Was sind die ersten Überlegungen und die wesentlichen Schritte, um aus Sicht der Instandhaltung dieses Thema erfolgreich im Unternehmen zu unterstützen?

Die guten alten Zeiten Früher war alles anders. Früher war alles besser. Ja, die guten alten Zeiten... Früher waren die Produktionsmitarbeiter für die Produktion zuständig und die Instandhaltungsabteilung für die Reparatur der Anlagen. Mechaniker und Elektriker kümmerten sich um regelmäßige Wartung und wichtige Inspektionen. Die Produktionskollegen sorgten für eine möglichst hohe Ausbringung. Früher war alles anders – Ja, das war es. Auch die Umwelt bzw. das wirtschaftliche Umfeld war anders. Es war irgendwie "gemütlicher" … "vertrauter" … es war weniger Druck vorhanden. Wenn wir "früher" als die Zeit der 80er, 90er und 2000er Jahre betrachten und dann in das Jahr 2018 springen, wird deutlich, dass wir uns heute in einer anderen Welt bewegen. Ob diese Welt besser oder schlechter als früher ist, hat aus meiner Sicht keine Bedeutung. Meine Frage lautet eher: Was braucht es aus Sicht der Fertigung und insbesondere der Instandhaltung in dieser modernen Welt, um zu überleben? Wie können wir uns der neuen Welt anpassen? Was müssen wir lernen, um uns im Umfeld von Globalisierung und Digitalisierung frei und sicher bewegen zu können? Ich möchte Ihnen meine Antworten nicht vorenthalten.

Das dynamische Duo

Lassen Sie uns an dieser Stelle zunächst zwei wesentliche Aspekte betrachten: Erstens die operative Exzellenz und zweitens die Lernfähigkeit der Organisation. Beides abstrakte Begriffe, die jedoch von grundlegender Bedeutung sind. Die operative Exzellenz beinhaltet alle Prozesse im Unternehmen, die der Wertschöpfung dienen – und zwar nicht nur direkt, sondern auch indirekt. Und damit sind wir schon bei der Instandhaltung angelangt. Exzellente Prozesse bei der Herstellung unserer Produkte sind ohne einen exzellenten Zustand der Maschinen und Anlagen nicht realisierbar. Und wie kommen wir zu einem exzellenten Zustand der Maschinen und Anlagen? Durch exzellente Prozesse (Instandhaltung) und diese wiederum durch exzellent qualifiziertes Personal.

Jetzt können wir den Kreis schließen: Exzellente Mitarbeiter und exzellente Arbeit erzielen wir durch ständiges Lernen und dem Aufbau einer lernenden Organisation. Ganz einfach durch kontinuierliche Weiterentwicklung. Dies sind aus meiner Sicht die ersten und wichtigsten Gedanken, die gedacht werden müssen, bevor wir uns dem Thema der Autonomen Instandhaltung widmen. Die Autonome Instandhaltung beschäftigt sich mit der Aufgabenteilung zwischen Instandhaltung und Fertigungspersonal und vor allem auch mit deren Befähigung. Die Befähigung ist ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor. Je besser es Ihnen gelingt, Ihre Produktionsmitarbeiter für das Thema der Autonomen Instandhaltung zu befähigen, umso größer wird der Nutzen sein und umso nachhaltiger werden Sie das

Thema bei sich im Unternehmen implementieren können.

Erstes Fazit

Lassen Sie mich hier kurz zusammenfassen: Im ersten Schritt empfehle ich eine Ausrichtung des Instandhaltungsmanagements an der Strategie und den Zielen des Unternehmens. Es macht einen großen Unterschied, ob das Unternehmen auf exzessives Wachstum und Kostenführerschaft ausgerichtet ist, oder ob es eine Marktnische als Qualitätsführer bedienen will. Beides wirkt sich auf das Instandhaltungsmanagement und die Instandhaltungsstrategie aus. Im zweiten Schritt, wenn die Instandhaltungsstrategien definiert sind und Sie die Autonome Instandhaltung umsetzen möchten, müssen Sie den Dreischritt

zur operativen Exzellenz vollziehen: Operative Exzellenz durch exzellente Prozesse durch exzellente Mitarbeiter. Daran führt kein Weg vorbei. Und nun geht es an die Umsetzung.

Die richtige Mauer wählen

Erklimmen Sie die Leiter der Autonomen Instandhaltung. Unsere Leiter der Autonomen Instandhaltung hat sieben Stufen und ist analog dem OPEX-Model des CETPM zu verstehen. Doch bevor Sie die Leiter erklimmen, sollten Sie wissen, an welche Mauer Sie die Leiter anlegen. Welche Mauer? Was meine ich damit? Nun, die Mauer steht sinnbildlich für die Ziele der Autonomen Instandhaltung. Was möchten Sie erreichen und wozu möchten Sie die Autonome Instandhaltung umsetzen? Folgende Ziele möchte ich Ihnen exemplarisch nennen:

1. Erhöhung der Zuverlässigkeit der Maschinen und Anlagen durch Reduzierung jeglicher Stör- und Ausfallzeiten. 2. Reduzierung der direkten und indirekten Instandhaltungskosten 3. Befähigung der Maschinenbediener zur Durchführung einfacher Inspektionen und Reparaturen 4. Verbesserung der Teamarbeit und Kooperation zwischen Instandhaltung und Produktion 5. Unterstützung der "Null-Ausfälle-Strategie"

Das Thema liegt mir am Herzen. Bitte beschäftigen Sie sich mit diesen Fragen sehr sorgfältig und finden Sie für sich die stimmigen Ziele. Leider wird dieser Punkt in seiner Wichtigkeit häufig unterschätzt. Woran wollen Sie den Erfolg der Autonomen Instandhaltung messen, wenn Sie sich nicht mit den Zielen beschäftigt haben?

