Organisatorisch koordiniert jeweils eine Führungskraft die kontinuierliche Verbesserung in ihrem Bereich. Der Austausch über den Stand der Dinge erfolgt täglich auf Führungskreisebene. In die einzelnen Fachbereiche sind Fachkräfte für Lean, SixSigma und TPM integriert. Sie werden unterstützt durch externe Experten/Berater, um die Fähigkeiten der Mitarbeiter aufzubauen und zu erweitern. Im Fokus steht Transparenz bei den einzelnen Themen und bei den Entscheidungen. Die Mitarbeiter sollen befähigt werden, Kommunikationsstrukturen aufzubauen.
Geschäftsführer Michael Hirthammer lässt es sich nicht nehmen, täglich wechselnd in einem Bereich beim Shopfloor Meeting anwesend zu sein. Von den jeweiligen Führungskräften erwartet er, dass sie in ihrem Bereich an den täglichen Kommunikations-Routinen teilnehmen. „Wir forcieren den Lean-Prozess durch tägliches Tun“, betont er. „Die Führungskräfte müssen dabei sein, damit sie alle Informationen mitbekommen und sich selbst eine Meinung bilden“. Es werde kein Bereich ausgespart. Entwicklung und Verwaltung führen ebenfalls täglich Standup-Meetings durch. Diese kurzen täglichen Treffen im Stehen (anstelle von weniger frequenten Sitzungen) seien dort anfangs ungewohnt gewesen und wurden ein wenig mit Skepsis betrachtet. „Inzwischen haben alle Mitarbeiter erkannt, dass sie durch den täglichen Kommunikationsfluss schneller und effektiver werden“, freut sich Michael Hirthammer. „Einige Mitarbeiter haben sogar festgestellt, dass sich durch diese Shopfloor Meetings die interne E-Mailflut deutlich reduziert hat“.
Erste Ergebnisse
Das Layout, die Organisation und die Produktions- und Arbeitsabläufe wurden neu aufgebaut, um diese mithilfe der Value-Stream-Methodik kontinuierlich zu verbessern. Unterstützt werden die Maßnahmen durch Shopfloor Management, das erfolgreich eingeführt und operativ umgesetzt wurde. Unterm Strich ist eine Produktivitätssteigerung von etwa 10 Prozent pro Jahr zu verzeichnen (Volumen und Umsatz pro Mitarbeiter). Diese positiven Resultate und die verstärkte persönliche Einbindung der Mitarbeiter, die nun mehr Entscheidungsfreiheit haben, sorgte dafür, dass die Motivation sehr hoch ist.
Eine besondere Herausforderung für Führungskräfte und Mitarbeiter ist die hohe Geschwindigkeit der Veränderungen bei gleichzeitig sehr hohem Wachstum. Die Führungskräfte haben den Spagat zwischen "Business Resultate" und "Aufbau der Fähigkeiten der Mitarbeiter" zu bewältigen. Einzelne Führungskräfte sind daran gewachsen und haben sich weiterentwickelt. Sie sind
nun in der Lage, durch selbstständige Initiative ihren Bereich gemeinsam mit ihrem Team kontinuierlich zu verbessern. So wurde zum Beispiel die Produktivität
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Das Unternehmen
Harry's ist eines der wenigen vollständig vertikal integrierten Unternehmen, das Rasierklingen und Pflegeprodukte für Retailer und Verbraucher herstellt und weltweit vertreibt. Im Bereich Private Label ist Harry’s unter den führenden Unternehmen und beliefert Drogerie- und Supermarktketten in Europa und darüber hinaus. Das internationale Unternehmen hat seinen Sitz in New York City und in Eisfeld, Südthüringen. In London wurde im Sommer 2017 eine Dependance eröffnet. Harry's will mit seinen Produkten den Markt für Rasierklingen revolutionieren. "American designed, German engineered" Das Team in Deutschland verantwortet die Klingenfertigung in der nahezu jahrhundertealten Rasierklingenfabrik in Eisfeld. Hier werden seit langem sehr erfolgreich Rasiersysteme für Damen und Herren hergestellt. Harry's, Inc. beschäftigt inzwischen rund 800 Mitarbeiter, davon rund 550 am Produktionsstandort in Eisfeld. Mehr Infos: www.harrys.de
im Kern-Value-Stream durch konsequente Umsetzung von Shopfloor Management und der daraus resultierenden Aktionen in 12 Monaten um mehr als 30 Prozent gesteigert. An der Schlüssel-Montagelinie ist es dem Team gelungen, den Ausschuss innerhalb eines Jahres um 75 Prozent zu reduzieren.
Nachhaltig besser werden
Um den Leanprozess nachhaltig voranzutreiben, leben die Führungskräfte die neue Denk- und Handlungsweise konsequent vor. Neue Methoden zur Verbesserung und Ideen für Veränderungen werden grundsätzlich top-down erarbeitet und erst dann gemeinsam im Team umgesetzt. Ihr Knowhow in Lean-Methoden erwerben die Führungskräfte durch Schulungsmaßnahmen, zum Beispiel am CETPM. Die Ausbildung in Spezialgebieten erfolgt teilweise intern und zum Teil mit Unterstützung durch externe Consultants. „Wir setzen auf Learning by Doing“, so Michael Hirthammer. Dabei komme auch KATA-Coaching zum Einsatz, um während der Problemlösung die Fähigkeiten der Mitarbeiter weiterzuentwickeln.
Geplant ist die Einführung eines umfassenden Produktionssystems, das gerade von der Geschäftsleitung gemeinsam mit den Führungskräften entwickelt wird. Auf Basis des bisherigen Erfahrungshorizonts werden unterschiedliche Themen aufbereitet, um daraus ein "TPM-Haus" zu entwickeln, das den Anforderungen des Unternehmens entspricht.
„Lean wird bei uns nicht als großes separates Projekt verfolgt“, so Michael Hirthammer. „Es ist vielmehr Teil eines Change Prozesses von einem fast hundert Jahre alten Traditionsunternehmen zu einem internationalen Unternehmen. Dabei wird handwerkliche Tradition mit innovativen Ideen eines Start-ups aus New York kombiniert, wobei die bewährten alten Maßstäbe unserer Industrie täglich aufs Neue herausgefordert werden“. Oft fände Lean eher im Verborgenen statt, ohne dass dies so bezeichnet werde. So habe man zum Beispiel das Thema Sicherheit fokussiert und es sei gelungen, die Zahl der Schnittverletzungen und Arbeitsunfälle deutlich zu reduzieren.
Das Unternehmen Harry's würdigt, dass die Wurzeln des Erfolgs in Eisfeld liegen. Man fühle sich der Stadt und der Region Südthüringen sehr verbunden und investiere ein erhebliches Finanzvolumen in den Ausbau dieses bedeutsamen Produktionsstandorts. Und schließlich spricht ein Statement auf der Website des Unternehmens für sich: „Zufriedene Kunden sind unsere Antriebskraft. Ihr Feedback inspiriert uns täglich dazu, Harry’s zu verbessern und immer weiter an unseren Produkten zu arbeiten, um unseren Kunden ein perfektes Rasurerlebnis zu bieten.“
