Selbstlernen
Learning by doing
Selbst .-studium
Schulung durch Vorgesetzte
Erfolgsquote der Projekte Zusammenhang zwischen Projekterfolg und Vorbereitungsmaßnahme
Projekterfolg in [%]
10,7% 0% bis 10%
11% bis 30%
11% bis 30 %
31% bis 60%
61% bis 80% mehr als 80%
Die Teilnehmer sollten unter den Methoden „Learning by doing“, „Selbststudium“, „Schulung durch Vorgesetzte“, „Teilnahme an Schulungen“, „Workshops mit Trainern“ diejenigen auswählen, mit denen sie auf ihre Rolle in Lean Projekten vorbereitet wurden (s. Abb. 1a). Hierbei ist auffällig, dass sie zwar mit unterschiedlichen Methoden das relevante Wissen, das für die Durchführung des Projekts notwendig ist, erlernen, die prozentuale Anwendung dieser Methoden jedoch relativ gleichverteilt zwischen 50 % und 60 % ist. Die einzige Ausnahme bildet hier die Schulung durch Vorgesetzte, die mit 23,1 % und somit deutlichem Abstand hinter allen anderen Methoden liegt.
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Schulungen
Workshops mit Trainern
Teilnahme an Schulungen
Abb. 1a
Befragungsergebnisse zur Untersuchung über die Auswirkung der verwendeten Vorbereitungsmethoden auf die Ergebnisse von Lean-Projekten
20 45 70 90 20
45 70 90 20
Anteil der verwendeten Vorbereitungsmaßnahme in [%]
Abb. 1b Abb. 1c
Eine intensive Vorbereitung der Projektbeteiligten bedeutet allerdings nicht, dass die von ihnen durchgeführten Lean-Projekte auch tatsächlich zum gewünschten Erfolg führen. Bei der Frage, wie viele der durchgeführten Lean-Projekte längerfristig Erfolg hatten, haben nur 10,7 % der Befragten eine Erfolgsquote von über 80 % angegeben (Abb. 1b). Als Erfolgsfaktoren wurden überwiegend die Einbeziehung und Mitnahme der Projektmitarbeiter sowie das Vorleben und Verstehen des Lean-Gedankens genannt.
Bei der Zusammensetzung des Projektteams sollte die Eignung der Mitarbeiter zur Teilnahme an einem Lean-Projekt berücksichtigt werden. Denn bei der Auswertung der Erfolgsquoten unter Berücksichtigung der jeweiligen Vorbereitungsmethoden konnte ein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden. Die Umfrage ergab, dass die Qualifikation der Mitarbeiter bzw. deren Methoden zur Vorbereitung von Lean-Projekten einen Einfluss auf den späteren Erfolg des Projektes haben. Es fällt auf, dass Projekte, bei denen die Mitarbeiter das für das Projekt wichtige Wissen über ein Eigenstudium oder einfach während der Durchführung erlernten, weniger häufig zum Erfolg führen, als diejenigen Projekte, bei denen die Mitarbeiter im Vorfeld an Workshops oder Seminaren teilgenommen hatten. Es wurde eine Kategorisierung aller in der Umfrage aufgeführten Methoden zur Vorbereitung auf Lean-Projekte vorgenommen. Wie in Abb. 1a zu erkennen ist, wurden eine Vorbereitung durch „Learning by doing“ und „Selbststudium“ der Kategorie „Selbstlernen“ zugeordnet. „Schulung durch Vorgesetzte“, „Teilnahme an Seminaren“ und „Workshops mit Trainern“ sind Teil der Kategorie „Schulungen“. Die jeweiligen Korrelationen zwischen dem Projekterfolg und der prozentualen Teilnahme an der Methode „Selbstlernen“ bzw. „Schulung“ zur Projektvorbereitung ist in Abb. 1c dargestellt. Dabei wurde eine Interpolation der diskreten Klassen über den Projekterfolg (vgl. Abb. 1b) vorgenommen. Es wird deutlich, dass die Trends in Bezug auf den Projekterfolg bei Mitarbeiten, deren Vorbereitungen durch Selbstlernen erfolgten und solchen, die an Schulungen teilgenommen haben, gegenläufig sind. Die Umfrage zeigt, dass ein höherer Anteil geschulter Mitarbeiter tendenziell zu einer höheren Erfolgswahrscheinlichkeit führt. Ein steigender Anteil von Mitarbeitern mit selbsterlerntem Wissen führt hingegen zu einer sinkenden Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Projektabschlusses.
Aber warum scheitern Lean-Projekte überhaupt? 44,4 % der Befragten sehen traditionelle Denk- und Arbeitsstrukturen als größten hemmenden Faktor für die erfolgreiche Durchführung eines Lean-Projektes. Mit 25,9 % wird ein beschränktes Verständnis für Prozessdenken als zweithäufigster Grund vor der mangelnden Kenntnis für Lean mit 18,5 % für das Scheitern von Projekten angegeben. Unbedenklich sehen die Befragten jedoch die Kontinuität der Umsetzung oder fehlendes Fachwissen. Diese Gründe wurden von keinem der Teilnehmer als Ursache für ein erfolgloses Lean-Projekt genannt. Weitere Gründe werden in Abb. 2b dargestellt.
Trotz einiger erfolglos durchgeführter Projekte und dem Vorhandensein oben genannter Hemmnisse war der Großteil der Teilnehmer der Umfrage mit der Einführung des zuletzt eingeführten Lean-Themenfeldes zufrieden (Abb. 2c). Über 60 % gaben an, dass sie zufrieden oder sehr zufrieden waren. Der Anteil unzufriedener Projektleiter und -mitarbeiter beschränkt sich auf gerade einmal 5,3 %.
