Dass Karate (wörtlich: leere Hand) eiserne Disziplin erfordert, ist allgemein bekannt. Und dass es eines gesunden Maßes an Disziplin bedarf, um kontinuierliche Verbesserungsprozesse erfolgreich zu gestalten, ist ebenso nichts Neues. Disziplin ist die treibende Kraft, welche die Samurai dazu anspornte, sich jeden Tag zu verbessern. Dieser Anspruch sollte in gleichem Maße für Menschen aller Ebenen gültig sein, die sich dem LEAN-Gedanken verschrieben haben. Und es gibt weitere vermeintliche Samurai-Tugenden, die gut in die LEAN-Welt passen. Mut und Respekt, zum Beispiel. Mit Mut werden Veränderungen entschlossen umgesetzt. Respekt verhindert, dass Mitarbeiter nicht gefordert und gefördert werden; oder dass Rohstoffe verschwendet werden und dass die Umwelt zerstört wird. Auch die Gelassenheit wird in diesem Zusammenhang genannt, ebenso wie Perfektion und Souveränität. Bei diesen Begriffen ist es kein weiter Schritt zum Bild des stoisch in seinem weißen Kreidekreis stehenden Mitarbeiters von Toyota, der durch intensive Beobachtung versucht, einen Prozess ganz und gar zu verstehen.

Der Samurai Manager Lesetipp

ist ein festes Konzept in der japanischen Kunst und bedeutet befolgen-(Tradition) brechen-übersteigen und zeigt so den Weg zur Meisterschaft auf. Auch wurde das Kanban-System fälschlicherweise als Produktionssystem bezeichnet oder Douglas MacArthur, Oberbefehlshaber in Japan in der Besatzungszeit, vom General der Armee im Buch zum Brigadegeneral degradiert. Solche Kleinigkeiten tun dem Lesespaß und dem Informationsgehalt aber keinen Abbruch. Ein gelungenes Buch zum Thema Führen im 21. Jahrhundert mit Samurai-Elementen.

Die letzte im Buch genannte Tugend und wichtige Voraussetzung für einen guten Karateka ist, laut Lindner, die Intuition. Zu erahnen, wann die richtige Gelegenheit ist, um mit minimalem Aufwand die größtmögliche Wirkung zu erzielen. Was für den Samurai überlebenswichtig war, kann auch für einen Manager entscheidend sein. Durch Intuition eröffnen sich ihm nämlich Chancen, die er sonst nicht wahrgenommen hätte.

Der erste Teil des Buches enthält Interviews mit Führungskräften namhafter Unternehmen, die über langjährige Japanerfahrung verfügen. In direkter und indirekter Form werden hier die Tugenden Respekt und Disziplin bestätigt. Auch das Thema Visionen und wie japanische Unternehmen Visionen entwickeln, wird von einigen Interviewpartnern erläutert. So ist es interessant, wie in einem Buch über Samurai, Karate und japanische Führungsmethoden immer wieder der Geist von Toyota und Kaizen durchschimmert.

Schade ist, dass einige Informationen zur japanischen Sprache nicht stimmen. So wird zum Beispiel die Bedeutung der drei Schriftzeichen shu (守), ha (破) und ri (離) falsch wiedergegeben. Shuhari

Das Buch ist erhältlich im Buchhandel oder online bei www.styriabooks.at. Mehr Informationen unter: www.dersamuraimanager.com