Exotische Begriffe sind interessanter
Das japanische Wort für "Moonshine" heißt: „gekkô“(月光). In der modernen japanischen Sprache ist es jedoch üblich, für neue, wissenschaftliche oder technische Dinge fremdländische Begriffe zu übernehmen. Für Landsleute klingt das exotischer und fachmännischer (so wie dies in der westlichen Welt bei japanischen Begriffen manchmal der Fall ist). Romantische Dinge dagegen werden in traditionellem Japanisch bezeichnet, etwa die „Mondscheinsonate“.
Zurück zum Thema „Moonshine-Kaizen“. Wir unterscheiden hier zwei Arten: Zum einen – und das ist der Ursprungsgedanke – handelt es sich um experimentelle Aktivitäten, um etwas neu zu entwickeln. Dabei kann es sich um ein Layout, eine Produktionslinie oder um konstruktive Entwicklungen handeln. Typisch sind in diesem Fall Teams, die aus Mitgliedern unterschiedlicher Bereiche wie Entwicklung, Konstruktion, Instandhaltung, Produktion und Produktionsplanung zusammengesetzt sind. Genutzt werden so genannte Mock-Ups (englisch: Attrappe). Hier wird mit einfachen Materialien wie Karton improvisiert, um eine Idee sichtbar und greifbar zu machen. Gebaut wird üblicherweise in Originalgröße, um gleichzeitig den nötigen Platz einschätzen zu können. Solche Moonshine-Aktivitäten bilden den innovativen Part einer Kaizen-Entwicklung. Sie sind ein Grund für kurze Entwicklungszeiten und geringe Fehlerquoten während eines Produktionsanlaufs. Ein Toyota-stämmiger japanischer
Berater, der sich für dieses Thema besonders engagierte, trug zeitweise sogar den Titel „Father of Moonshine“ – ein
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Aus dem (TPM-)Leben
In der TPM-Welt wird jeder abnormale Zustand - jeder vom Ideal abweichende Zustand - als Mangel angesehen. Eine Welle, die nicht rund läuft, wird ausgetauscht oder repariert. Letzte Woche, bei einem Kaizen-Workshop fiel dem japanischen Berater auf, dass eine der Führungsschienen nicht parallel zur anderen war, sondern leicht verbogen. Auf die Frage, ob das so in Ordnung sei, meinte der Gefragte: "Nein, aber das geht schon so". Solange diese Es-ist-nicht-in-Ordnungaber-es-geht-schon-so-Einstellung nicht verschwindet, wird Lean immer eine untergeordnete Rolle spielen.
Zeichen dafür, wie hoch im Toyota-Umfeld diese Moonshine-Aktivitäten bewertet werden.
Schnelle Umsetzung
Eine andere Art von Moonshine-Kaizen ist die schnelle Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen im Rahmen eines Workshops. Zügig umsetzbare Vorschläge, die am Tag bei laufender Produktion nicht realisiert werden können, werden nach Feierabend installiert. So ist auch Zeit für das Testen verschiedener Kaizenvorschläge, denn bekanntlich werden nach dem Toyota-Produktionssystem stets mehrere Vorschläge zu einem Problem erarbeitet, um die Umsetzung einer wahrscheinlich teuren Schnellschuss-Lösung zu vermeiden. Schon Taiichi Ohnos Motto war „Tu es jetzt und du kannst alles lösen“. So beschreibt es Yoshihito Wakamatsu in seinem Buch „The Toyota Mindset. The Ten Commandments of Taiichi Ohno“
(Enna Products Corporation, 2009). In diesem Buch finden sich zahlreiche Episoden über Taiichi Ohno, von denen eine hier erwähnt werden soll: Bei einem seiner Rundgänge in der Produktion entdeckte Ohno zahlreiche Chassis über einer Montagelinie an einem Hängesystem. Er machte den zuständigen Abteilungsleiter darauf aufmerksam und erläuterte ihm das Problem. Der Abteilungsleiter schien verstanden zu haben. Ohno rief ihn einige Stunden später an, um sich nach der erfolgten Reduzierung der Chassismenge zu erkundigen. „Ich beschäftige mich damit am Wochenende“ lautete die Antwort. Darauf Ohno: „Verstehe. Wie wäre es, wenn ich da rauf klettere und jedes Chassis mit einem Hammer zerstöre …?“ Der Abteilungsleiter bekam Panik und fing sofort an, das Problem zu lösen. cherecht des Betriebsrates – auch bei Toyota. In einem Unternehmen in Japan wurde mir dazu erklärt, dass dort die gewerblichen Mitarbeiter für Moonshine-Aktivitäten zum Nachtarbeitstarif bezahlt werden. Bei Managern setze man diese Einsatzbereitschaft voraus. Prinzipell seien Moonshine-Einsätze beliebt, ist es doch eine gute Möglichkeit, sich beruflich zu profilieren.
Moonshine-Kaizen ist bei Toyota nach wie vor fester Bestandteil des Produktionssystems. Einer, der von uns viel zu wenig beachtet wird. Warum eigentlich? Der Vorteil liegt auf der Hand und täte auch manchem deutschen Unternehmen gut. Es verkürzt Entwicklungszeiten und man kann die Früchte der Arbeit eher ernten. Und – das konnte ich in Japan sehen – es macht Spaß, gemeinsam zu tüfteln und zu improvisieren. Entstehen dabei nicht die besten Ideen?
Taiichi Ohnos Auftreten war mitunter radikal, so berichten Zeitzeugen. Aber die Aufgaben seiner Zeit ließen es wohl auch nicht zu, zimperlich zu sein. Verbesserungen entstehen heute vor allem in Teamarbeit und mit einem Mitspra-