Die Ergebnisse einer differenzierten Betrachtung der Zufriedenheit der Projektleiter mit den Projektmitarbeitern und umgekehrt sind in der Abbildung 2a dargestellt. Auffällig ist, dass die Zufriedenheit mit dem Fachwissen dabei am geringsten ausfällt. Sogar 6,2 % der Projektleiter gaben an, dass sie mit dem Fachwissen ihres Projektteams unzufrieden waren. Umgekehrt waren 18,3 % der Projektmitarbeiter mit dem Wissen ihrer Projektleiter nur wenig zufrieden. Das Engagement in Projektteams wurde sowohl von den Projektleitern als auch von den Projektmitarbeitern positiv bewertet. Insgesamt waren 90,1 % der Projektleiter mit dem Engagement des Projektteams zufrieden oder sehr zufrieden. Im Gegenzug gaben 71,6 % der Teilnehmer, die Bestandteil eines Projektteams waren, an, mit dem Engagement ihrer Projektleiter zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Die Motivation des Projektteams ist mit 67,2 % zufriedener oder sehr zufriedener Projektleiter immer noch gut, aber insgesamt schlechter bewertet als dessen Engagement. Andersherum scheint das Projektteam mit der Angabe von 78,3 % zufriedener oder sehr zufriedener Projektmitarbeiter den Eindruck zu haben, dass deren Projektleiter eine hohe Motivation für ihr Projekt zeigten. Die Motivation der Projektleiter wurde demnach besser bewertet als deren Engagement.
Die zu Beginn dieses Artikels genannten Nachfragewerte im Hinblick auf Methoden der Lean Pro-
Zufriedenheit mit den Projektteilnehmern
Zufriedenheit des Projektleiters mit dem Projektteam
0% 20% 40% 60% 80%
Engagement
Motivation
Zufriedenheit des Projektteams mit dem Projektleiter
Zufriedenheit mit dem letzten Lean-Projekt Erfolgshemmnisse
Traditionelle Denk- und Arbeitsstrukturen (44,4%)
Beschränktes Verständnis für Prozessdenken (25,9%)
Mangelhafte Kenntnisse von "Lean" bei den Beteiligten (18,5 %)
Rollenprobleme der Führungskräfte (14,8%)
Mangelhafte Unterstützung durch das TOP-Management (11,1%)
Starke Opposition im mittleren Management (14,8%)
Schablonenhafte Konzeptgestaltung (11,1%)
Zu hohe Geschwindigkeit bei der Einführung (14,8%) duction, die sich bei einer Google-Suche ergeben, spiegeln sich auch in der von uns getätigten Umfrage zu den Themen der Lean-Projekte wider. Hier gaben 63,2 % der Befragten an, dass das letzte von ihnen durchgeführte Lean-Projekt sich entweder mit der Einführung von Kanban, der 5S-Methode oder Kaizen und KVP beschäftigte. Auf Kanban-Projekte entfallen dabei 29 %, auf Projekte, die die Einführung von 5S behandelten, 18,4 %, und 15,8 % der zuletzt durchgeführten Projekte befassten sich mit Kaizen bzw. KVP. Das Interesse und die steigende Wichtigkeit dieser Themen für Unternehmen, welche aufgrund der hohen Nachfragewerte bei Google zu erahnen sind, konnten mittels der durchgeführten Umfrage bestätigt werden.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ein höherer Anteil geschulter Mitarbeiter tendenziell zu einer höheren Erfolgswahrscheinlichkeit eines Lean-Projektes führt. Analog dazu resultiert ein steigender Anteil von Mitarbeitern mit selbsterlerntem Wissen in einer sinkenden Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Projektabschluss. Daraus lässt sich schließen, dass eine Schulung gegenüber dem Selbstlernen von Lean-Methoden als Vorbereitungsmethode höhere Erfolgschancen verspricht. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Bereitschaft und Fähigkeit von Projektbeteiligten, traditionelle Denk- und Arbeitsstrukturen – falls erforderlich – durchbrechen zu können und offen gegenüber Veränderungen zu sein. Trotz des Scheiterns einiger Lean-Projekte war der Großteil der Projektbeteiligten mit dem zuletzt durchgeführten Projekt zufrieden. Unzufriedenheit resultierte überwiegend aus dem Eindruck, dass es bei anderen Projektmitarbeitern oder Projektleitern an Fachwissen mangelte. Dieser Aspekt ist insofern interessant, als dass fehlendes Fachwissen bei den Gründen für das Scheitern eines Lean-Projekts gar nicht genannt wurde. Fehlendes Fachwissen führt der Umfrage zufolge demnach zu Unzufriedenheit der Projektbeteiligten, wird aber nicht als Hemmnis für einen erfolgreichen Projektabschluss gesehen. sehr zufrieden zufrieden mittel weniger zufrieden unzufrieden
Fachwissen sehr zufrieden zufrieden mittel weniger zufrieden
Abb. 2a
5,3% sehr zufrieden zufrieden mittel weniger zufrieden unzufrieden
Befragungsergebnisse zu Erfolgshemmnissen bei Lean-Projekten
Abb. 2b Abb. 2c
Die Autoren:
Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dennis Goßmann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Produktionsgestaltung des IFA der Leibniz Universität Hannover.
Jan Busch M. Sc. ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Produktionsgestaltung des IFA der Leibniz Universität Hannover.
Dipl. SoWi Holger Möhwald ist seit über 15 Jahren selbständiger Trainer, Berater und Prozessbegleiter. Gemeinsam mit dem IFA führt er Trainings zum Lean Management durch und arbeitet zusammen in nationalen Forschungsförderprojekten.