Stufen voller Chancen

Nachdem Sie wissen, an welche Mauer Sie die Leiter anlegen möchten, können wir uns die einzelnen Leitersprossen anschauen:

Stufe 0 (Boden):

Beteiligung (Information und Kommunikation) Stufe 1: Grundinspektion Stufe 2: Grundzustand Stufe 3: Vorläufige Standards Stufe 4: Qualifikationsprogramm Stufe 5: Durchführung Stufe 6: Systematisierung Stufe 7: Autonome Instandhaltung

Jede der sieben Stufen ist im Rahmen der Umsetzung in kleinere Schritte zu unterteilen. Schauen wir uns dazu exemplarisch die Stufe 2 (Wiederherstellung des Grundzustandes) an. Vorab noch einmal der Hinweis, dass wir den Schwerpunkt auf den Blick der Instandhaltung legen. Wir achten also darauf, welchen Nutzen die Instandhaltung hat und welche Anforderungen an sie gestellt werden. Die zweite Stufe birgt große Chancen für die Instandhaltung: Im ersten Schritt (Grundinspektion) wurden die wesentlichen Verschmutzungsquellen aufgedeckt. Jeder Instandhaltungsprofi weiß, Verschmutzung ist eine der größten Ursachen für Verschleiß und Störungen! Wir können uns jetzt intensiv mit der Erhaltung des sauberen Zustandes beschäftigen. Außerdem können wir jetzt dafür Sorge tragen, dass die Inspektionen und Wartungstätigkeiten unter vereinfachten Bedingungen durchgeführt werden können. Das heißt im Idealfall bei laufender Maschine und durch die Maschinenbediener. Stellen Sie sich vor, was damit für eine Erleichterung für die Instandhaltung realisierbar wird. Was würden Sie zukünftig in Angriff nehmen, wenn Sie und Ihr Instandhaltungsteam

aufgrund reduzierter Störungszeiten und reduziertem Instandhaltungsaufwand jeden Monat sagen wir mal 15 Prozent mehr Zeit zu Verfügung hätten? Ein toller Gedanke, der Realität werden kann. Allerdings bekommen Sie das nicht zum Nulltarif.

Alles hat seinen Preis

Damit sind wir beim Aufwand für die Instandhaltung. Es gilt, die Anlagen und Maschinen entsprechend den neuen Erkenntnissen zu optimieren:

• Verschmutzungsursachen beseitigen oder reduzieren • Empfindliche Bereiche gegen Verschmutzung abschirmen • Reinigungstätigkeiten ergänzen und Intervalle aktualisieren • Inspektionsmöglichkeiten herstellen oder verändern • Wartungs- und Inspektionspunkte verlegen, etc.

Leider wird dieser Aufwand oft nicht gesehen oder bewusst verschwiegen. Dabei überwiegt in den meisten Fällen der Nutzen eindeutig gegenüber dem Aufwand.

Dazu mein Tipp: Betrachten Sie die Kosten-Nutzen-Gegenüberstellung für ein paar wenige, jedoch eindeutige Anwendungen. Zum Beispiel beim Anbringen eines Sichtfensters zur Inspektion eines Antriebsriemens. Vorher: Maschine anhalten und aufwändige Montagearbeiten zur Entfernung des Riemenschutzes. Nachher: Sichtkontrolle bei laufender Maschine, jederzeit im Vorbeigehen. Ich verzichte hier auf die weiteren Details.

Fazit: Alle gewinnen

Sie sehen, jeder profitiert von der Autonomen Instandhaltung. Die Instandhaltungsabteilung durch mehr Zeit für präventives Arbeiten. Die Fertigung durch zuverlässigere Maschinen. Die Instandhaltungsmitarbeiter durch weniger Stress und Hektik. Die Produktionsmitarbeiter durch höhere Qualifikation und dadurch oftmals auch eine bessere Entlohnung. Und alle zusammen durch eine bessere Performance, wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen. Letztendlich führt das alles zu mehr Sicherheit für unsere gemeinsamen Arbeitsplätze. Oder um es mit den Worten der Toyota-Gründer zu sagen: „Damit auch morgen noch unser gutes Auskommen gesichert ist.“

Im nächsten Artikel möchte ich Ihnen einen Einblick in das dritte Ausbildungsmodul und die Möglichkeiten der Geplanten Instandhaltung geben. Hier beschäftigt uns eine Frage sehr eindringlich: „Ist eine Null-Ausfälle-Strategie umsetzbar? Wenn ja, zu welchem Preis? Seien Sie gespannt auf die Antworten im nächsten Teil der Serie. Bis dahin wünsche ich Ihnen von Herzen viel Erfolg bei der Ausübung Ihrer Instandhaltungsaufgaben.