Da es zu seiner Zeit noch wenige Möglichkeiten gab, Kurse zu besuchen, eignete sich Peter Willmott das TPM-Wissen aus Büchern an. Er verschlang das vorhandene Material und begann sofort, dieses Wissen an seinem Arbeitsplatz in der Luftfahrtindustrie anzuwenden. Erste Erfolge machten ihn zu einem gefragten Verbesserer, auch über die Grenzen seines Unternehmens hinaus. Seit mehr als 30 Jahren ist er als Autor, Berater, Coach und Hochschullehrer unterwegs. Es ist beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit Peter, den ich bei einer TPM Konferenz in Ungarn kennen lernen durfte, komplizierte Sachverhalte gembagerecht vermittelt.

TPM goes Eastern Europe

Oder seine Freude, TPM-Inhalte zu hinterfragen: So kann er sich nicht mit dem Begriff Autonome Instandhaltung anfreunden. Begründung: Erstens kann das Wort autonom im Englischen keiner aussprechen, und zweitens ziehen sich Mitarbeiter aus der Verantwortung zurück, wenn etwas ohnehin „von selbst“ geschieht. Sein Gegenvorschlag: Front line operator maintenance assistance (Bediener Instandhaltungshilfe an vorderster Front). Etwas sperrig, aber neue Gedanken ecken ja meistens an.

Peter Willmott
Peter Willmott

Konferenz in Budapest zeigt Bandbreite vom Urmodell bis TPM 4.0

Budapest war im September 2012 Schauplatz einer englischsprachigen TPM-Konferenz. Im beschaulichen Rahmen mit knapp 50 Teilnehmern bot sich eine gute Gelegenheit, TPM-Stimmen zu hören, die nicht aus dem deutschsprachigen Raum kommen. Teilnehmer aus Ungarn, Portugal, der Slowakei und sogar aus Indien tauschten sich zu den für sie momentan wichtigen Themen aus.

Die Margareteninsel im Zentrum von Budapest bot eine malerische Kulisse für die TPM® and Similar Systems in Practice Conference 2013. Dem Anspruch nach Praxisnähe wurde die Konferenz durch viele Beispiele von Unternehmen gerecht. Referenten von Top-Unternehmen wie Heineken, Sanofiund General Electrics, ebenso von kleineren Unternehmen stellten zahlreiche Praxisbeispiele vor. Direkt an Gemba erlebten die Teilnehmer TPM bei einer Werksbesichtigung bei Audi Hungaria Motor Ltd. Neben Impressionen aus der Praxis gab es auch breit gefächerte Themen aus der Theorie.

Peter Willmott räumte Mythen um die OEE aus, ohne jedoch die Wichtigkeit dieser Kennzahl zu mindern. Lean Culture war ebenfalls ein Thema, das ausführlich behandelt wurde, mit der Frage, welche Firmenkulturen sich denn für Lean eignen. Erstaunlich waren für mich zwei Aspekte: Einerseits wurde das TPM-Haus mit nur fünf Säulen (Autonomous Maintenance, Training and Motivation, Maintenance Prevention, Preventive Maintenance, Focused Improvement) dargestellt. Seit vielen Jahren bewährte Säulen wie Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umwelt oder TPM in indirekten Bereichen fehlten vollkommen. Fast sprachlos war ich dann bei dem Vortrag über TPM 4.0. Hier kam die Forderung nach Weiterentwicklung und Neuem. Voller Feuer und Begeisterung vorgetragen war der Wunsch nach Fortschritten in Sachen TPM spürbar. Allerdings wäre mein Vorschlag, die ersten Schritte gemäß TPM 1.0, klassisch, mit acht Säulen und mit der notwendigen Basisarbeit, zu gehen, bevor die nächsten Sprünge gewagt werden.