Das Unternehmen Coppenrath & Wiese fertigt tiefgekühlte Backwaren und befindet sich seit Jahren auf Wachstumskurs. Die Produktion muss täglich hohe Qualitätsstandards erfüllen, die sich aus dem Kundenwunsch und immer anspruchsvolleren gesetzlichen Vorschriften ergeben.

Als Gastgeber profitieren

Hans-Werner Ahrens, Betriebsleiter und Prokurist der Conditorei Coppenrath & Wiese KG, erfuhr auf einer TPM-Konferenz von der Möglichkeit, die Rolle als Gastgeber für den TPM-Instruktorkurs des CETPM zu übernehmen. Dabei lernen Teilnehmer aus unterschiedlichen Branchen in Theorie und Praxis die TPM-Philosophie und ihre Tools kennen. Für das Gastgeber-Unternehmen bieten die direkt an den Linien durchgeführten Workshops die Chance, dass die externen Kursteilnehmer und Dozenten die Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen und neue Ideen einbringen. Die eigenen Mitarbeiter profitieren von dem Know-how, das im Rahmen des Kurses aufgebaut wird. Und das Feedback der Teilnehmer reflektiert den internen Teams, ob sie sich auf einem guten Weg befinden, und es ist auch eine motivierende Anerkennung für bisher erbrachte Leistungen.

Der Name ist Programm

Exaktes Arbeiten ist obligatorisch. Schwankungen bei den Rohstoffen erfordern kontinuierliche Anpassungen, um den Qualitätsstandard zu halten.
Exaktes Arbeiten ist obligatorisch. Schwankungen bei den Rohstoffen erfordern kontinuierliche Anpassungen, um den Qualitätsstandard zu halten.

TPM auf eine breitere Basis gestellt

Hans Werner Ahrens bewarb sich erfolgreich als Gastgeber-Unternehmen für den TPM-Instruktorkurs, der im Frühjahr 2016 durchgeführt wurde. „Damit konnten wir das Ganze auf eine breitere Basis stellen“, erzählt er. Die 28 Teilnehmer aus unterschiedlichsten Unternehmen waren für 14 Tage im Haus, um sich in der TPM-Philosophie in Theorie und Praxis fit zu machen. Auch Mitarbeiter des Unternehmens Coppenrath & Wiese nahmen an dem Kurs teil oder standen für die Praxisworkshops unterstützend zur Verfügung. Rund 20 Mitarbeiter waren im Laufe des Kurses involviert. Im Rahmen der Workshops wurden sofort einige Verbesserungen umgesetzt, und es wurden neue Projekte angestoßen, die weiterlaufen.

„Es wurden viele Themen angerissen, und das Unternehmen erhielt viele Anregungen“, so Hans-Werner Ahrens. Im Rahmen des Kurses fanden vor Ort in der Produktion rund 60 Präsentationen der Ergebnisse von durchgeführten Workshops statt. Die Projekte erstreckten sich auf konkrete Verbesserungen im Produktionsprozess. Gleichzeitig wurden Themen, auch aus indirekten Bereichen, mit Makigami bearbeitet. Zum Beispiel überlegten die Teams, wie man die Aus dem Wort Conditorei und dem englischen Wort condition (Zustand) leitet sich der Name für das Verbesserungsprogramm "Conditions" ab und soll assoziieren: Zustand verbessern. „Damit können die Menschen im Unternehmen mehr anfangen als mit dem Begriff TPM“, erklärt Hans-Werner Ahrens.

Conditions steht für „Conditorei Instandhaltungs-, Optimierungs- & Nachhaltigkeitssystem“. Seit der Einführung des Conditions-Verbesserungsprogramms wurden erhebliche Effizienzverbesserungen erzielt, die anhand ausgewählter Kennzahlen messbar sind.

Bestellung von Ersatzteilen oder die Rückverfolgbarkeit von Produkten verbessern kann. waren, sind zufrieden. Ebenso die Gäste, die in die TPM-Welt der lebensmittelverarbeitenden Industrie eintauchen durften und durch praktisches Tun viel lernen konnten. Positives Feedback kommt auch vom Veranstalter des Kurses.

