Lebenslanges Lernen ist für viele Menschen selbstverständlich geworden. Parallel zu Veränderungen technischer Art, die eine Weiterbildung erfordern, setzen immer mehr Unternehmen auf Lean-Management, um kontinuierlich besser zu werden und die Wertschöpfung zu steigern. Dabei sind zu Beginn externe Berater hilfreich, doch mittelfristig ist es sinnvoll, dass Unternehmen eigene Lean-Kompetenz aufbauen. Es geht um die Entwicklung der Führungskräfte zu Coaches, damit diese in der Lage sind, ihre Teams weiterzuentwickeln. Dazu ist es wichtig, dass diese die Palette der Lean-Methoden kennen und gleichzeitig bei sich selbst die Fähigkeit stärken, Mitarbeiter zu entwickeln. Es ist
ihre Aufgabe, den Boden für nachhaltige Weiterentwicklung zu bereiten. Auf die Entwicklung dieser Kompetenzen zielt der berufsbegleitende Bachelor-Studiengang Wertschöpfungsmanagement ab.
Arbeiten und Studieren
Jessica Mederer hat kürzlich ihre Bachelor-Arbeit abgegeben. „Ich habe mein Studium um ein Semester verlängert, weil es bei mir zeitlich eng wurde“, erzählt sie. Aber das sei nicht tragisch. Sie hat sich aus eigenem Antrieb für dieses Studium entschieden, weil sie berufsbegleitend einen akademischen Abschluss erzielen wollte. Sie arbeitet in der Qualitätsplanung bei Continental in Regensburg. Dort hatte sie ihre
Ausbildung zur Mikrotechnologin absolviert und sich später mit einer technischen Ausbildung zur Prozessmanagerin qualifiziert. Da sie nach der mittleren Reife die Fachoberschule besucht hatte, wollte sie nun die damit erworbene Fachhochschulreife zum Studium nutzen. Per Zufall entdeckte sie den Studiengang Wertschöpfungsmanagement und war sofort davon begeistert. Ein Besuch der Informationsveranstaltung zum Studiengang bestärkte sie in ihrem Entschluss. Sie finanziert das Studium selbst, wird aber vom Arbeitgeber unterstützt. Ihr stehen 10 Tage Bildungsurlaub pro Jahr zu, die sie zum Besuch der Vorlesungen einsetzt. Hinzu kommen angesammelte Überstunden. Mit Projektaufgaben aus dem
Studium, die sie im Unternehmen durchführt, konnte sie bereits Verbesserungen und Einsparungen realisieren. „Ich habe jetzt ein besseres Prozess- und Methodenverständnis“, sagt sie im Hinblick auf den Nutzen des Gelernten an ihrem Arbeitsplatz. „Sehr wertvoll ist auch der Austausch mit den Kommilitonen. Jeder bringt Berufserfahrung mit und steuert etwas bei“. Dass sie die einzige Frau im Semester ist, sei kein Problem. Eine Herausforderung sei die Abstimmung zwischen Berufstätigkeit und Studium: „Gerade zu Prüfungszeiten ist ein gutes Zeitmanagement erforderlich“.
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Abrundung des Profils
Noch mitten im Studium steckt Karsten Böhm. Er ist gelernter Schreiner und musste diesen Beruf 1995 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Er schlug sich durch mit Hilfsjobs und als LKW-Fahrer, wechselte dann in die Industrie als Schichtleiter, bildete sich weiter im REFA-Bereich und war als Produktionsplaner in der Arbeitsvorbereitung und zuletzt als Lean Koordinator tätig. Eine Weiterbildung bei der IHK zum geprüften technischen Fachwirt eröffnete ihm weitere Perspektiven. „Ich habe mich sukzessive weiterentwickelt und übernahm Aufgaben in der Prozessentwicklung und Positionen, die oft von Technikern und Ingenieuren ausgefüllt werden“, sagt er. „Bei der Entlohnung hatte ich meistens Nachteile, da ich die erforderliche Qualifikation für die Höherstufung nicht nachweisen konnte“. Das war für ihn unter anderem der Antrieb, diese Voraussetzungen nachzuholen. Er begann im Mai 2017 berufsbegleitend das Studium Bachelor of Arts in Wertschöpfungsmanagement. „Das hat mich persönlich weitergebracht und ich konnte mein Wissen weiter ausbauen und vertiefen. Das Fachwissen wird an der Hochschule Ansbach wissenschaftlich und praxisnah vermittelt“, so seine Zwischenbilanz.
