Die TPM-AG: Barbara Ölschleger und Katrin Franke

In einem japanischen Buch wird Gemba Kanri definiert als eine Reihe von Führungssystemen, welche in der Produktion einsetzt werden, um die vorgegebenen

Ziele zu erreichen. Interessant ist hier der Plural. Denn es wird in produzierenden Betrieben in Japan zwischen den einzelnen Inhalten, die es zu überwachen gibt, unterschieden. So sehen z.B. die Systeme für Qualität anders aus, als jene für Produktivität oder Kaizen-Aktivitäten. Und auch die Ebene der Führung bestimmt das dafür notwendige System. von OEE, Verfügbarkeit, Leistung, und Qualität dargestellt, und zwar tagesaktuell. Hinzu kommen Daten zu den wich-

Aus dem (TPM-)Leben

Während eines Kaizen-Workshops sollte ein neues System zur Informationsverteilung in der Produktion eingeführt werden. Eines der Teammitglieder, ein hochintelligenter Mann, der leider nicht von der Marschrichtung überzeugt war, fand immer wieder Argumente gegen das geplante Vorgehen. Nach einiger Zeit bat ihn der japanische Berater, seine Energie nicht in das Finden von Gründen, warum es nicht funktionieren wird, zu stecken, sondern in die Umsetzung des bereits beschlossenen Zieles. Leider ist es in der Praxis oft so, dass ein bereits gesetztes Ziel hinterfragt wird, sobald sich die ersten Hindernisse zeigen.

Welche Informationen müssen wo aufbereitet und dargestellt werden? Gemäß der obigen Definition sind es jene Inhalte, Zustände oder Konditionen, die dazu führen, dass die gestellten Ziele nicht erreicht werden. Hierzu ein Beispiel: Basierend auf Marktsituation und Marktprognosen beschließt die Führungsebene eines Unternehmens, die Produktivität seiner wichtigsten Produktionsanlage zu erhöhen. Am Gemba schlägt sich das als OEE-Erhöhung von 75 % auf 80 % über den Zeitraum eines Jahres nieder. An der Maschinentafel wird daher die Entwicklung tigsten Störungen (als Pareto-Diagramm) und Angaben zu dem Problem, das momentan bearbeitet wird. Mit sechs bis acht Feldern auf der Maschinentafel kann man auf diese Weise einen einfachen Überblick über das momentane Geschehen an dieser Anlage darstellen und verfolgen.

Auch wenn diese Informationen für alle gleich sind, so haben sie unterschiedliche Wirkungen. Der Mitarbeiter an der Linie sieht sofort, welche direkten Auswirkungen Störungen oder Qualitätsprobleme auf das gemeinsam vereinbarte Ziel haben. Schichtleiter, Produktionsleiter und Werksleiter sehen, wo Probleme aufgetreten sind, ob diese Störungen auf dem Weg zum Ziel ein ernsthaftes Hindernis darstellen, und ob sofort eingegriffen werden muss. Darüber hinaus dient die Tafel dazu, Informationen in einfacher Form für die Schichtübergabe aufzubereiten.

Oft stoßen Maschinentafeln nicht auf viel Gegenliebe. Die Berechnung des OEE wird den Werkern nicht zugetraut oder die Informationen über Störungen, Qualität etc. sind in elektronischen Systemen versteckt oder werden in einiger Entfernung vom Gemba gehortet. Die Wände von Besprechungszimmern werden gerne mit Ausdrucken von Kennzahlen zutapeziert. Leider befinden sich solche Räume jedoch meist zu weit weg vom Ort, an dem die Wertschöpfung stattfindet.

Etwas mehr standardisiert ist die Gestaltung der Werks- oder Abteilungstafeln. Feste Bestandteile sind Daten zu Produktivität, Qualität, Kosten und natürlich Sicherheit. Aber es gibt auch Inhalte, die angepasst oder ausgetauscht werden können: Berichte über ein gutes Ergebnis von Verbesserungen, Team des Monats, Sicherheitskampagnen oder die Ankündigung von Audits.

Neben Tafeln gibt es eine ganze Reihe anderer Werkzeuge, die einen Überblick über die Situation einer Produktionsstätte geben. Die einfachsten sind wohl Lampen bzw. Ampeln, Stellplätze oder Markierungen. Aber auch ein markierter Arbeitsbereich, innerhalb dessen ein Werker an einer Fließanlage arbeiten soll, sind Visualisierungen, die eine Beurteilung der Produktion ermöglichen.

Der Unterschied

Der größte Unterschied zwischen Shopfloor Management und Gemba Kanri besteht wohl im Stellenwert der Information. Für uns gilt die Maxime, dass mehr Information auch mehr Möglichkeiten bedeutet. Da diese Flut aber nicht bearbeitet oder verarbeitet werden kann, entsteht eine neue Form von Muda: Informations-Muda. Gemba Kanri versucht nur, die jetzt und hier (gen in Gemba bedeutet gegenwärtig, aktuell, tatsächlich) notwendige Information zu visualisieren und dann darauf basierend zu handeln. Kein Shopfloor ist statisch – deshalb sollte dieser nicht starren Systemen, die keiner Verbesserung oder Adaption unterliegen, unterworfen sein. Umso mehr erstaunte mich der Anblick einer Werktafel in den Niederlanden. Sie war aus Edelstahl und die einzelnen Felder fein säuberlich graviert!

Ständig im Wandel: Gemba Kanri Tafel in einem japanischen Werk

Mit Shopfloormanagement lassen sich die täglichen Herausforderungen schnell und unbürokratisch direkt vor Ort regeln.
Mit Shopfloormanagement lassen sich die täglichen Herausforderungen schnell und unbürokratisch direkt vor Ort regeln. Foto: OEEsmart

Wussten Sie schon…

…dass im Toyota Produktionssystem klar zwischen einer Informationstafel (jap. Hyoujiban) und einer Managementtafel (jap. Kanriban) unterschieden wird? Der Begriff „Managementtafel“ bezeichnet ausschließlich Tafeln, die tagesgenau gepflegt sind und bei denen aus generierten Betriebsdaten AUFGABEN abgeleitet werden, die zu Verbesserungen führen. So ist beispielsweise eine Tafel mit den Zeitfenstern für Anlieferungen lediglich eine Informationstafel. Ist sie so gestaltet, dass jede Verspätung vermerkt wird und man so erkennt, welche Spedition Schwierigkeiten hat und daraus ein Kaizen-Thema abgeleitet wird, ist es eine Managementtafel. Schauen sie sich doch mal in Ihrem Betrieb um, wo Managementtafeln stehen…