Eine kleine Kurzgeschichte zum Nachdenken – gefüllt mit Erfahrung aus knapp 20 Jahren im Trainingsbereich:

Es ist Montagmorgen, die Anreise hat ohne Stau geklappt, und ich bin wie gewohnt eine Stunde vor Eintreffen der Teilnehmer am Ort des Geschehens. Die letzten Vorbereitungen sind getroffen, die Praxissimulation ist aufgebaut, geistig bin ich eingestimmt – offen und voller Neugierde, wen ich nun gleich alles begrüßen darf. Das Warten auf die Ankunft der ersten Schulungsteilnehmer ist wie immer spannend.

Mit einem Kaffee in der Hand begrüße ich die ersten Teilnehmer, stelle mich kurz vor und zeige ihnen die Räumlichkeiten, inklusive der nach dem Pull-Prinzip organisierten Kaffee-Ecke, zum lockeren Ankommen und Kennenlernen. Die zögerliche "Forming-Phase" startet. Nach und nach treffen die weiteren Trainingsteilnehmer ein, die Runde füllt sich, Kaffee wird gepullt und die Gespräche fokussieren sich auf: „Wo kommst Du her?“, „Wo arbeitest Du?“, „Warum bist Du hier?“.

„Weiß ich nicht“. (Er würde lieber arbeiten als hier sein)

„Eigentlich sollte mein Chef hier sein, aber er hat keine Zeit“. (Aha...)

Selbstverständlich gibt es auch genauso viele Antworten in die entgegengesetzte Richtung von Teilnehmern, die ganz genau wissen, warum sie dieses Training besuchen, mit einer klaren Aufgabenstellung wie sie die Trainingsinhalte in die Praxis transferieren werden und dürfen.

Das „Warum bist Du hier?“ nehme ich dann gleich auf in die lockere, mit Lachen gefüllte Kennenlernrunde. Die Antworten sind in einigen Fällen ernüchternd:

Der nächste Schritt ist ein konkretes Nachfragen bei den Teilnehmern: „Was ist Eure Aufgabe nach dem Training?“

Spätestens bei dieser Frage werden die Gesichter der Teilnehmer, bei denen sich die Freiwilligkeit in Grenzen hält, blasser. Oh, ich weiß nicht. Muss ich hinterher was tun? Auch ich werde dabei manchmal unsichtbar blasser.

„Weil mich mein Chef geschickt hat“. (Begeisterte Teilnehmer sehen anders aus)

„Als Belohnung für meine geleistete Arbeit im letzten Jahr“. (Oh, ein Stolzer)

Soviel zum Start. Wir steigen ein in das Training, das mit praxisbezogenen Aufgaben für die Lernenden verbunden ist. Nach einigen Stunden verändert sich

„Eigentlich hätte ich jetzt Urlaub, aber mein Chef wollte…“. (Klar, dass er nicht gut gelaunt ist)

„Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.“ die Stimmung spürbar. Die Teilnehmer werden lockerer und die Inhalte klarer. Ich sehe vielen Gesichtern an, dass sie bereits geistig in ihrem Unternehmen bei der Umsetzung sind. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, um vom Praxistraining zu konkreten Praxisthemen im Unternehmen umzuschwenken. Die Teilnehmer sind nun aufgefordert, konkrete Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag zu erläutern – selbstverständlich auf freiwilliger Basis.

Wenn ein Teilnehmer seine aktuelle Problemstellung geschildert hat, dann diskutiert die Gruppe mögliche Lösungsvorschläge. Und – wie soll es auch anders sein – die "Freiwilligen" notieren fleißig mit, die "weniger Freiwilligen" sind auch aktiv dabei:

Können. Wollen. Dürfen.

„Ja, aber das geht bei uns nicht, weil …“. „Dafür haben wir keine Zeit ….“

Die Gründe dafür sind unterschiedlichster Art und eine Auflistung hier würde den Rahmen sprengen. Jedoch ist spätestens dieser Satz der Einstieg in den Part Veränderungsmanagement. Auch das möchte ich hier nicht erläutern.

Die Autorin

Monika Köppl blickt auf eine umfassende Erfahrung im Schulungsbereich zurück - sowohl in internationalen Konzernen als auch in mittelständischen Industriebetrieben. Seit über 15 Jahren verankert sie als Trainerin und Coach die Lean-Philosophie in Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Als zertifizierte Systemische Change Management Beraterin beschäftigt sie sich intensiv mit der Gesamtbetrachtung von Veränderungsprozessen im Lean-Kontext.

Qualifizierung Fachartikel

„Ich kann, weil ich will, was ich muss.“

Die Teilnehmer sind neugierig und interessiert, verstehen sich selbst und ihre Kollegen, Mitarbeiter und Führungskräfte besser – „Warum sind Menschen so wie sie sind?“ und „Mit welchen Ansätzen kann ich mich selbst in eine Veränderung führen?“ und „Wie kann ich Kollegen in die Veränderung begleiten?“.

Gibt es klare Ziele? Eine klare Aufgabenstellung? Schafft ein Training bei Ihnen Mehrwert für Mitarbeiter und Unternehmen? Werden Lernfreiräume eingefordert und unterstützt? Werden Hindernisse gemeinsam aus dem Weg geschafft?

Nach diesem Teil geht es wieder zurück zur Agenda des Trainings – sofern es ein reines Methodentraining war. Nach Beendigung der Trainingstage gehen die Teilnehmer motiviert und auch nachdenklich zurück ins Unternehmen. Und eines haben sie, neben den Trainingsinhalten, alle gelernt: Der Erfolg einer jeden Weiterbildung und der Praxistransfer ins Unternehmen ist nicht abhängig von Methoden, Werkzeugen und Prozessen, sondern von Menschen:

Fazit

Unternehmen sind gut beraten, wenn sie ihren Trainingsbedarf zielorientiert planen und umsetzen. Um von Investitionen in Weiterbildung nachhaltig zu profitieren, ist es wichtig, dass Sie neben einer guten Vorbereitung der Teilnehmer die Lerneffekte mit sofortiger Lern- und Erfahrungsumsetzung im Unternehmen verknüpfen. Behalten Sie dabei im Auge, dass das eigentliche Lernen erst nach dem Training beginnt. Dabei ist Erfolg keine Einbahnstraße ohne Hindernisse. Wenn Sie dies beachten, dann schaffen Sie Mehrwert mit stolzen und motivierten Mitarbeitern und die Trainingskosten werden sich in kürzester Zeit amortisieren.

Wie bereits erwähnt: Dies ist eine kleine Kurzgeschichte, gespickt mit einem Auszug an Erfahrungen, über die nachgedacht werden kann. Solche Erfahrungen spielen sich unabhängig von Hierarchiestufen ab.

Welche Kurzgeschichte würden Ihre Kollegen/Mitarbeiter/Sie selbst erzählen?

Zum Abschluss noch ein weit verbreitetes Stammtischgespräch aus unbekannter Quelle: CFO fragt den CEO: „Was passiert, wenn wir in die Entwicklung unserer Mitarbeiter investieren und dann verlassen sie unser Unternehmen?“ CEO: „Was passiert, wenn wir nicht in sie investieren und sie bleiben?“