Der Spagat zwischen Privatleben, Beruf und Studium sei nicht immer einfach, räumt
der heute 47-jährige Karsten Böhm ein. „Es braucht schon Disziplin. Aber es fällt mir leicht, weil es Spaß macht und die Inhalte interessant sind. Ich hatte schon viele AHA-Effekte, die meine Erfahrungen aus dem Berufsleben bestätigten“. Und mitten im Studium kam sogar eine neue berufliche Herausforderung auf ihn zu. Seit Januar 2019 ist er bei der Harry's Feintechnik GmbH in Eisfeld als Produktionsingenieur tätig. in seiner Bereichsverantwortung dort kommt ihm zugute, dass er viel Berufs- und Lebenserfahrung mitbringt. „Ich weiss genau, wie die Mitarbeiter ticken und ich kann die Sorgen und Nöte der Menschen verstehen und mich auf sie einlassen.“ Nächstes Jahr im Sommer wird er seine Bachelor-Arbeit schreiben und damit sein berufliches Profil abrunden – nicht nur auf dem Papier, denn die gelernten Inhalte erweisen sich Tag für Tag als nützlich in seiner neuen Position.
Die Zeit danach
Johannes Engert, Leiter Radiererfertigung bei der Staedtler Mars GmbH in Sugenheim hat sein Bachelor-Studium zum Wertschöpfungsmanager im Jahr 2017 erfolgreich abgeschlossen. „Die Elemente zur Persönlichkeitsentwicklung während des Studiums waren für mich persönlich sehr wichtig“, sagt er rückblickend. „Ich habe ein besseres Verständnis für die Menschen bekommen und gelernt, wie man Mitarbeiter begeistert, eine offene Fehlerkultur lebt und Potenziale erkennt“. Von den Methoden sei für ihn Six Sigma am wertvollsten gewesen, da es ihm damit gelinge, anhand statistischer Werte die Prozessfähigkeit seines Bereichs zu verbessern. Um darin noch besser zu werden strebt er zusätzlich eine Ausbildung zum Six Sigma Green Belt an.
Vom Hörsaal direkt in die Praxis
Viele Unternehmen finanzieren Mitarbeitern den Weg zum akademischen Abschluss als Wertschöpfungsmanager. Zum einen
ist dies eine Wertschätzung für gute Leistungen, zum anderen wird damit hauseigene Kompetenz aufgebaut. Die Vorlesungen am modern ausgestatteten Campus Herrieden sind in zeitlichen Blöcken organisiert und beinhalten Aufgaben, welche die Studierenden in ihrem Unternehmen umsetzen. So profitieren die Studierenden durch "Learning by Doing" und die Unternehmen haben einen unmittelbaren Nutzen in Form von Einsparungen durch diese "Hausaufgaben", welche in Form von Verbesserungsprojekten umgesetzt werden und prüfungsrelevant sind.
Die Studierenden kommen aus unterschiedlichen Branchen und Altersklassen. Damit ergibt sich ein wertvoller Erfahrungsaustausch zwischen erfahrenen Meistern und Technikern und jüngeren Teilnehmern, die kurz nach der Ausbildung den akademischen Abschluss anstreben. Das Besondere an diesem Bachelor-Studiengang ist, dass auch Praktiker ohne Hochschulreife Zugang erhalten, wenn sie einschlägige Berufserfahrung nachweisen.
Weitere Informationen zum Studiengang unter: www.wertschoepfungsmanager.de
