert von diesem Geschäftsmodell entwickelte er den Service all:use, bei dem die Kunden die Ladegut-Sicherungen in ihren Fahrzeugen nutzen können, ohne dass sie diese Produkte kaufen.

In diesem Kreislaufsystem wird es vermieden, dass Sicherungen, Stangen und Balken weggeworfen werden, wenn sie nicht mehr passen oder dass sie Lagerfläche belegen. Und durch Wiederverwendung wird weniger neu produziert und somit die Umwelt geschont.

Detlef Lohmann war schon immer ein Vordenker, der gerne neue Wege beschreitet. Bereits 2012 veröffentlichte er sein erstes Buch "Und mittags geh ich heim: Die völlig andere Art, ein Unternehmen zum Erfolg zu führen", das zum Bestseller wurde. Darin stellt er ein in seinem Unternehmen damals neu eingeführtes Arbeitszeit-Modell vor, bei dem die Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten frei wählen können. Im Jahr 2016 folgte sein zweites Buch " ... und heute leg ich los!: Die völlig andere Art, im Job zu leben" Darin beschreibt er gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich das Arbeiten in seinem Unternehmen, in dem eigenverantwortliches Handeln tatsächlich gelebt wird.

Dem Unternehmen ist es zwischenzeitlich gelungen, den Wert von Scope 1 und 2 zu halbieren – von ursprünglich 60 g auf 30 g pro Kilogramm verkauftem Produkt. Der Scope-3-Wert konnte von 12 kg auf 9,5 kg reduziert werden, hat sich durch Wachstum jedoch absolut gesehen erhöht. „Die Werte kann man zwar gut verkaufen, aber global hat das natürlich gar keinen Effekt“, so Detlef Lohmann.

Er stellt jedoch nicht das Wachstumsprinzip in Frage, da wir die Welt nicht umkrempeln können: „Vielmehr sollten wir uns die Frage stellen, ob wir immer mehr vom Gleichen produzieren müssen, nur um Wachstum und Wohlstand zu generieren? Unter diesem Aspekt sollte in unserem Marktwirtschaftssystem jedes Unternehmen sein Geschäftsmodell finden“.

Nachhaltigkeit ist mehr als die Reduktion des CO2-Fußabdruckes – die gesamte Art des Wirtschaftens muss hinterfragt und neu ausgerichtet werden.
Nachhaltigkeit ist mehr als die Reduktion des CO2-Fußabdruckes – die gesamte Art des Wirtschaftens muss hinterfragt und neu ausgerichtet werden. Foto: © Christian Horz - stock.adobe.com