Aus dem (TPM-)Leben Hitoshi Takeda, den ich einige Jahre als Dolmetscherin begleiten durfte, fragt die drei Elemente standardisierter Arbeit stets ab, wie das kleine Ein-Mal-Eins des Kaizen: Arbeiten nach Kundentaktzeit, standardisierter Umlaufbestand (WIP) und Arbeitsschrittfolge. Und die visuelle Darstellung lernt und übt man in Japan wie das Schönschreiben in der Grundschule.
Ich möchte die vielen Standards, die unser Leben von der Wiege bis zur Bahre begleiten und ein geordnetes gesellschaftliches Dasein ermöglichen, an dieser Stelle vernachlässigen. Hier konzentrieren wir uns auf Arbeitsstandards und standardisierte Arbeit. Denn die wollen wir ja in unseren TPM-Aktivitäten verbessern. Nun sind Arbeitsstandard und standardisierte Arbeit nicht ein und dasselbe.
In dem in Japan erschienenen Buch „Sammlung der wichtigsten Fachwörter zum grundlegenden Verständnis des Toyota Produktionssystems“ (ISBN4- 526-04767-8) schreiben Masaya Tokunaga und Akira Enomoto ganz treffend: Ein Arbeitsstandard ist die Summe verschiedener Standards, wie Arbeitsmethode, Maschinen, Werkzeuge etc., die eine standardisierte Arbeit ermöglichen. Standardisierte Arbeit ist nach TPS: Die Art und Weise, etwas ohne Verschwendung, in definierter Abfolge und effektiv herzustellen, wobei der Mensch stets im Mittelpunkt steht. Der Zweck der standardisierten Arbeit ist erstens, die Herstellregeln klar und deutlich zu machen und zweitens als Verbesserungstool zu fungieren. Standards sind also Bestandteil unseres TPM-Werkzeugkastens. Ein Universal-Werkzeug wie der Imbus-Schlüssel von IKEA, ohne den gar nichts geht. Die Abbildung auf Seite 4 zeigt ein Beispiel für die Visualisierung standardisierter Arbeitsabläufe. Eine solche Visualisierung von Standards ist nicht nur für Japaner leicht verständlich. Sie vermittelt ohne jegliche Sprachbarriere die derzeit beste Art und Weise, etwas zu tun. Nicht umsonst sind die Japaner Künstler in Sachen Standardisierung. Enger Raum, hohe Bevölkerungsdichte und nicht zuletzt das alltägliche Risiko von Naturkatastrophen erfordern klare Regeln im Alltag.
Bei der schnellen Vermittlung dieser Regeln kommen den Japanern die ursprünglich aus dem Chinesischen übernommenen Schriftzeichen, genannt „Kanji“, zugute. In Verbesserungssystemen werden Kanji kreativ genutzt, um die entstehenden neuen Denkweisen schnell und verständlich zu vermitteln. So auch beim Thema Standard, im Japanischen „Hyojun“. Dieses Wort schreibt man üblicherweise mit zwei Kanji, wobei das erste „Zeichen, Markierung“ bedeutet und das zweite „Maß, Norm, Regel“. In einem Toyota-Werk habe ich am Gemba eine Schreibweise entdeckt, bei der das erste Zeichen “hyo“ durch ein anderes Zeichen gleicher Aussprache ersetzt wurde. Es bedeutete „zeigen; sichtbar machen“. So wird bei der Verbesserung von Prozessen ganz schnell ein herkömmlicher Standard zu einem visualisierten Standard.
In Japan kann schon durch den Einsatz verschiedener Schriftzeichen (Kanji) kreativ mit dem Begriff Standard gespielt werden. In der oberen Reihe steht das erste Kanji für den Begriff Zeichen, Markierung. Unten wurde das erste Kanji ersetzt durch ein Schriftzeichen mit der Bedeutung zeigen, sichtbar machen. Die Aussprache (hyo) ist für beide Zeichen gleich. Das zweite Zeichen steht für Maß, Norm, Regel (jun).
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