Ein gewichtiges Werk mit hohem Anspruch

Rezension von Barbara Ölschleger

Das Buch bearbeitet die Methoden unter den Aspekten „Grundlagen, Nutzen und Umsetzung“, um damit dem Anspruch der praktischen Anwendbarkeit gerecht zu werden. Aufgeteilt ist das Handbuch in zwei große Bereiche: Methoden und Werkzeuge.

Im ersten Teil werden unter anderem TPM, Six Sigma, Lean Management oder auch der Kontinuierliche Verbesserungsprozess vorgestellt und erläutert. Verwunderlich ist, dass in diesem Teil auch die Balanced Scorecard als QM-Methode vorgestellt wird, wo doch der Zielentwicklungsprozess (Hoshin Kanri, siehe Yokoten Nr.02/2013) ein viel präziseres Werkzeug für die Entwicklung, Fokussierung und Verfolgung der Ziele darstellt. Am Ende des ersten Teils vermitteln Fallbeispiele für den Einsatz einiger Methoden einen Einblick in die Praxis.

Im zweiten Teil werden dann die für das Qualitätsmanagement notwendigen Werkzeuge vorgestellt. Darunter befinden sich die klassischen Tools wie 7W-Fragen, die sieben Qualitätswerkzeuge (Q7) oder auch die sieben Managementwerkzeuge (M7). Allerdings fehlen so elementare Werkzeuge wie QA-Matrix oder QM-Matrix, die dazu dienen, die qualitätsbeeinflussenden Kriterien zu erfassen und damit die Möglichkeit, Qualität zu „managen“.

Inhaltlich bietet das Buch eine solide Basis und einen groben Überblick über die Qualitätsmanagementmethoden, die in den letzten 50 Jahren entwickelt wurden. Allerdings sind neuere Ansätze, Einsatzgebiete und Entwicklungen kaum erwähnt. So hat das TPM-Haus noch fünf Säulen, obwohl die letzten drei Säulen – Anlaufüberwachung, Office-TPM und Arbeitssicherheit, Hygiene und Umweltschutz – bereits seit mehr als 20 Jahren bestehen. Ferner ist das Werk sehr produktionslastig. Daher findet das in Büroprozessen häufig eingesetzte Analysetool Makigami keine Erwähnung. In der Praxis ist jedoch zu beobachten, dass überall dort QM-Werkzeuge und -Methoden eingesetzt werden, wo Material oder Informationen verarbeitet werden. TPM in Krankenhäusern oder Banken etabliert sich in vielen Ländern. In Japan wird TPM auch in Bildungseinrichtungen zur Verbesserung des Schulablaufs eingesetzt.

Die Autoren des Buches sind auf unterschiedlichen Gebieten aktiv, haben unterschiedliche Wissensstände und arbeiten in unterschiedlichen Branchen. Für den Leser wäre es hilfreich, wenn zentrale Begriffe und Konzepte wie z.B. PDCA in einem Glossar zusammengefasst wären. Dadurch hätte man vermeiden können, dass fachliche Inhalte in unterschiedlichen Abschnitten des Kompendiums mit unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Definitionen aufgeführt werden.

Das Buch ist trotz der genannten Schwächen empfehlenswert, weil es einen Überblick vermittelt. Dennoch ist an mancher Stelle Vorsicht geboten. Es haben sich einige Fehler eingeschlichen, die vielleicht nicht sofort auffallen. Ins Auge stechen vor allem Dinge wie die Bezeichnung Gesamtanlageneffizienz für OEE anstelle von Gesamtanlageneffektivität, wie es eigentlich heißen sollte, sowie falsche Schriftzeichen für Seiri, Seiton, Seiso, Seiketsu und Shitsuke bei der 5S-Methode. Wenn schon die Anstrengung unternommen wird, ein derart umfassendes Werk zu erstellen, wäre es wünschenswert gewesen, auch neuere Ansätze im Qualitätsmanagement der deutschen Leserschaft vorzustellen. Und es wäre hilfreich gewesen, Vorlagen wie z.B. 5S-Checklisten oder Formulare für die Durchführung eines PDCA-Kreises anzubieten. Damit wäre der Anspruch nach der Hilfestellung bei konkreten QM-Problemen erfüllt gewesen.

Zusammenfassend kann das Buch als gelungen bezeichnet werden hinsichtlich des Überblicks über die häufigsten QM-Methoden und -Werkzeuge. Dem selbst gestellten Anspruch, konkrete Hilfestellung für konkrete QM-Probleme zu bieten, wird es jedoch nicht in vollem Umfang gerecht.

Preis 169,99 Euro, ISBN: 978-3446435582, 928 Seiten, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG