Es gibt Unternehmen, in denen Mitarbeiter im Durchschnitt 24 Ideen pro Jahr einbringen und davon 80% auch wirklich umgesetzt werden*. Diese Unternehmen haben einen großen Wettbewerbsvorteil, da die Umsetzung der vielen kleinen Ideen zu einer verbesserten Vorgehensweise führt. Es sind dann nicht die Ideen an sich, sondern die Kultur des Umsetzens von kleinen Ideen, die einen Wettbewerbsvorteil bringen: Tagtäglich umgesetzte Ideen können nicht ständig von Wettbewerbern kopiert werden. Außerdem sind diese Ideen vielleicht auch nicht in anderen Unternehmen anwendbar. Große Projekte mit neuen technischen Anwendungen lassen sich eher kopieren – aber die Perfektion im Kleinen kann nur von den Anwendern vor Ort konkretisiert werden. Auch soll man den Effekt auf die Motivation der Mitarbeiter durch ihre umgesetzten Ideen nicht unterschätzen.

Job Methods unterstützt Ideen

Motivation ist das Thema

Es ist bekannt, dass Zusatzprämien, Gehaltserhöhungen oder ähnliche Belohnungssysteme nicht wirklich funktionieren, um Menschen zu motivieren. Das Erleben von Autonomie, Anerkennung und Vertrauen sowie häufiges Feedback auf geleistete Arbeit sind eher relevant. Dazu ist es wichtig, dass Mitarbeiter dafür mehr Verantwortung und Freiraum bekommen. Das Umsetzen von Ideen aller Mitarbeiter fördert Autonomie, Anerkennung und Vertrauen und erhöht so deren Motivation. Neben den Ergebnissen, welche durch die Ideen entstehen, ist das Fördern von Motivation ein noch wichtigerer Grund, warum viele Ideen von Mitarbeitern in einem Unternehmen umgesetzt werden sollten.

1. Fachwissen, 2. Kenntnis ihrer/seiner Verantwortlichkeiten, 3. Führungskompetenz, 4. Fähigkeit, Mitarbeiter zu unterweisen, 5. Fähigkeit, Verfahren zu verbessern.

TWI besteht aus drei Programmteilen, die Führungskräften helfen, ihre Fähigkeiten in Führen, Unterweisen und Verfahren zur Verbesserung zu entwickeln. Diese drei Standardprogramme sind:

1. Job Relations (zum Führen von Mitarbeitern), 2. Job Instruction (zum Unterweisen von Mitarbeitern), 3. Job Methods (zur Optimierung der Verfahren).

TWI-Job Methods ist so strukturiert, dass Mitarbeiter viele kleine Ideen finden und umsetzen. So kann unterstützt werden, dass diese regelmäßigen kleinen Ideen entstehen und dass dabei Mitarbeiter ihr Potenzial an Kreativität entdecken.

Dabei ist es wichtig, sicherzustellen dass Führungskräfte zuerst die Mitarbeiter gut führen und unterweisen, bevor sie die Prozesse mit den Mitarbeitern optimieren. Wenn die Menschen nicht eingebunden und auch nicht unterwiesen werden, dann macht es einfach keinen Sinn, die Verfahren zu optimieren. Die neu entwickelten Standards würden

In früheren Ausgaben von Yokoten haben wir bereits einiges über TWI (Training Within Industry) erklärt. Hier fassen wir nochmals kurz das Wichtigste zusammen. Bei TWI geht man davon aus, dass jede Führungskraft die folgenden Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen sollte:

Arbeitsabläufe Methode verbessern
Arbeitsabläufe Methode verbessern

FÄHIGKEITEN

Anleiten

Arbeitssicherheit tions auf einer Karte (s. Seite 8, Abb. 4). Mit dieser Anleitung ist es einfacher, die folgenden vier Schritte anzuwenden und zu trainieren.

Führen so nicht eingehalten. Damit wäre die Verbesserung nicht nachhaltig. Dieser Gedanke kommt in Abb. 2 zum Ausdruck.