Hans Werner Ahrens und seine Mitarbeiter, die an dem Projekt beteiligt

Alexander Grombach, Executive Director des CETPM, ist begeistert: „Coppenrath & Wiese war ein vorbildlicher Gastgeber für unseren praxisbezogenen TPM-Instruktorkurs“. Besonders beeindruckt seien er, die Trainer und die Teilnehmer von der positiven Einstellung und dem Engagement der Mitarbeiter vor Ort gewesen. Die Mitarbeiter an den Linien haben die Workshopteams vorbildlich unterstützt. Und auch das Interesse der Führungskräfte freute die Kursteilnehmer, denn die täglichen Präsentationen der Workshopergebnisse verfolgten jeden Abend mindestens zehn

Im Rahmen des TPM-Instruktorkurses bearbeiteten die Teilnehmer in Teams zahlreiche TPM-Themen gemeinsam mit den Mitarbeitern vor Ort.
Im Rahmen des TPM-Instruktorkurses bearbeiteten die Teilnehmer in Teams zahlreiche TPM-Themen gemeinsam mit den Mitarbeitern vor Ort.

Schulungen als wichtiger Baustein

Führungskräfte mit Interesse. Die speziellen Anforderungen der Lebensmittelindustrie hätten für alle Beteiligten große Lerneffekte gebracht.

Coppenrath & Wiese setzt auf regelmäßige Schulung der Mitarbeiter. Das umfangreiche Schulungsprogramm umfasst neben SMED und Rüstworkshops bedarfsorientiert diverse fachliche und methodische Themen. Es werden einmal pro Woche wechselnde Themen für jeweils eine Stunde geschult, zum Beispiel: Technische Fragen, Problemlösungstools, TPM im Büro, Six Sigma, Makigami oder Maschinenkenntnisse. Diese Schulungen entstehen aus dem Bedarf heraus und werden hausintern entwickelt. „Die externen Teilnehmer des Instruktor-Kurses waren an dieser Vorgehensweise sehr interessiert“, freut sich Hans-Werner Ahrens. „Pro Woche haben wir circa 20 Teilnehmer, denen wir durch die Schulungen Hintergrundwissen vermitteln. Damit wird das ganzheitliche TPM-Programm auf eine breitere Basis gestellt.“

Die Durchdringung mit dem TPM-Gedanken ist laut Herrn Ahrens unter den 2000 Mitarbeitern schon recht hoch. Dennoch gäbe es hin und wieder Wissensdefizite bei speziellen Fachbegriffen. Deshalb habe man die in den Workshops erarbeiteten Makigami-Papierrollen und Tafeln direkt am Werkseingang aufgehängt, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken.

Die Herstellung unterschiedlicher Qualitätserzeugnisse ist täglich eine Herausforderung.
Die Herstellung unterschiedlicher Qualitätserzeugnisse ist täglich eine Herausforderung.

Vom klassischen TPM-Ansatz zum eigenen Verbesserungsprogramm

Im Jahr 2007 hatte man bei Coppenrath & Wiese mit dem klassischen TPM- Ansatz begonnen, die Prozesse zu optimieren. Man orientierte sich an den 8 Säulen und arbeitete unter anderem mit dem KAIZEN Institute zusammen. In den folgenden Jahren konnte das gute Niveau der ersten Zeit aber nicht gehalten werden. Der Fokus lag mehr auf schnellem Wachstum als auf Verbesserungen.

Handwerk trifft TPM Praxisbericht

Hans-Werner Ahrens hat bei seinem Eintritt ins Unternehmen 2012 mit dem Conditions-Team das TPM-Programm neu aufgesetzt. Entsprechend den Anforderungen in der Produktion konzentrierte man sich verstärkt auf Rüst-Workshops und Six Sigma, sowie die klassischen Instandhaltungsthemen.

