Nachlese OPEXCON 2019
Sie treffen sich jährlich, um sich über Operational Excellence auszutauschen. Experten und Teilnehmer schätzen den innovativen Geist auf der Jahreskonferenz OPEXCON, die Prof. Dr. Constantin May vor über 10 Jahren ins Leben gerufen hat. Im Mai 2019 fand die Konferenz in Königstein bei Frankfurt statt.
Prof. May plädierte zur Eröffnung der Konferenz an die Vertreter aus der Industrie, am Ball zu bleiben. Er habe vor einigen Jahren in China gelebt und sei nun bei seinem kürzlichen Besuch sehr beeindruckt von dem rasanten Fortschritt gewesen. Er bemängelte, dass die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland momentan nicht
optimal seien. Die Industrie werde durch Überregulierung gelähmt. Hinzu kämen Defizite im Bildungssystem. „Beim Besuch unserer chinesischen Partnerhochschule habe ich erfahren, dass dort gerade eine integrierte und vernetzte Modellfabrik für die duale Ausbildung – ähnlich unserer Lehrfabrik am Campus Herrieden – errichtet wird, nur viel größer. Pro Jahr sollen dort 3000 Menschen ausgebildet werden“, erzählte er und forderte: „Wir müssen ein Umfeld schaffen, in dem unsere Industrie weiterhin erfolgreich sein kann. Und wir sollten unsere Anpassungs- und Innovationsfähigkeit ausbauen und Operational Excellence mit den gesamten Möglichkeiten nutzen, nicht nur als Flickwerk“.
Aus der Praxis für die Praxis
Zu den vielfältigen Möglichkeiten und Ansätzen, die helfen, kontinuierlich besser zu werden, erhielten die Teilnehmer der Konferenz viele Informationen und Anregungen. Friedrich Dürst, Trainer am CETPM, zeigte auf, wie wichtig in gesättigten und vernetzten Märkten eine geglättete Produktion ist. „Voraussetzung für Glätten und Nivellieren ist, dass man Probleme erkennt“, betonte er und weiter: „Es geht nicht darum, immer Volllast zu haben, sondern darum, den Kundentermin zu halten“.
Weitere praxisorientierte Themen standen auf der Agenda, beispielsweise die Optimierung der Instandhaltung, deren Stellhebel Hans-Jörg Eyl erläuterte. Carla Latijnhouwers demonstrierte in einem Workshop wie TWI Job Instructions funktioniert und wo dabei die Fehlerquellen liegen.
Blick in die Zukunft
Eine Glaskugel hatte Prof. Dr. Andreas Syska nicht im Gepäck. Aber er hat eine klare Vision, wie sich die Produktion im Jahr 2040 gestalten könnte. Er nahm die Teilnehmer mit auf eine Reise in die Zukunft. Hier die Zusammenfassung seiner Zeitreise: „Wir haben mehr Zeit, weil die Digitalisierung unsere Arbeit reduziert hat. Das Steuersystem wurde reformiert. So werden nicht mehr Einkommen und Unternehmensgewinne besteuert, sondern Ressourcenverzehr, also Verschwendung. Das Wirtschaften erfolgt somit verschwendungsarm, weshalb die Lebensqualität gestiegen ist. Es gibt keine klassischen Unternehmen mehr, sondern Netzwerke, die sich flexibel bilden und wieder auflösen. Aus Unternehmen werden 'Unternehmungen'. Neben dem Produktlebenszyklus gibt es den Unternehmenslebenszyklus. Wir sind in der Lage, Produktionsstätten in kurzer Zeit zu errichten und auch wieder abzubauen und in den Materialkreislauf zurückzuführen. Durch flexible Strukturen entstehen neue Modelle, auch für Mitarbeiter, die nun statt Festanstellung 'Jobtionen' haben und ihr Tätigkeitsfeld immer wieder wechseln. Unternehmen müssen nicht mehr wachsen und Maschinen sind in der Lage, als 'Technische Person' Verträge abzuschließen. Die flüchtigen Strukturen, die sich permanent neu konfigurieren, geben den Menschen mehr Freiheit und die Lebensqualität steigt.“
Per Fahrrad lean unterwegs
Michael Habighorst schilderte, wie er auf seiner Radtour von Freiburg zum Nordkap Leanprinzipien angewandt hatte (s. auch Beitrag S. 6), um zu beweisen, dass Lean in allen Bereichen funktioniert. Sein Reisebericht fesselte die Zuhörer, zumal er seine Erfahrungen mit Situationen in Unternehmen verknüpfte und aufzeigte, wie wichtig es ist, dass man mit seinen Kräften sorgfältig umgeht und dennoch agil bleibt.
Zurück an die Arbeit
Provokativ auf humorvolle Art und Weise machte Dr. Lars Vollmer, Top Speaker und Buchautor mit langjähriger Erfahrung als Leanberater, auf unsinnige Gepflogenheiten im Arbeitsalltag aufmerksam. Meetings findet er überflüssig und reiht sie in die Kategorie 'Businesstheater' ein. Seine Aufforderung lautet: „Zurück an die Arbeit“.
Ausgezeichnet
Ein Highlight war die Verleihung des "Award for Operational Excellence" im festlichen Rahmen eines Gala-Dinners im Schlosshotel Kronberg. Den Award in Silber nahm stellvertretend für alle Mitarbeiter ein delegiertes Team der Infiana Germany GmbH & Co. KG aus Forchheim entgegen. Prof. May würdigte in seiner Laudatio, dass die Mitarbeiter trotz mehrmaligem Inhaberwechsel und gescheiterten KVP-Initiativen im Jahr 2017 mit dem neuen COO Stefan Herfurth einen weiteren Anlauf in Richtung Operational Excellence genommen hatten. Unter Leitung von Simon Porn ist es laut Prof. May gelungen, Verbesserungspotenziale zu erschließen und eine Kultur des Zusammenarbeitens zu schaffen. Das Ziel, diesen Award zu erhalten, sei Motivation und Antrieb für die Mitarbeiter gewesen. „Infiana hat sich den Award for Operational Excellence in der Kategorie Silber mehr als redlich verdient und reiht sich damit als viertes 'Silber-Unternehmen' in die Liga von Daimler, B.Braun und Continental ein“, so Prof. May.
