Lean-Tools sind vorhanden - jetzt gilt es, das Ganze in eine Form zu gießen

Mit der Überzeugung, dass lebenslanges Lernen wichtig ist, besuchen Mitarbeiter der Oechsler AG regelmäßig Weiterbildungsseminare. Über die IHK Bayreuth bekam Frank Schühlein, Produktionsleiter am Standort Ansbach, 2010 eine Broschüre über den Studiengang Wertschöpfungsmanagement der Hochschule Ansbach in die Hände. Sofort war er Feuer und Flamme: „Genau das ist es, was wir brauchen.“ Da der Studiengang gerade neu eingeführt wurde, gab es für das erste Semester eine Anschubfinanzierung des Bayrischen Ministeriums mit vergünstigten Studiengebühren. „Das schauen wir uns mal an“ beschlossen er und drei weitere Kollegen, mit der Option, nach dem ersten Semester wieder auszusteigen. Doch es kam anders.

Die Gruppendynamik und der Erfahrungsaustausch unter den Studierenden aus unterschiedlichen Branchen, sowie die praxisorientierten Vorlesungen, waren für Frank Schühlein und seine Kollegen aufschlussreich und motivierend. Als sie begannen, prüfungsrelevante Projekte im Unternehmen umzusetzen, stießen sie zunächst auf Widerstand bei den Kollegen. „Da wir gelernt hatten, wie wichtig das Management Committment ist, haben wir gleich unseren Vorstand, Herrn Christoph Faßhauer zum ersten 5S-Workshop eingeladen“. Der Chef war beim Einführungsvortrag dabei und packte bei der 5S-Aktion mit an. Damit war klar, dass es sich hier nicht um eine Spielerei sondern um eine ernsthafte Maßnahme handelt, die das Unternehmen voranbringt.

Allmählich legte sich der Widerstand, wenn die nebenberuflichen Studenten mit neuen Ideen ankamen und Projekte starteten. Die Begeisterung wuchs. Der „neue Wind“, der dadurch ins Unternehmen kam, drückte sich vor allem durch simple, aber wirksame Lösungen aus. Bisher hatte das technologisch ausgerichtete Unternehmen eher auf technische Lösungen mit hohem Automatisierungsgrad gesetzt. „Während des Studiums hatten wir die Erkenntnis, dass man die Entscheidungssituation zunächst gründlich analysieren sollte, bevor man aus der Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten die am besten geeignete auswählt“ sagt Roland Ammon, Leiter Manufacturing Engineering. Mit den erlernten Problemlösungstechniken, durch Maßnahmen zur Teambildung und durch visuelles Management sei man nun auf einem guten Weg, das im Unternehmen vorhandene Know-how besser zu verknüpfen. So arbeite man auch daran, ein eigenes Produktionssystem zu entwickeln, das dann auf die anderen Standorte des Unternehmens ausgerollt werden soll.

Auch in guten Zeiten verbessern

„Da wir nun zwei Jahre hintereinander das beste Ergebnis in der Firmengeschichte hatten, ist es noch schwerer, den Menschen die Notwendigkeit zur kontinuierlichen Verbesserung vor Augen zu führen“ erzählt Frank Schühlein. Doch als frisch gebackene Bachelor of Arts Wertschöpfungsmangement wissen er und seine Kollegen, wie wichtig es ist, auch – und gerade - in guten Zeiten am Ball zu bleiben. Dass ein besseres Arbeitsumfeld die Motivation steigert, habe sich durch die permanenten Optimierungen im Produktions- und Bürolayout bewiesen. Auch die im Werk Ansbach inzwischen flächendeckend durchgeführten 5S-Aktionen haben durch mehr Ordnung und Sauberkeit die Arbeitsumgebung verbessert. Vor der ersten 5S-Aktion sei der angekündigte Besuch eines wichtigen Kunden als „Motivationshilfe“ gerade recht gekommen.

Frank Schühlein, Roland Ammon, Markus Gabler und Ingo Steber sind froh, dass sie Zeit und Geld in das Studium investiert haben. Durch die Eigenfinanzierung sei man in gewisser Weise unabhängig und frei von Druck gewesen. Man hätte jederzeit die Möglichkeit gehabt, aufzuhören, betont Frank Schühlein. Doch bei den interessanten Inhalten und dem Enthusiasmus unter den Kommilitonen habe keiner ans Aufhören gedacht. „Uns ging es auch nicht um den Bachelor-Titel, sondern darum, etwas bewegen zu können“ sagt er.

Vorher und Nachher: Ordnung im Werkzeugwagen schafft Übersicht und spart Suchzeit.
Vorher und Nachher: Ordnung im Werkzeugwagen schafft Übersicht und spart Suchzeit.

Das Unternehmen

Die Ursprünge der Oechsler AG liegen in einem 1864 von Matthias Oechsler in Ansbach gegründeten Handwerksbetrieb. Die Knopfmanufaktur entwickelte sich zum internationalen Konzern. Das ursprüngliche Produktportfolio wurde abgelöst durch Präzisionsteile, Highend-Baugruppen, Designkomponenten, mechatronische Antriebstechnik oder kunststoffgebundene Magnete. Die hohen Qualitätsstandards sind geblieben, nach dem Motto: Innovation aus Tradition für Lösungen von morgen. Oechsler begleitet seine Kunden von der Entwicklung bis zur „schlüsselfertigen“ Montage.

Um die positive Entwicklung im Unternehmen weiter voranzutreiben, wolle man sich mit den Werken Ansbach, Weißenburg und Lipova (Rumänien) für den Award for Operational Excellence in Bronze bewerben. Durch das Anstreben dieses Meilensteins sieht Frank Schühlein die Chance, das im Unternehmen seit vielen Jahren vorhandene Methodenwissen, wie z.B. Six Sigma oder TPM, noch besser umsetzen zu können und damit ein firmeneigenes Produktionssystem auf hohem Niveau zu etablieren. Tatkräftig unterstützen ihn seine (Studien-)Kollegen: Ingo Steber sieht sich als Leiter der Instandhaltung durch das für ihn laut eigenen Angaben maßgeschneiderte Studium sehr gut gerüstet. Markus Gabler war Fertigungsplaner und wechselte in das Projektmanagement. „Aus dem Studium kann ich nun besonders aus den Fächern Teambuilding und Projektmanagement vieles bei meiner neuen Aufgabe anwenden“, sagt er.

Aus anfänglicher Skepsis wurde Begeisterung: Die 5S-Teams gingen ans Werk und sorgten für neue Standards.
Aus anfänglicher Skepsis wurde Begeisterung: Die 5S-Teams gingen ans Werk und sorgten für neue Standards.
Markierungen sorgen für Klarheit und Ordnung.
Markierungen sorgen für Klarheit und Ordnung.
Die vier studierten Wertschöpfungsmanager: Frank Schühlein, Roland Ammon, Ingo Steber und Markus Gabler.
Die vier studierten Wertschöpfungsmanager: Frank Schühlein, Roland Ammon, Ingo Steber und Markus Gabler.