Abb. 4: Gut besucht waren die Präsentationen der im Rahmen des TPM-Instruktorkurses bearbeiteten Verbesserungsprojekte. Jeden Abend verfolgten Kollegen und Führungskräfte vor Ort die Ergbnisse. Bei der Abschlusspräsentation waren über 100 Teilnehmer dabei.
Abb. 4: Gut besucht waren die Präsentationen der im Rahmen des TPM-Instruktorkurses bearbeiteten Verbesserungsprojekte. Jeden Abend verfolgten Kollegen und Führungskräfte vor Ort die Ergbnisse. Bei der Abschlusspräsentation waren über 100 Teilnehmer dabei.

Das Unternehmen

Die Conditorei Coppenrath & Wiese ist Marktführer im Bereich Tiefkühltorten, -kuchen und -brötchen. Die größte Bäckerei Europas wurde 1975 gegründet von Aloys Coppenrath und Josef Wiese. Seither ist das Unternehmen kontinuierlich auf Wachstumskurs. Pro Jahr werden circa 500 verschiedene Produkte hergestellt.

Um TPM in die Breite zu streuen, gibt es eine TPM-Koordinatorin in Vollzeit und zwei Ausbilder, die 50 % ihrer Tätigkeit darauf verwenden. Zusätzlich widmen sich die Abteilungsleiter und z. B. Linienführer dem Thema, die in Produktion, Technik und Verbesserungsmethoden ausgebildet sind. Sieben Mitarbeiter haben bereits die Ausbildung zum TPM-Instruktor durchlaufen.

Säule die Low Cost Automation entwickelt. „Das hilft uns sehr, da wir 500 verschiedene Produkte pro Jahr fertigen und viel Handarbeit anfällt, betont Hans-Werner Ahrens. Auch die 5S-Methode hat das Unternehmen erweitert auf 7S. Die zusätzlichen 2S sind Sicherheit und Spaß. Das Unternehmen sei sehr schnell gewachsen, und es wächst weiter und man gehe sehr pragmatisch vor. Das TPM-Team sei dafür da, dass es runder läuft und weniger Störungen und Verluste auftreten.

Aufgrund der speziellen Anforderungen interpretiert und nutzt Coppenrath & Wiese die TPM-Werkzeuge individuell. So wurde zum Beispiel als zusätzliche

Durch den TPM-Instruktorkurs im Hause Coppenrath & Wiese kamen laut Herrn Ahrens viele neue Impulse und ein Motivationsschub für die eigenen Mitarbeiter. „Coppenrath & Wiese ist eine starke Marke, die sich mit immer höheren Kundenanforderungen auseinandersetzen muss“, sagt er. „Ein Vorteil ist, dass am Standort in Mettingen alles unter einem Dach ist“. Die Zugehörigkeit zur Dr. Oetker Gruppe seit 2015 sieht er positiv, da trotz der zentralen Struktur die einzelnen Unternehmen viele Freiheiten haben. So wird auch das Verbesserungsprogramm Conditions unterstützt und weiterentwickelt.

Mitglieder des Conditions-Teams: von links Thomas Neumann, Marina Möllers, Hans-Werner Ahrens und Catrin Husmann.
Mitglieder des Conditions-Teams: von links Thomas Neumann, Marina Möllers, Hans-Werner Ahrens und Catrin Husmann.
Nach 14 Tagen
Nach 14 Tagen "Harte Schule" mit viel Spaß und gutem Teamgeist nahmen die Teilnehmer des TPM-Instruktorkurses ihr Zertifikat entgegen. Seit 2015 gehört die Coppenrath & Wiese KG zur Dr. Oetker Gruppe. Foto: ©Coppenrath & Wiese
Schulungskarten untermauern die Lerninhalte der hausinternen Schulungen und sind wertvolle Helfer im Arbeitsalltag. Der alleinige Produktionsstandort wurde 1992 in Mettingen errichtet. Das Unternehmen beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter.
Schulungskarten untermauern die Lerninhalte der hausinternen Schulungen und sind wertvolle Helfer im Arbeitsalltag. Der alleinige Produktionsstandort wurde 1992 in Mettingen errichtet. Das Unternehmen beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter.