Zur Zeit nehme ich Signale wahr, die andeuten, dass sich die Situation der Unternehmen eher negativ entwickelt. Das liegt unter anderem an dem derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Umfeld. Erschwernisse im Welthandel werden momentan noch durch eine gut funktionierende Binnennachfrage aufgefangen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass vielen Menschen nicht mehr bewusst ist, wie sehr unser Wohlstand von einer erfolgreichen Industriekultur abhängt. So wird beispielsweise die Automobilindustrie schlechtgeredet anstatt sie bei der Bewältigung neuer Herausforderungen zu unterstützen. Bei einer Chinareise vor einigen Monaten wurde mir bewusst, dass die Chinesen alles tun, um ihre Industrie erfolgreich zu machen. Bei uns wird die Industrie verteufelt, oft mit Fakten, die nicht der Realität entsprechen, die aber so oft wiederholt werden bis es die Menschen glauben.

Unsere Automobilindustrie ist immer noch weltweit führend – doch die Rahmenbedingungen verschlechtern sich rapide. Eine

völlig misslungene Energiewende führte zwar nicht zur angestrebten CO2-Reduzierung, aber dazu, dass wir europaweit die höchsten Strompreise haben. Diese Kosten müssen Betriebe und Bürger tragen. Hinzu kommt, dass wir weltweit bei der Abgabenlast an der Spitze liegen und dass Unternehmen mit einer überbordenden Bürokratisierung konfrontiert sind. Eine Vielzahl an Vorschriften lähmt die Unternehmen. Weitere "Baustellen", die jahrzehntelang vernachlässigt wurden, sind eine marode Infrastruktur und ein Bildungssystem mit großen Lücken.

Industrie sorgt für Wohlstand

Seit der Gründung des CETPM vor fast 15 Jahren setzen wir uns dafür ein, dass Deutschlands Industrie wettbewerbsfähig bleibt und somit Arbeitsplätze schaffen und erhalten kann. Dazu wünschen wir uns mehr Wertschätzung für die Wertschöpfung. Wenn wichtige Industriezweige verschwinden, dann sind sie meistens für immer verloren, wie zum Beispiel die Fertigung von Mobiltelefonen, Glühbirnen oder Solarzellen.

In China konnte ich erleben, dass die Menschen sehr fleißig sind. Sie wollen erfolgreich sein und vorankommen. Bei uns liegt inzwischen der Fokus eher auf der "life-life-Balance" und es ist eine gewisse Schlaffheit und Verweichlichung festzustellen. Kaum jemand redet noch über den deutschen Mittelstand mit seinen vielen "Hidden Champions", welche die Säulen unseres Wohlstandes bilden. Und in diesem Umfeld müssen wir noch "nebenbei" den Übergang in das Zeitalter der Digitalisierung bewältigen. Das sind die ersten Denkanstöße, die ich Ihnen liebe Leserinnen und Leser mitgeben möchte. Wir als "OpEx und Lean Community" sollten zusammenstehen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Über Zuschriften mit Ihren Gedanken dazu freue ich mich.