Aktuelle Meldungen in der Wirtschaftspresse greifen die in jüngster Zeit wiederholt geäußerte Kritik an den Handelsüberschüssen

Deutschlands auf. Diese würden zu einem Ungleichgewicht führen einen Landes das Defizit des anderen sei. Als Grund für die Überschüsse wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie genannt. Diese jedoch beruhe auf Lohndumping. Ich halte letztere Aussage für falsch.

Die Fakten: In der Tat sind in den letzten Jahren in Deutschland die Löhne in der Industrie kaum oder gar nicht gestiegen. Wenn man die Inflationsrate berücksichtigt, haben viele Beschäftigte sogar Lohneinbußen hinnehmen müssen. Und Gleichzeitig hat sich die Arbeitsproduktivität – nicht zuletzt durch erfolgreiche Umsetzung des Lean-Production-Gedankens – drastisch erhöht. Dies verschafft den Unternehmen theoretisch Spielraum für Preissenkungen. Doch in der Praxis verkaufen sich deutsche Industrieprodukte nicht über den Preis.

Erfolgsgeheimnis deutscher Produkte

Glaubt irgendjemand ernsthaft, deutsche Produkte seien erfolgreich, weil sie billiger sind als die der Konkurrenz? Nein, sie sind besser. Oftmals haben sie sogar Alleinstellungsmerkmale und sind deshalb konkurrenzlos. Hinzu kommt die Fähigkeit, ja teilweise auch die unbändige Lust, deutscher Unternehmen, schwieriges Neuland zu betreten und den Kunden schnell individuelle Lösungen anzubieten. Was würde die geforderte Erhöhung der Löhne also bringen? Nach der Logik der Kritiker eine Verteuerung der deutschen Produkte und damit einen Wettbewerbsnachteil. Meine Prognose für ein solches Szenario: Die deutschen Produkte wären unwesentlich teurer und würden weiterhin gekauft.

Preisdumping oder Qualität? Warum sind deutsche Produkte weltweit so beliebt? Foto: Fotolia/© tashatuvango

bergeführte Unternehmen – der völlige Verzicht auf Fremdkapital wird hier allmählich zur Regel. Damit sind diese Unternehmen gut gerüstet gegen Krisen – nicht nur das Instrument der Kurzarbeit hat ihnen über die Krise 2009 hinweggeholfen, sondern auch die gute Kapitalausstattung. Wer Umsatzeinbrüche von 50 Prozent und mehr verkraften kann, der muss vorher seine Hausaufgaben gemacht haben. Und hier kommt der zweite Bereich ins Spiel: Wertschöpfungsexzellenz.

Ich stimme allerdings zu, dass eine aus meiner Sicht längst überfällige Anpassung der Löhne die Kaufkraft und damit die Binnennachfrage stärken würde. Dies wiederum schlüge sich im erhöhten Konsum von Importprodukten oder in Auslandsreisen nieder. Das Geld käme somit auch den Handelspartnern zugute. Wer jedoch glaubt, dass dadurch die teils horrende Staatsverschuldung einiger dieser Handelspartner auch nur ansatzweise reduziert werden könne, der beherrscht die vier Grundrechenarten nicht.

Was macht den Unterschied?

Was ist Wertschöpfungsexzellenz? Das ist der Vertrieb, der stets in Kundennähe ist und ein offenes Ohr für jeden noch so abwegig erscheinenden Wunsch hat, statt dem Kunden Standardware anzudrehen. Das ist die Produktion, die sich im technologischen Grenzbereich bewegt und sich dennoch durch robuste Prozesse auszeichnet, um damit in kürzester Zeit die ausgefallensten Wünsche zu erfüllen. Das sind die hervorragend ausgebildeten Facharbeiter bei der Inbetriebnahme der Produkte vor Ort beim Kunden im Ausland,

Wo ist das ganze Geld geblieben? Ich sehe da zwei Bereiche: Da wäre zunächst einmal das Eigenkapital zu nennen. Wurden deutsche Unternehmen vor zehn Jahren noch für ihre dünne Kapitaldecke gescholten, so sieht die Lage heute ganz anders aus. Ich besuche sehr viele inhadie in unklaren Situationen ebenso eigenständig wie souverän agieren und mutige Entscheidungen treffen, statt auf Weisungen der Zentrale zu warten.

Diese Dinge sind es, die den Unterschied ausmachen. Und der entsteht auch nur dann, wenn die Beteiligten dazu befähigt werden. Und dies kostet nun einmal Geld. Eine Organisation, die ihren Verschwendungen hinterherläuft, permanent Krisenmanagement betreibt und über Rabatt-Aktionen versucht, im Geschäft zu bleiben, kann dies natürlich nicht.

Statt also auf der Basis überholter volkswirtschaftlicher Schulbuchweisheiten voreilig zu urteilen, sollten diese Kritiker ihren Blick für das Wesentliche schärfen: Die deutsche Wirtschaft ist nicht deswegen exportstark, weil sie ihre Menschen niedrig entlohnt, sondern weil sie ihre Menschen entwickelt. Ich finde, wir sollten an dieser Stelle weitermachen – Sie auch?