Egal wie Sie persönlich zum Thema Industrie 4.0 stehen, die Tatsache, dass wir am Beginn einer enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderung stehen, lässt sich nicht leugnen. OK, das war bei jeder großen Veränderung nicht wirklich anders. Die Auswirkungen und die Entwicklungen sind derzeit nur zu erahnen.

"Beam me up, Scotty"

Fans von Science Fiction Serien, wie beispielsweise "Star Trek", werden die nächsten Jahre sicherlich hoch erfreut beobachten. Und so einiges wird von den "Trekkies" mit Mr. Spocks typischem "faszinierend!" freudig kommentiert. wir haben Probleme mit dem Warp-Antrieb. Das Plasmaeindämmungsfeld des Coprozessors ist unter 20% der Gesamtleistung gefallen“, sondern „Herr Wagner, wir haben ein Problem mit der Verpackungsmaschine VP 23. Die Anlage hat den größten Störgrad und die höchsten Instandsetzungskosten. Außerdem ist sie unser größter Engpass. Wir müssen die derzeitige Kapazität auf

Wenn wir uns aus den unendlichen Weiten des Weltraums zurück auf die Erde begeben, werden wir wieder mit den alltäglichen Sorgen, Fragestellungen, Herausforderungen und Erwartungen konfrontiert. Und die lauten nicht „Captain, das Wochenende ausdehnen, um die Kundenbedarfe erfüllen zu können. Gleichzeitig fliegen uns die Herstellkosten um die Ohren. Von den verpassten Lieferterminen aufgrund der langen Reparaturzeiten möchte ich hier und jetzt erst gar nicht anfangen. Lassen Sie sich etwas einfallen. Sie sind als Instandhaltungsleiter für diesen Bereich zuständig und ich erwarte eine wesentliche Verbesserung dieser unbefriedigenden Situation.“

Kennen Sie solche Gespräche? Entschuldigung, die Frage muss lauten: Kennen Sie solche Monologe? Aber Spaß beiseite, egal wie emotional, rational, gerecht oder ungerecht Ihr Chef Ihnen die Sache darlegt, der sachliche Inhalt ist entweder gleich oder zumindest so ähnlich.

Mr. Spock wurde zur Legende, u.a. durch seinen Ausspruch:
Mr. Spock wurde zur Legende, u.a. durch seinen Ausspruch: "faszinierend!". Abb. 2: Der Instandhalter sieht sich oft mit hohen Erwartungen konfrontiert, die er mit seinem Team meistern soll.

Der ewige Teufelskreis

Es sind die Dilemmata um Kosten, Zeit und Qualität. Sollen die Maschinen oder Anlagen möglichst hoch ausgelastet sein, schwindet die verfügbare Instandhaltungszeit. Verlagert die Instandhaltung ihre Eingriffszeiten auf das Wochenende, so steigen die Kosten. Werden die Instandhaltungsaktivitäten aufgrund der Auslastung reduziert, hat das kurzfristig positive Effekte auf die Verfügbarkeit und Kosten. Langfristig steigt die Störanfälligkeit, die Leistung sinkt und die Qualität ist nicht mehr sicherzustellen. Ach ja, da wäre noch das leidige Thema der Ersatzteilhaltung. Lagerkosten versus Verfügbarkeit. Wie verwalten wir mit maximaler Transparenz und ohne administrativen Aufwand die Ersatzteile? Welches Ausmaß an Standardisierung ist dienlich und ab welcher Grenze ziehen wir unserer Flexibilität ein zu enges Korsett an?

Können Sie zaubern?
Können Sie zaubern?

Entschleunigung

Begrenzte Möglichkeiten

Für diese und ähnliche Fragen liefert das Betriebscontrolling bekannte Antworten, indem es ein paar Zahlenhasen aus seinem Zauberhut zieht und vor uns auf du es eilig hast, gehe langsam. Wenn du es noch eiliger hast, dann gehe einen Umweg.“ In diesem Sinne gilt es, innezuhalten und nachzudenken. Wenn Sie bereits in einer ähnlichen Situation wie der oben erwähnte Herr Wagner stecken, dann wird sich alles in Ihnen dagegen wehren, einen Gang zurückzuschalten oder gar einen Umweg zu nehmen. Und trotzdem sage ich Ihnen, es ist auf Dauer die erfolgreichere Vorgehensweise.

Mehr Infos: www.cetpm.de/TPM.IHM

In dem obigen Beispiel ist die Ausgangssituation so, dass die Verpackungsmaschine sehr stark ausgelastet ist und gleichzeitig eine hohe Störanfälligkeit vorliegt. Sie müssen also mehr Wartungen, Inspektionen und Reparaturen an der Maschine durchführen, obwohl die erforderliche Zeit nicht zur Verfügung steht. Ich empfehle Ihnen an dieser Stelle, nach einem Zeitfenster zu schauen, in dem erste Verbesserungsmaßnahmen greifen können. Solange das Wochenende mit der Produktion noch nicht belegt ist, kann sich hier eine Möglichkeit zum Arbeiten an der Maschine ergeben. Ja, aber das sind doch teure Überstunden? Da stimme ich Ihnen zu. Doch was ist die Alternative? Zu solchen Situationen sagte einer meiner früheren Kollegen gerne: „Das ist so nach dem Motto - Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ dem Tisch tanzen lässt. Ob die Zauberei dann im Tagesgeschäft Bestand hat, steht auf einem ganz anderen Blatt. Meistens macht es dann "Abrakadabra – piff – paff" und das Karnickel verschwindet in einer Rauchwolke. MTBF, MTTR und ähnliche KPIs sind schon OK, allerdings dürfen Sie eines nicht vergessen, es sind Vergangenheitszahlen. Wenn wir uns zu sehr darauf stützen, dann ist das so, als ob Sie mit Ihrem Auto vorwärts fahren und dabei nur in den Rückspiegel schauen.