Wenn die Beziehungen zu den Mitarbeitern (Führung: Job Relations) und das Unterweisen der Mitarbeiter (Job Instruction) gut funktionieren, dann macht es auch Sinn, dabei die Vorgehensweise mit Job Methods zu konkretisieren.

Verantwortlichkeiten
Verantwortlichkeiten

Was ist Job Methods?

Job Methods ist definiert als eine praktische Methode, um durch optimalen Einsatz der aktuell verfügbaren Mitarbeiter, Maschinen und Materialien in kürzerer Zeit mehr Qualitätsprodukte herzustellen. Der Fokus der Methode liegt darin, dass kleinere Verbesserungen mit den vorhandenen Ressourcen erfolgen. Die Summe dieser kleineren Verbesserungen bringt die Ergebnisse. Die Zielgruppe, welche diese Fähigkeit lernen soll, sind die direkten Vorgesetzten; aber auch Mitarbeiter können die Methode einfach lernen. Es braucht keine besonderen Vorkenntnisse. Es ist also eine Fähigkeit, die bisherige Vorgehensweise zu verbessern.

Zusammen mit Job Instruction und Job Relations wurde Job Methods in Japan angewendet und bildete die Basis für Kaizen. Eine Zusammenfassung der Kernpunkte dieser Methode finden Sie wie bei Job Instruction und Job Relations auf einer Karte (s. Seite 8, Abb. 4). Mit dieser Anleitung ist es einfacher, die folgenden vier Schritte anzuwenden und zu trainieren.

Verbesserte Arbeitsweisen “bleiben besser hängen”, wenn sie gut unterwiesen werden
Verbesserte Arbeitsweisen “bleiben besser hängen”, wenn sie gut unterwiesen werden

V E R B E S E R N

dass der Fokus der Ideen auf der Tätigkeit liegt und so eine zielgerichtete Verbesserung entsteht.

Schritt 3: Im dritten Schritt von Job Methods werden die in Schritt 2 entstanden Ideen zu einer konkreten neuen Arbeitsmethode entwickelt. Die Ideen aus Schritt 2 sind noch sehr allgemein. In Schritt 3 werden diese Ideen konkretisiert und überprüft und nach der Konkretisierung zu einer neuen Arbeitsmethode zusammengestellt.

Schritt 1: Zuerst ist es wichtig, alle Details der Tätigkeit zu erfassen und wirklich zu beobachten. Die detaillierte Betrachtung vor Ort ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg. Wenn am Anfang alle Details genügend fokussiert werden, dann hilft dies bei den nächsten Schritten, um diese Details zu hinterfragen und so Ideen zu entwickeln.

Verbesserungsergebnisse steigen, wenn Mitarbeiter einbezogen werden
Verbesserungsergebnisse steigen, wenn Mitarbeiter einbezogen werden

Schritt 2 Schritt 3

Schritt 2: Als zweites ist das Hinterfragen der Details wichtig. Beim Stellen der Fragen kommen erste Ideenansätze hoch, die zu der neuen Arbeitsmethode führen können. Durch das Einüben der Fragen (Warum-Was-Wo-Wann-Wie?) lernen Vorgesetzte, dass sie nicht selbst alle Antworten haben müssen, aber Fragen stellen sollen.

Was? Warum?

Eliminieren

Wo? Wann? Wer?

Kombinieren In neue Reihenfolge bringen

Wie?

Nur wenn gute Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern bestehen und ein gut funktionierendes System von Standard Work existiert, ist es sinnvoll, die Arbeitsmethode zu verbessern.
Nur wenn gute Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern bestehen und ein gut funktionierendes System von Standard Work existiert, ist es sinnvoll, die Arbeitsmethode zu verbessern.

