Pfeifer Seil- und Hebetechnik GmbH auf dem Weg in eine neue Arbeitswelt

Es begann mit dem Verbesserungsprogramm PEP (Pfeifer Efficient Production). Maschinen wurden umgebaut und umgesetzt, das Umfeld farblich neu gestaltet und Prozesse kontinuierlich verbessert. Daraus entstand der Ansatz für die Initiative „Die gesunde und sichere Fabrik“. Neben sicheren und gesunden Arbeitsplätzen legt das Management Wert auf ein soziales und leistungsförderndes Betriebsklima.

„Ein Arbeitsplatz in unserer Produktion muss so attraktiv sein, dass die Mitarbeiter aus den Büros neidvoll darauf blicken“, so formulierte Dr. Günter Fenneberg, Geschäftsführer der Pfeifer-Gruppe mit Stammsitz in Memmingen, das Ziel für die Gesundheitsoffensive im Unternehmen.

Ein Projektteam wurde ins Leben gerufen, bestehend aus Markus Weiß (Elektromeister, Leiter Gebäudemanagement, Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementbeauftragter) als Projektleiter und Dipl.-Ing. (FH) Helmar Matzky (Qualitätsmanagement-/Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementbeauftragter), der für die Dokumentation zuständig ist, einer Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Betriebsarzt. In regelmäßigen Meetings und durch Mitarbeiterbefragung sammelt das Team Ideen für Verbesserungspotenzial im Hinblick auf Gesundheit und Sicherheit. Als Kernthemen haben sich die Bereiche Licht, Lärm und Staub herauskristallisiert. Gemeinsam mit den Mitarbeitern vor Ort wurden in einigen Projektsitzungen Maßnahmen zur Verbesserung dieser Punkte entwickelt.

Das Unternehmen Die Pfeifer Seil- und Hebetechnik GmbH in Memmingen ist Stammhaus der Pfeifer-Gruppe. Das Unternehmen blickt auf eine über 430-jährige Familientradition in der Herstellung von Seilen zurück. Hier nahm das rapide Wachstum zur heutigen international agierenden Firmengruppe seinen Anfang. Die fünf Geschäftsbereiche des Spezialisten in Memmingen sind Seilanwendungstechnik, Seilbau, Bautechnik, Hebetechnik und Anschlags-/Zurrtechnik. In vielen Großprojekten findet man Produkte der Firma Pfeifer. Zum Beispiel wird das Dach des zur Fußball-WM 2010 errichteten Fussballstadions in Durban von Seilen aus Memmingen gehalten. Auch in vielen Brückenkonstruktionen findet man die hochwertigen Stahlseile aus dem Hause Pfeifer.

Licht und Helligkeit

In den hohen Fabrikhallen und den darin befindlichen Arbeitsplätzen war es augenscheinlich zu dunkel. Durch Lichtmessungen an fest definierten Messpunkten wurde der Status Quo festgehalten. Es entstand ein Lichtkataster. Anhand eines Ampel-Systems wird bei den regelmäßigen Messungen Handlungsbedarf sichtbar. Die erste Idee, um mehr Licht in die Fertigung zu bekommen war banal, aber wirksam: Ein Spezialunternehmen nahm sich der Reinigung der Lampengehäuse an. Gleichzeitig wurden die Leuchtmittel ausgetauscht. Das brachte Licht in die Hallen und die Messwerte verbesserten sich deutlich. Zusätzlich wurden Stellen mit problematischer Beleuchtungssituation, zum Beispiel im Prüflabor oder in der Lehrwerkstatt, aufgespürt und mit zusätzlichen Lichtquellen ausgestattet. Ein Reinigungsplan und eine kontinuierliche Lichtmessung sollen nachhaltig dafür sorgen, dass die Mitarbeiter genug Licht zum Arbeiten und Wohlfühlen haben.

Eine standardisierte Messmethode mit definierten Messpunkten zur Lichtmessung ermöglicht Vergleiche.
Eine standardisierte Messmethode mit definierten Messpunkten zur Lichtmessung ermöglicht Vergleiche.

Staub und Schadstoffe

Emissionen wie Staub und andere Schadstoffe können gesundheitsgefährdend sein. Unter diesem Gesichtspunkt nahmen die Verbesserungsteams Arbeitsplätze und Maschinen unter die Lupe. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, austretenden Staub und Schmutz bereits an der Quelle zu minimieren“, betont Helmar Matzky. „Dann haben wir auch weniger Verschmutzung in der Halle“. Erste Maßnahmen seien Absaugvorrichtungen gewesen. Es gelte, die Mitarbeiter vor Ort zu sensibilisieren, damit undichte Stellen wirksam und dauerhaft beseitigt werden. Da die Messungen in diesem Bereich aufwändig sind, gingen die Teams zunächst nach Bauchgefühl vor und fanden 10 Staubquellen wie Schweißplätze, Trennflexen oder Lackieren. Eine Brennschneidanlage mit veralteter Technologie und hohem Staubausstoss wurde sofort abgebaut und entsorgt, andere Anlagen mit leistungsstarken Absaugvorrichtungen versehen.

Frisches Obst, das kostenlos bereit steht, soll Impulse für eine gesunde Ernährung geben.
Frisches Obst, das kostenlos bereit steht, soll Impulse für eine gesunde Ernährung geben.

Lärm und Lautstärke

Zusammen mit der Berufsgenossenschaft führten die Teams in der Produktion Lärmmessungen durch. Die Fragestellung lautete: Wo sind die Lärmquellen und welche Maßnahmen führen zur Lärmreduzierung?

Erste Maßnahmen sind Einschalungen, Filter, Dämmung am Lüfter oder schallisolierende Wände. Neben der regelmäßigen Wartung von Maschinen und Anlagen sind auch Maßnahmen zur Lärmvermeidung in den Fokus gerückt. Bei der Neubeschaffung von Maschinen und Geräten wird auf die Lärmentwicklung geachtet, zum Beispiel durch den Einsatz von Flurförderfahrzeugen mit Elektroantrieb. Schließlich sind die Mitarbeiter dazu angehalten, selbst zur Vermeidung von Lärm beizutragen, zum Beispiel durch Benutzung von dämmenden Matten in Behältern für Schüttgut.

Gesund leben und arbeiten

Neben der Beseitigung von Faktoren, welche die Gesundheit beeinträchtigen, sind persönliche Schutzausrüstungen für alle Mitarbeiter (Kleidung, Gehörschutz oder Sicherheitsschuhe) obligatorisch. Und es gibt Maßnahmen, welche aktiv die Gesundheit fördern: Wasserspender in der Fertigung und kostenloses Obst in der Kantine oder firmeninterne Sportgruppen. Gesponsorte Mitgliedschaften in einem Fitnessstudio sind angedacht. Kennzahlen für die Entwicklung und den nachhaltigen Betrieb der gesunden Fabrik sind Lautstärke, Helligkeit, Schadstoffgehalte, Anzahl der Unfälle und die in Umfragen messbare Mitarbeiterzufriedenheit.

Helmar Matzky sieht großes Potenzial für weitere Maßnahmen: Bisher stehen Themen wie Hygiene, Farbgestaltung und Ergonomie am Arbeitsplatz auf dem Plan. Er freut sich, dass es bereits positives Feedback auf die Gesundheitsoffensive gibt.