seinen Kommentar wieder online gestellt. Sie schreibt dazu: „In verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft hat sich eine Debattenkultur entwickelt, in der oft nicht das sachliche und stärkere Argument zählt, in der weniger zugehört und nachgefragt, sondern immer häufiger vorschnell geurteilt und verurteilt wird. An die Stelle des gemeinsamen Dialogs treten zunehmend polarisierte und polarisierende Auseinandersetzungen.“ Weitere Beispiele sind Professoren, die von Studenten gehindert wurden, Vorlesungen zu halten, nur weil den jungen Menschen deren politische Ausrichtung nicht genehm war.
Als Herausgeber von Yokoten kann ich mir in dieser Kolumne die Freiheit nehmen, meine Meinung zu allen möglichen Themen zu äußern. Natürlich muss ich die Konsequenzen tragen. So gab es zum Beispiel auf meinen letzten Beitrag zum Thema "Gendern" das Canceln eines Yokoten-Abonnements durch eine verärgerte Leserin. Dass hier nicht in eine konstruktive Diskussion eingestiegen wurde, stimmt mich nachdenklich. Seit längerer Zeit beobachte ich, dass bei bestimmten Themen die Emotionen hochkochen und ein
sachlicher Austausch von Argumenten nicht mehr möglich ist. Ich erinnere mich an Zeiten, als noch kontrovers über Dinge diskutiert, ja sogar richtig gestritten wurde. Heute redet man nicht mehr mit denen, die sich außerhalb des "Meinungskorridors" bewegen. Es ist eine "Cancel-Kultur" entstanden, die durch die sozialen Medien befeuert wird. Wir sollten uns die Frage stellen, ob uns das Niederbrüllen und Ausschließen Andersdenkender (vorausgesetzt, sie bewegen sich im zulässigen rechtlichen Rahmen) als Gesellschaft wirklich weiterbringt. In lebhaften Diskussionen entsteht am Ende oft ein Konsens. Wenn eine Meinung "siegt", bleiben immer Unzufriedene zurück, die gewisse Entscheidungen nicht mittragen. Ich sehe die Gefahr, dass dieser Effekt auf unsere Betriebe überschwappt und auch hier von der Mehrheit abweichende Meinungen nicht mehr toleriert werden. Innovation lebt auch von Querdenkern, die das scheinbar Unmögliche fordern oder eingefahrene Dinge in Frage stellen. Wie ist das in Ihrem Unternehmen? Ich freue mich auf Ihr Feedback.
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