Vereinfachen

Schritt 4: In Schritt 4 liegt der Fokus auf der Umsetzung der Idee. Es geht darum, dass die neue Methode von anderen Mitarbeitern und Vorgesetzten akzeptiert wird. Nach der Umsetzung erhalten die Personen, die daran beteiligt waren, eine Anerkennung. Nur so kann ein gutes Umfeld für Entwicklung von weiteren Ideen entstehen. In diesem Schritt ist

So können Vorgesetzte lernen, sich selbst und ihre Mitarbeiter zu befähigen, Ideen zu finden. Alle möglichen Ideen werden aufgelistet – es ist ein Art von Brainstorming, die Ideen werden jetzt noch nicht bewertet. Der Unterschied liegt aber darin, dass der Brainstorm gelenkt wird: Die aufgelisteten Details aus Schritt 1 und die Fragen aus Schritt 2 sorgen dafür,

In der praktischen Anwendung der
In der praktischen Anwendung der "Vier-Schritte-Karte" liegt der Fokus auf obigen Punkten.

SCHRITT 1 – DETAILANALYSE ERSTELLEN

1. Notieren Sie alle Details der Tätigkeit, und

Quellenangabe: *Robinson, Alan G., Schroeder, Dean M.
Quellenangabe: *Robinson, Alan G., Schroeder, Dean M. "Ideas Are Free: How the Idea Revolution Is Liberating People and Transforming Organizations" (page 6-7).

SCHRITT 2 – JEDES DETAIL HINTERFRAGEN

1. Stellen Sie die folgenden Fragen:

Schritt 2 – Fragen Schritt 3 – Entwickeln

Warum? Was?

Wo? Wann? Wer?

JOB METHODS VERBESSERN IN VIER SCHRITTEN
JOB METHODS VERBESSERN IN VIER SCHRITTEN

Wie?

Rohrleitung für die Wasserzufuhr konstruiert werden. Diese Aufgabe erschien zeit- und kostenaufwändig. Bei der Umsetzung wurde jedoch das Regenwasser in einem Behälter aufgefangen und somit konnte die Idee ohne hohe Kosten und innerhalb eine Woche umgesetzt werden.

SCHRITT 3 – DIE NEUE METHODE ENTWICKELN

1. ELIMINIEREN Sie unnötige Details 2. KOMBINIEREN Sie Details, wo zweckmäßig 3. STELLEN Sie die Reihenfolge von Details UM 4. VEREINFACHEN Sie notwendige Details, um

SCHRITT 4 – DIE NEUE METHODE ANWENDEN

Solche Ideen entstehen sofort während das Erlernens von Job Methods und sie werden während dieser Woche auch konkretisiert und in die neue Arbeitsmethode integriert. So machen zum Beispiel 10 Teilnehmer einen Verbesserungsvorschlag und diese 10 Ideen werden sofort umgesetzt. Die Qualität der Ideen steigt, da die neue Arbeitsweise konkretisiert worden ist. Auf diese Weise können die Ideen schnell und konkret umgesetzt werden.

1. ÜBERZEUGEN Sie Ihren Vorgesetzten 2. ÜBERZEUGEN Sie Ihre Mitarbeiter 3. Sorgen Sie für DEFINITIVE GENEHMIGUNG

Zusammenhang zw. Schritt 2 und Schritt 3

Eliminieren

Kombinieren Umstellen

Vereinfachen

Die Autoren

Carla Latijnhouwers berät seit 2001 Unternehmen bei der Einführung von kontinuierlichen Verbesserungsprozessen. Ihr Fokus liegt darauf, einen allumfassenden Prozess kontinuierlicher und nachhaltiger Verbesserungen auf den Weg zu bringen. Gemeinsam mit Gerard Berendsen gründete sie 2013 das TWI-Institut. Kontakt: carla.latijnhouwers@twi-institut.com

Gerard Berendsen ist Lean-Berater und Interimsmanager mit 30-jähriger Erfahrung in Projektmanagement, Instandhaltung, Betriebsleitung und KVP. Sein Fokus liegt darauf, die Potenziale aller Mitarbeiter zu entfalten. Er ist Mitbegründer der TWI Institut Deutschland GmbH Kontakt: gerard.berendsen@twi-institut.com

TWI in der Praxis Fachartikel

Lob). Der Vorgesetzte kann dem Ideengeber dabei helfen, gute Ideen zu entwickeln, da er anhand der JM-Methode eine "Fragenstell-Routine" entwickelt hat. Mit dieser Routine kann der Vorgesetzte Mitarbeiter coachen, um zu neuen oder besseren Ideen zu kommen.