Wie können Sie damit umgehen? Ein japanisches Sprichwort sagt: „Wenn

Zertifizierter Instandhaltungsmanager

Das ist der Titel eines neuen Fortbildungs-Seminars am CETPM. In vier Modulen, die jeweils drei Tage umfassen, bekommen die Teilnehmer das Rüstzeug, um Instandhaltung als strategischen Faktor einzusetzen. Praxisnah vermitteln die Dozenten, wie Instandhaltung professionell und wirtschaftlich einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten kann.

Die angehenden Instandhaltungsmanager erfahren, wie sie eine Brücke zwischen Kostendruck und Anlagenverfügbarkeit bauen können. Sie erhalten Einblicke in die Analyse, Bewertung und Optimierung von Instandhaltungsprozessen und werden befähigt, schnittstellenübergreifende Probleme nachhaltig zu lösen.

Soll heißen: Die aktuelle Situation ist nicht vom Himmel gefallen, sondern die Folge vorhergehender Entscheidungen. Und jetzt gilt es, mit den Konsequenzen bestmöglich umzugehen.

"Wasch mich, aber mach mich nicht nass!".

Den Hebelpunkt finden

Schaffen Sie bei sich selbst oder bei Ihren Mitarbeitern den zeitlichen Freiraum, um nach dem richtigen Hebelpunkt an der Maschine zu schauen. Wo sind innerhalb des kleinen Zeitfensters die Eingriffe bezüglich der Zuverlässigkeit am größten? Setzen Sie dort an. Analysieren Sie die Ausfallgründe und das Verschleißverhalten. Führen Sie Schwachstellenanalysen durch und leiten Sie geeignete Maßnahmen ab. Das wäre dann unter der Überschrift „Wenn du es noch eiliger hast, dann gehe einen Umweg“ einzuordnen. Die Hütte brennt und Sie müssen sofort etwas unternehmen. Sie wählen in diesem Fall einen alternativen Weg, um sofort wirksam zu werden und sich die nötige Zeit zu verschaffen, vom Aktionismus zur Prävention umzuschalten. Sie werden dadurch eine erste Verbesserung der Situation erreichen. Die gilt es zu halten und auszubauen.

Hans-Jörg Eyl ist LEAN-Koordinator bei der Lohmann GmbH & Co. KG. Zudem gibt er als Business Coach und Trainer seine langjährige Lean- und Kaizen-Erfahrung weiter und stellt Handlungshilfen zu zentralen Fragen vor.
Hans-Jörg Eyl ist LEAN-Koordinator bei der Lohmann GmbH & Co. KG. Zudem gibt er als Business Coach und Trainer seine langjährige Lean- und Kaizen-Erfahrung weiter und stellt Handlungshilfen zu zentralen Fragen vor.

Fit für die Zukunft

Einiges lässt sich mit gesundem Menschenverstand bewältigen, für anderes ist solides Fachwissen vonnöten. Und manche Dinge werden Sie vielleicht nie erfahren. Wir möchten die Lücke zwischen Theorie und Praxis schließen und Ihnen ein solides Methodenset an die Hand geben, mit dem Sie die anstehenden Herausforderungen gut managen können. Der Instandhaltungsmanager muss viele Disziplinen beherrschen und auf ein breites Wissen zurückgreifen können.

Jetzt kommt der andere Aspekt des Sprichwortes ins Spiel: „Wenn du es eilig hast, dann gehe langsam“. Damit soll vermieden werden, dass Sie nach gleicher Manier weitermachen. Stattdessen muss jetzt das Thema der Instandhaltungsstrategie auf den Tisch. Wo sind unsere Engpassanlagen und welches Verschleißbzw. Ausfallverhalten repräsentieren sie? Wie ist unsere aktuelle Geschäftssituation und welche Entwicklung erwarten wir? Diese und viele weitere Fragen stehen am Anfang und sind von fundamentaler Bedeutung, nicht nur für die zukünftige Verfügbarkeit Ihrer Produktionsanlagen, sondern auch für Ihren Handlungsspielraum. Zeit, die Sie in gute Vorbereitungen investieren, zahlt sich später um ein Vielfaches aus.

Die Herausforderungen der Zukunft sind mit dem Wissen und dem Mindset des letzten Jahrhunderts nicht zu bewältigen. Die Reduzierung von Komplexität, das Erzeugen von Transparenz und der Umgang mit Geschwindigkeit sind neben einer guten Problemlösekompetenz und der Bereitschaft zu kontinuierlicher Entwicklung – Ihrer eigenen Person, Ihrer Mitarbeiter und Ihrer Organisation – die wesentlichen Eigenschaften, um zukünftig bestehen zu können. Dazu möchten wir mit der Seminarreihe zum Instandhaltungsmanager einen wichtigen Beitrag leisten.

Erfahren Sie im nächsten Teil, woraus die "Grundlagen der betrieblichen Instandhaltung" bestehen, was das Besondere an unseren Seminarinhalten ist und wie Sie diese sinnvoll in die Praxis umsetzen. Bis dahin wünsche ich Ihnen von Herzen viel Erfolg bei der Ausübung Ihrer Instandhaltungsaufgaben.

Die Führung einer Instandhaltungsabteilung ist eine sehr anspruchsvolle und abwechslungsreiche Aufgabe. Einiges von dem, was Sie dazu benötigen, finden Sie in den unterschiedlichen Curricula.